Wenn’s untenrum brennt und juckt: Was tun bei Herpes genitalis?

31. Mai 2019

11 Min.

Etwa 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung in Deutschland1 sind mit dem Herpes-simplex-Virus Typ 2 infiziert, der zum sogenannten Genitalherpes (Herpes genitalis) führen kann. Wer das Virus einmal in sich hat, wird es nie wieder los und erhöht dadurch das Risiko der Ansteckung für andere. Je häufiger der Sexualpartner gewechselt wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, sich mit Herpes genitalis anzustecken. Umso wichtiger sind Vorbeugung und Therapie.

Kurz und knapp

  • einmal Genitalherpes — immer Genitalherpes
  • Ehrlichkeit schützt vor Herpes genitalis
  • Kondome bieten keinen hundertprozentigen Schutz
  • Hausmittel können im Anfangsstadium helfen
  • die Behandlung von Herpes genitalis erfolgt mithilfe von Virustatika
  • eine Therapie kann auch zur Vorbeugung eingesetzt werden


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Herpes genitalis – kein Grund sich zu schämen

Mann, der mit einem Arzt über die Behandlung seines Genitalherpes spricht.

Eine Ansteckung mit Genitalherpes wirft Fragen auf: Wo habe ich mich angesteckt? Ist mein Lebenspartner fremdgegangen? Was kann ich tun, um die lästigen Bläschen wieder loszuwerden? Und welche Gefahr besteht bei Genitalherpes in der Schwangerschaft?

Fast ein Drittel1 der deutschen Bevölkerung trägt Herpes-simplex-Viren vom Typ 2 (HSV-2) in sich – meist unbemerkt. Die Übertragung erfolgt häufig durch Geschlechtsverkehr. Einmal von den Viren befallen, behalten wir sie lebenslang im Körper und sie treten nur dann in Erscheinung, wenn der Zeitpunkt für ihre Vermehrung günstig ist. So etwa bei einer Schwächung des Immunsystems durch beispielsweise Erkältungen oder Stress.

In einem frühen Stadium können naturkundliche Mittel die Heilung unterstützen

Betroffene, bei denen eine Infektion mit Herpes genitalis festgestellt wird, können es zunächst mit der Anwendung eines rein mineralischen Gels versuchen, das äußerlich aufgetragen die Abheilung der Bläschen an Vagina, Penis oder After beschleunigt und sich auch für Allergiker eignet. Solche Gels, die in der Apotheke erhältlich sind, gibt es auf Basis von Silikat (meist Salze), das nach außen hin einen Schutzfilm aufbaut. So werden die Keime am Ausbreiten gehindert.

Entflammen die Herpes-simplex-Viren zum wiederholten Mal, dann kennen Betroffene die Anzeichen oft ganz genau und können, wenn sie früh genug reagieren, mit pflanzlichen Mitteln gegensteuern. Vor allem Zitronenmelisse und Aloe vera werden gute Erfolge nachgesagt. Beide gibt es in Creme- beziehungsweise Gelform, zum Beispiel in der Apotheke. Die antiviralen Eigenschaften der Zitronenmelisse und die beruhigende Wirkung der Aloe vera reduzieren mitunter die Schwellung, vermindern Bläschen und lassen die Rötungen und das Spannungsgefühl zurückgehen.

Konzentriertes Teebaumöl wirkt – genau wie Myrrhentinktur – ebenfalls entzündungshemmend. Nur wenige Tropfen können möglicherweise Schlimmeres vermeiden.

Mit der Kraft der Bienen gegen Genitalherpes

Bienenkittharz (Propolis) verwenden die Tiere im Inneren ihres Bienenstocks, um Bakterien, Pilze, Viren und Parasiten in Schach zu halten. Propolis, das bereits in der Antike zur Wundheilung verwendet wurde, wirkt auf viele Organismen (zum Beispiel Viren) wachstumshemmend und eignet sich daher zum Einsatz bei Herpes genitalis. Im Handel gibt es das Naturprodukt in Form von Salben, Tinkturen oder Cremes.

