Dünne Haut: nicht nur sprichwörtlich

Die sprichwörtliche ‚dünne Haut‘ ist ein Synonym für die psychische Sensibilität und Empfindlichkeit eines Menschen. Allerdings ist eine dünne Haut auch natürliche Begleiterscheinung des Alterungsprozesses oder aber Folge von Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme. Um dünne Haut als Krankheitssymptom zu behandeln, müssen die Grunderkrankungen therapiert werden. Gegen die altersbedingte Hautverdünnung existiert keine Behandlung. Allerdings kann der fortschreitende Substanzverlust zumindest verlangsamt werden. Übrigens: Die Hautdicke kann zwar per Ultraschall gemessen werden, jedoch gibt der ermittelte Wert nur wenig Aufschluss über die Hautgesundheit. Dazu müssen andere Parameter erhoben werden.

Frau testet, wie dünn ihre Gesichtshaut ist.

Wie entsteht dünne Haut?

Die menschliche Haut besteht im Wesentlichen aus drei Schichten: der Epidermis (Oberhaut), der Dermis (Lederhaut, Corium) sowie der Subcutis (Unterhaut). Jeder der Hautschichten kommt eine bestimmte Aufgabe zu. Sie schützen den Organismus vor dem Eindringen von Krankheitserregern, regulieren die Wärme- und Kältewahrnehmung und sind für die taktile Sinnesrezeption zuständig, um nur einige Funktionen zu nennen. Mit zunehmendem Alter laufen die Prozesse im gesamten Körper, auch in der Haut, langsamer ab. Ein verlangsamter Zellstoffwechsel, eine schlechtere Durchblutung und Wundheilung sowie niedrigere Lipidproduktion sind die Folgen. So nimmt auch der Anteil an Kollagen sowie Elastin ab. Beide Fasertypen bestehen aus Proteinen und sitzen in der Dermis. Sie bilden das Bindegewebe der Haut, das Elastizität, Zugfestigkeit und Volumen der Haut garantiert. Während die Hautdicke bis zum 17. Lebensjahr noch kontinuierlich zunimmt, bleibt sie bei einem gesunden Menschen bis zum 65. Lebensjahr relativ konstant. Danach nimmt die Dicke der Haut spürbar ab. Frauen, die ohnehin eine dünnere Haut als Männer besitzen, sind durch die Umstellung des Hormonhaushalts besonders betroffen.

Erkrankungen, die dünne Haut verursachen

Neben dem natürlichen Alterungsprozess sind einige Erkrankungen für den Volumenverlust der Haut verantwortlich. Ob dieser Prozess reversibel ist oder nicht, kommt unter anderem auch auf den Allgemeinzustand des Patienten, sein Alter und die Diagnose an. In der Regel ist eine dünne Haut lediglich Symptom einer bestimmten Grunderkrankung.

Zu den Krankheitsbildern gehören neben Autoimmunerkrankungen wie rheumatoide Arthritis, Morbus Crohn oder Lupus erythematodes (Schmetterlingsflechte) auch Hauterkrankungen wie zum Beispiel Psoriasis (Schuppenflechte), Sklerodermie oder Neurodermitis. Diese Erkrankungen kennzeichnet eine überschießende Reaktion des Immunsystems gegen die körpereigenen Gewebe. T-Zellen, die zur Immunabwehr des Organismus gehören, erkennen diese Gewebe fälschlicherweise als fremd und greifen es an. In der Folge entstehen Entzündungen, die das betroffene Organ schädigen. Die Ursache für diese Erkrankungen ist bis heute ungeklärt.

Auch bei einer Borreliose sind Hautveränderungen und dünne Haut charakteristisch. Die Borreliose kann als Folge eines Zeckenbisses auftreten. Die Gefahr, sich mit den namensgebenden Borrelien, einem Bakterienstamm, zu infizieren, liegt bei maximal sechs Prozent. Die Erkrankung kann einen vielfältigen Verlauf mit unterschiedlichen Symptomen nehmen. Dazu gehören Hautveränderungen wie die sogenannte Wanderröte und im späteren Stadium eine chronische Hautentzündung. Bei der Wanderröte handelt es sich um einen meist kreisrunden Fleck, der sich ausbreitet. Wird die Krankheit chronisch, dünnt die Haut an Knien, Füßen, Ellenbogen und Handrücken aus. Die Gesichts- und Rumpfhaut ist selten betroffen. Die beteiligten Hautstellen zeigen Schwellungen und eine aschfahle Färbung. Das Haut- und Unterhautgewebe degeneriert zusammen mit den kollagenen und elastischen Bindegewebsfasern ebenso wie die Schweißdrüsen und Haarfollikel.

Auch das Cushing-Syndrom führt zur Hautverdünnung. Ursache des Syndroms ist eine übermäßige Produktion des Hormons Cortisol. Es treten verschiedene Symptome wie Fettleibigkeit, diabetes-artige Krankheitszeichen wie starker Durst, Muskelschwäche, Akne und Furunkel auf. Gleichzeitig dünnt sich die Haut stark aus (Pergamenthaut).
Neben diesen Erkrankungen führt auch die Einnahme diverser Medikamente zu dünner Haut. Dazu gehören Kortison (verwandt mit dem körpereigenen Kortisol), das bei Entzündungen angewendet wird und Insulin, der Hormonersatz bei Diabetes Mellitus.

Wie therapiert der Arzt dünne Haut?

Allgemein gilt: Wird die Grunderkrankung therapiert beziehungsweise geheilt, regeneriert sich die Haut abhängig vom Gesamtzustand des Patienten. Der altersbedingte Substanzverlust der Haut ist hingegen nicht behandelbar; er kann allerdings verlangsamt werden. Dazu sollten ältere Menschen direkte Sonneneinstrahlung meiden, den Alkoholkonsum reduzieren, auf Nikotin verzichten, gesund und nährstoffreich essen, viel Wasser trinken und ihre Haut mit feuchtigkeitsspendenden Pflegeprodukten behandeln.

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