Dermatitis – Ausprägungen, Ursachen und Therapie der Hautentzündung

28. Oktober 2018

8 Min.

Zahnfleisch, Hals, Lunge – unzählige Bereiche des Körpers können von Entzündungen betroffen sein. Leider bleibt auch die Haut nicht verschont: Bei einer sogenannten Dermatitis reagieren begrenzte Bereiche oder in seltenen Fällen auch die Haut am gesamten Körper mit Juckreiz, Rötungen und anderen entzündlichen Vorgängen. Doch welche Ursachen stecken dahinter? Und worauf ist bei der Behandlung zu achten?

Frau hat Schmerzen wegen einer Hautentzündung am Nacken



Direkt zum Thema:

Kurze Erklärung:

Dermatitis setzt sich aus den Begriffen „Dermis“ (=Lederhaut/mittlere Hautschicht, die hauptsächlich betroffen ist) und „-itis“ (=Entzündung) zusammen.

Was ist eine Dermatitis? Formen der Hautentzündung

Dermatitis ist nicht gleich Dermatitis – obwohl sich viele Krankheitsbilder durch ähnliche Beschwerden äußern. Vielmehr handelt es sich bei der Bezeichnung „Dermatitis“ um einen Sammelbegriff für alle Probleme der Haut, die mit Ekzemen einhergehen, also entzündlichen Hautveränderungen.

Die Form entscheidet letztlich auch, wie lange die Dermatitis andauert: Wer beispielsweise an der chronisch-entzündlichen Krankheit Neurodermitis leidet, muss damit rechnen, dass die Beschwerden immer wieder kommen – typisch ist ein schubweises Auftreten.1

Welche Ausprägungen bei einer Dermatitis möglich sind, können Sie in der nachstehenden Bildergalerie sehen:

Nahaufnahme einer Hand mit Neurodermitis: Die Hautentzündung zeigt sich vor allem durch eine trockene Haut.

Kennzeichnend für Neurodermitis (atopische Dermatitis) ist eine sehr trockene Haut, die mit Juckreiz und entzündeten Hautstellen (Ekzemen) einhergeht. Die Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt, es wird aber angenommen, dass die genetische Veranlagung, eine gestörte Hautbarriere und ein übereifriges Immunsystem eine Rolle spielen.

Nahaufnahme einer Hautentzündung: Die Kontaktallergie äußert sich durch Rötung und leichte Knötchenbildung.

Eine Kontaktallergie (allergische Dermatitis) zeigt sich bei Berührung von bestimmten Substanzen, beispielsweise Nickel oder Wollwachs. In der Folge rötet sich die Haut, schwillt an und/oder bildet Knötchen beziehungsweise Bläschen aus.

Mann mit Mundrose, die mit Hautrötung um die obere Mundpartie einhergeht.

Die Mundrose (periorale Dermatitis) tritt, wie der Name bereits verrät, vorrangig um den Mund herum auf. Aber auch Nase oder Augenpartie können die typischen Symptome – Hautrötungen, Papeln und Pusteln – aufweisen.

Baby mit wundem Po: Seitlich der Windel zeigt sich die Hautentzündung mit einer starken Rötung.

Bei der Windeldermatitis handelt es sich um einen Hautausschlag im Windelbereich. Umgangssprachlich wird dies auch als wunder Po bezeichnet. Ursache ist oftmals eine zu selten gewechselte Windel, infolgedessen sich aus dem Urin Ammoniak bildet. Diese reizt die empfindliche Babyhaut und Bakterien sowie Pilze können sich ansiedeln und eine Infektion hervorrufen.

Tritt die seborrhoische Dermatitis während des Säuglingsalters auf, spricht man von Kopfgneis. Doch auch Erwachsene können das chronisch auftretende Ekzem mit Schuppenbildung entwickeln. Die Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt, jedoch wird eine übermäßige Talgproduktion vermutet.

Frau war zu lange in der Sonne: Die Hautentzündung geht mit einer Rötung der Haut einher (Sonnenbrand).

Vor allem bei hellen Hauttypen kann ein Zuviel an UV-Strahlung zu Sonnenbrand (Dermatitis solaris) führen. An den betroffenen Hautstellen sind Schwellungen möglich, die teilweise jucken oder schmerzen. Mitunter bilden sich auch Bläschen aus.

  

Die Ursachen einer Hautentzündung

Aufgrund der unzähligen Ausprägungen von Dermatitis ist es kaum möglich, pauschal eine Ursache zu nennen, die deren Entwicklung begünstigt. Eher handelt es sich in den meisten Fällen um ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren oder Auslöser: Einfluss kann beispielsweise die Entzündungsneigung der Haut nehmen. Oder auch, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass das Immunsystem mit überzogener Abwehr auf bestimmte Fremdstoffe reagiert.

Daneben spielt nicht selten auch die genetische Komponente eine Rolle, weshalb der Arzt bei der Diagnose ebenfalls danach fragen wird, ob sich Allergien oder Hauterkrankungen in der Familie häufen. Abhängig von individuellen Komponenten des Erbguts kann sich eine Dermatitis wie die Neurodermitis (atopische Dermatitis) leichter entwickeln.

Was ist ein atopischer Formenkreis?

Neurodermitis, Asthma und allergischer Schnupfen (inklusive Heuschnupfen und Hausstaubmilbenallergie) hängen genetisch eng zusammen: Leidet man einer dieser Krankheiten, besteht ein deutlich höheres Risiko dafür, auch eine der anderen oder gar beide Erkrankungen zu entfalten.