Wahlweise können Patienten auch auf eine Salbe mit kolloidalem Silber zurückgreifen. Genau wie bei Propolis ist bei Silber eine keimtötende Wirkung seit Jahrhunderten bekannt. Die genannten Präparate erhalten Sie in der Apotheke.

Wann ist eine Behandlung durch den Arzt notwendig?

Üblicherweise lässt sich eine Herpes-genitalis-Infektion selbst behandeln. Es ist sogar möglich, die Krankheit ohne Hilfsmittel ausheilen zu lassen. Kommt es allerdings

  • zu starken Schmerzen,
  • Fieber,
  • sehr vielen Bläschen und/oder
  • sich weit ausbreitenden Rötungen,

dann ist der Gang zum Dermatologen (Hautarzt) oder bei Frauen zum Gynäkologen (Frauenarzt) sinnvoll.

Dieser erkennt in der Regel durch eine reine Betrachtung des Areals, dass es sich um eine Herpes-Infektion handelt. Um den Erreger genau zu bestimmen und die Diagnose zu bestätigen, wird ein Abstrich gemacht. Denn es gibt Erkrankungen im Intimbereich, die einer Infektion mit Herpesviren sehr ähnlich sehen, zum Beispiel Allergien.

Ist der Herpes genitalis bereits fortgeschritten oder handelt es sich um eine Erstinfektion, die meist mit deutlich heftigeren Symptomen einhergeht, dann empfiehlt sich eine Therapie mit Virustatika. Diese Medikamente, die Patienten vor allem in Salben- oder Tablettenform – selten als Injektion – anwenden, hemmen das Virenwachstum und mindern die Infektionsübertragung. Heilen können selbst sie den Genitalherpes nicht. Gängige Wirkstoffe sind:

  • Aciclovir
  • Penciclovir
  • Famciclovir
  • Valaciclovir

Eine Behandlung über ein paar Tage genügt in der Regel, wobei sich die Therapie bei Mann und Frau kaum unterscheidet. Ist eine Patientin auch innerhalb der Scheide betroffen, dann werden statt Salben Tabletten eingesetzt.

Kehrt das Herpes-Virus in kurzen Abständen immer wieder, kann es zur seelischen Belastung werden, da beispielsweise das Sexualleben stark beeinträchtigt ist. In diesen Fällen ist eine prophylaktische, also vorbeugende Behandlung (Suppressionstherapie) sinnvoll, um den aus der Kontrolle geratenen Herpesvirenstamm einzudämmen.

HSV-2: Hat mein Partner mich betrogen?

Genitalherpes ist eine sexuell übertragbare Krankheit. Trotzdem bedeutet ein Auftreten von Herpes genitalis nicht automatisch, dass der Partner fremdgegangen ist. Denn die Erkrankung lässt sich auch durch Schmier- oder Tröpfcheninfektion weitergeben. Gelegentlich gelangt auf diesem Weg auch das Herpes-simplex-Virus vom Typ 1 (HSV-1) in die Genitalregion – zum Beispiel bei Selbstbefriedigung oder dem Toilettengang.

In den meisten Fällen aber wird Genitalherpes beim Sex übertragen. Da kann die Benutzung von Kondomen, vor allem bei häufig wechselnden Sexualpartnern, durchaus sinnvoll sein. Einen hundertprozentigen Schutz bieten sie allerdings nicht, denn die Gummis schützen nur dann vor den Herpes-simplex-Viren, wenn die Geschlechtsorgane selbst von Genitalherpes befallen sind. Hat das Herpes-Virus sich auf den gesamten Intimbereich ausgebreitet – beispielsweise Richtung Po oder an den Oberschenkeln – sind Kondome als Schutz nicht mehr ausreichend.

Wer von Herpes genitalis betroffen ist, sollte ehrlich sein

Wenn ein Patient weiß, dass er Genitalherpes hat, dann sollte er, selbst dann, wenn das Virus bereits seit Jahren oder gar Jahrzehnten im Körper schlummert und nicht wieder ausgebrochen ist, mit seinem Partner reden und ihn warnen.

Keine Angst vor Unfruchtbarkeit

Bisher konnte man keinen Zusammenhang nachweisen zwischen Unfruchtbarkeit und dem Auftreten von Herpes genitalis. Allerdings sollte ein Paar bei Kinderwunsch ganz besonders ehrlich miteinander umgehen. Denn wenn sich das Baby während der Schwangerschaft oder unter der Geburt mit dem Herpes-simplex-Virus infiziert, kann das schwere Missbildungen und sogar den Tod des Kindes zur Folge haben.

Ein Bluttest zeigt oft, ob Ansteckungsgefahr besteht, Herpes-Antikörper vorhanden sind und um welchen Virustyp es sich handelt. Denn auch ein Herpes-simplex-Virus Typ 1, wie der Lippenherpes, kann Genitalherpes auslösen – etwa durch Oralsex.

Ist eine Vorbeugung bei Herpes genitalis möglich?

Herpes nervt, schmerzt und kommt immer dann, wenn man ihn am wenigsten gebrauchen kann. Manche Menschen haben bei jeder Schwäche des Immunsystems Fieberbläschen, andere tragen das Virus in sich und es zeigt sich nie. Es gibt also nicht die eine vorbeugende Maßnahme, mit der Patienten einen Ausbruch des Virus verhindern können. Aber da eindeutig ein Zusammenhang besteht zwischen der körperlichen Abwehr und Herpes-simplex-Viren, macht es Sinn, das Immunsystem zu stärken.

Diese Faktoren helfen mitunter dabei, einen akuten Schub zu verkürzen und die Zeit bis zu einem erneuten Auftreten zu verlängern:

  • ausreichend Schlaf
  • Vermeidung von Stress
  • gesunde, vitaminreiche Ernährung
  • Verzicht auf Fertigprodukte
  • lysinhaltige Nahrungsmittel wie Eier, Fleisch und Milchprodukte zu sich nehmen
  • Reduzierung von Giftstoffen wie Alkohol oder Nikotin

Wissenswert: Selbst Menschen, die sehr gesund leben, können an einer Herpes-simplex-Infektion erkranken, die Wahrscheinlichkeit ist aber geringer.

Wie kann ich eine Übertragung von Herpes genitalis – auch auf den Partner – vermeiden?

Eine Erstinfektion ist meist sehr schmerzhaft und die Lust auf Sex vergeht von ganz allein. Die Erkrankung kommt zudem in vielen Fällen regelmäßig wieder, oft mehrmals im Jahr — manchmal allerdings auch fast symptomlos.2

Da sich Genitalherpes nicht immer in Form von Bläschen zeigt, sondern oft nur rote Stellen zu sehen sind, wird er von Zeit zu Zeit mit Pilzerkrankungen verwechselt oder gar nicht erkannt. Umso höher ist die Gefahr, sich unbemerkt anzustecken. Weiß man von der Erkrankung, macht es Sinn, bis zum Abheilen der Symptome auf Geschlechtsverkehr zu verzichten, um eine mögliche Ansteckung des Partners zu vermeiden. Denn bereits eine kleine Hautverletzungen im Schleimhautbereich genügt dem Virus, um in den Körper einzudringen. Vor allem ungeschützter Analsex ist prädestiniert, um Genitalherpes zu verbreiten.

Zudem spielt in Sachen Vermeidung von Genitalherpes Intimhygiene eine äußerst wichtige Rolle. Die Flüssigkeit, die sich in den Herpes-Bläschen befindet, ist aufgrund der darin enthaltenen Viren sehr ansteckend. Folgende Maßnahmen können helfen, eine Verbreitung zu verhindern:

  • Handtücher nicht gemeinsam benutzen.
  • Einmal-Waschlappen verwenden oder den Waschlappen nach der Benutzung auskochen.
  • Nach jeder Berührung der Genitalregion gründlich Hände waschen und desinfizieren.
  • Salben vorsichtig mit einem Wattepad auftragen.
  • Für die Intimpflege Einmalhandschuhe benutzen.
  • Den Kontakt zu Schwangeren und Babys meiden.

All diese Maßnahmen sollten Patienten so lange ergreifen, bis der Genitalherpes abgeklungen ist. Im Zweifel lohnt es sich immer, einen Arzt um Rat zu fragen.

Simone Blaß
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Freiberufliche Redakteurin