Wie äußert sich eine Hautentzündung?

Zwar können die Symptome je nach Ausprägung der Dermatitis abweichen, dennoch gibt es Beschwerden, die bei allen Formen ähnlich oder gleich verlaufen. Diese stehen vor allem im Zusammenhang mit den charakteristischen Ekzemen (Veränderungen der Haut):

Vor allem an sichtbaren Bereichen, beispielsweise dem Gesicht oder den Armen, empfinden die meisten Betroffenen die Symptome als stark belastend. Die entzündeten Hautstellen lassen sich hier kaum vor dem Umfeld verbergen und können negative Reaktionen der Mitmenschen hervorrufen. Häufig entsteht daraus die Angst vor möglicher Ablehnung, weshalb sich einige Patienten aus dem sozialen Leben immer weiter zurückziehen. Das Problem dabei: In einigen Fällen kann die Psyche ebenfalls Einfluss auf die Dermatitis nehmen. So berichten beispielsweise Neurodermitis-Patienten von einer Verschlechterung der Haut, wenn es ihnen seelisch nicht gut geht. Daher sollte bei der Therapie die psychische Komponente nicht außer Acht gelassen werden, beispielsweise in Form einer Psychotherapie.

So lässt sich eine Hautentzündung diagnostizieren

Zur Diagnose und exakten Zuordnung einer Dermatitis sind beim Arzt scharfe Augen gefragt: Abgesehen von einer detaillierten Befragung seines Patienten bleibt ihm zunächst, die betroffenen Hautbereiche genau in Augenschein zu nehmen. Aus seinen Beobachtungen und den Beschreibungen des Betroffenen kann er dann Rückschlüsse auf die Erkrankung ziehen. Unter Umständen nimmt der Mediziner auch eine Hautprobe und schickt sie zur Analyse ins Labor (Biopsie).

Bei Verdacht auf eine allergisch bedingte Dermatitis, kann der Mediziner zusätzlich einen Allergietest durchführen. Am häufigsten kommt der sogenannte Pricktest zum Einsatz: Dabei werden mögliche Allergene (Allergieauslöser) auf die Haut getropft; mit einer feinen Nadel sticht der Arzt anschließend in die Haut – so kommen die Stoffe direkt mit dem Immunsystem in Berührung. Und keine Sorge: Der Test ist an sich nicht schmerzhaft. Liegt eine Allergie vor, wird es nicht lange dauern, bis sich die ersten Anzeichen – Rötung, Juckreiz und Schwellung – bemerkbar machen.

Welche Therapiemöglichkeiten haben Betroffene?

Die Behandlung der Dermatitis richtet sich in erster Linie nach der zugrundeliegenden Ursache. In der Regel stehen spezielle Präparate mit genau auf die Bedürfnisse angepassten Wirkstoffen zur Verfügung. So verschreibt der Arzt zur Behandlung einer Neurodermitis zum Beispiel Salben oder Cremes mit Glukokortikoid und Calcineurinhemmern, die sich gegen die Entzündung richten (antiinflammatorisch).

Demgegenüber rät er bei Mundrose (perioraler Dermatitis) für einige Wochen zu einem kompletten Verzicht auf Kosmetik- und Pflegeprodukte. Zur Therapie der allergischen Dermatitis gehört unter anderem das Meiden der allergieauslösenden Stoffe.

Allgemeiner Tipp:

Äußerlich anwendbare Salben, die der Entzündung und Rötung der Haut entgegenwirken sowie den begleitenden Juckreiz lindern, sind bei nahezu allen Formen der Dermatitis anwendbar. Bei juckenden Hauterkrankungen sind pflanzliche Wirkstoffe wie Mahonia geeignet.

Abgesehen von Arzneimitteln ist es zudem wichtig, auf eine angemessene Hautpflege zu achten. Beobachten Sie, welche Faktoren zu einer Verschlimmerung der Beschwerden führen, beispielsweise bestimmte Nahrungsmittel oder Stress, und bemühen Sie sich, solche Einflüsse möglichst zu vermeiden. Darüber hinaus können Sie folgende Tipps beherzigen:

  • Nutzen Sie schonende, pH-hautneutrale Pflegemittel und Lotionen, die Ihre Haut nicht zusätzlich irritieren.
  • Verzichten Sie auf zu heiße Bäder oder Duschen. Achten Sie außerdem darauf, dass Sie es mit der Körperhygiene nicht übertreiben – gesunde Haut verträgt zwar die tägliche Dusche, sie gibt sich aber auch mit weniger zufrieden.
  • Leichte, luftdurchlässige Kleidung trägt mitunter auch dazu bei, dass die Haut weniger gereizt wird. Einige Menschen reagieren zudem negativ auf Stoffe aus Wolle, Seide oder Kunstfasern. Hier gilt es auszuprobieren, was einem guttut.

Zu guter Letzt sollten Sie auf eine ausgewogene Ernährung und genügend Bewegung an der frischen Luft setzen, denn diese Faktoren können sich ebenfalls positiv auf den Verlauf einer Dermatitis auswirken.

Jenni Graf
E-Mail schreiben
Medizinredakteurin
Themenvorschläge? Anregungen? Schreiben Sie uns!
Tanja Albert
E-Mail schreiben
Medizinredakteurin
Themenvorschläge? Anregungen? Schreiben Sie uns!