Gürtelrose – Auslöser, Symptome, Behandlung

28. Mai 2019

13 Min.

Vor allem im Kleinkindalter erkranken viele Menschen an Windpocken (Varizellen), einer hochansteckenden Virusinfektion: Jahrzehnte später kann dies Gürtelrose hervorrufen, eine feste Inkubationszeit (Zeitraum nach der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung) gibt es nicht. Gürtelrose, auch Herpes zoster oder einfach nur Zoster genannt, wird durch das zur Herpesfamilie zählende Varizella-Zoster-Virus ausgelöst. Das in der Kindheit durch eine Windpockeninfektion in den Körper geschleuste Virus nistet sich in den Nervenwurzeln des Rückenmarks ein. Dort verharrt es und kann viele Jahre später als Herpes zoster wieder in Erscheinung treten. Erfahren Sie mehr zu Symptomen, Ansteckung und Behandlung.

Gürtelrose ist eine Infektion mit Varizella-Zoster-Viren.

Kurzübersicht: Gürtelrose...

  • ... zeigt sich durch ein allgemeines Krankheitsgefühl und kleine (juckende) Blasen rund um den Rumpf.
  • ... tritt vor allem bei älteren Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem auf.
  • ... ist nicht direkt ansteckend, vielmehr erfolgt eine Übertragung (zum Beispiel beim Husten) des Virus.
  • ... kann mittels antiviraler Medikamente behandelt werden.
  • ... lässt sich am besten durch eine starke Immunabwehr vorbeugen.

Im Überblick:

Die Symptome der Gürtelrose

Gürtelrose, auch Herpes zoster genannt, auf dem Brustkorb
Gürtelrose ist ein rötlicher Ausschlag mit flüssigkeitsgefüllten Bläschen, die mit später austrocknen und verkrusten.

Zu den ersten Anzeichen für Herpes zoster zählen ein Brennen auf der Haut und Berührungsschmerzen. Das Virus wandert entlang der Nervenbahnen und zeigt sich schließlich als Ausschlag mit roten Flecken auf der Haut im Bereich des jeweiligen Nervenstrangs.

Die Rötungen verlaufen von der Wirbelsäule ausgehend wie ein Gürtel um den Rumpf. Dieses Erscheinungsbild hat im deutschen Volksmund deshalb den Begriff Gürtelrose geprägt.

Bezüglich der auftretenden Symptome werden drei Krankheitsstadien unterschieden:1

  1. Prodromalstadium: Es kommt zu einem allgemeinen Krankheitsgefühl, Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen und möglicherweise leichtem Fieber. Ein Hautirritierung ist noch nicht zu erkennen. Diese Phase hält ein bis vier Tage an.
  2. Akutes Stadium: Für einen Zeitraum von etwa sieben bis zehn Tagen tritt ein schmerzhafter Hautausschlag mit flüssigkeitsgefüllten Bläschen auf. Auch Juckreiz ist möglich.
  3. Heilungsphase: Die Bläschen trocknen aus und verkrusten. Nach zwei bis vier Wochen sind die Symptome der Gürtelrose dann meist vollständig abgeklungen.

In der Regel tritt Herpes zoster im Bereich des Brustkorbs auf. Doch auch Rücken, Arme, Beine sowie das Gesicht (Gesichtsrose) — und hierbei sogar die Augen — können betroffen sein.

Sonderform: Zoster sine herpete

Bei dieser Erscheinungsform bleibt das Auftreten des Hautausschlags als Beschwerde aus. Patienten klagen lediglich über brennende Schmerzen der Haut und ein allgemeines Krankheitsgefühl — was häufig zu Fehldiagnosen führt.

Gürtelrose tritt verstärkt bei älteren Menschen und Personen mit geschwächter körperlicher Abwehr (beispielsweise durch eine HIV-Infektion) auf. Auch anhaltender Stress kann eine Ursache sein. Experten gehen davon aus, dass der Ausbruch des Herpes zoster damit zusammenhängt, dass die Aktivität des Immunsystems sinkt und das Virus nicht mehr in Schach gehalten wird.

Nach Angaben des Robert Koch Instituts erkrankt jeder zweite Mensch, der das 85. Lebensjahr erreicht hat, im Verlauf seines Lebens mindestens einmal an Herpes zoster.1 In der Regel durchlaufen Betroffene nur eine einzige Zoster-Episode, da die Infektion und der Ausbruch der Erkrankung meist eine lebenslange Immunität (Unempfindlichkeit gegenüber einer Krankheit) bewirken. Trotzdem ist ein erneuter Ausbruch nicht ausgeschlossen (er kommt bei weniger als fünf Prozent der Patienten vor).1

Wann ist eine Ansteckung mit Gürtelrose möglich?

Die Übertragung erfolgt bei Herpes zoster rein über den direkten Kontakt mit dem virushaltigen Sekret der Hautbläschen. Daher kann die Gefahr der Ansteckung bei einer Gürtelrose deutlich minimiert werden, indem die betroffene Stelle abgedeckt wird. Da nur das Sekret infektiös ist, besteht so lange eine Ansteckungsgefahr, wie es flüssigkeitsgefüllte Bläschen auf der Haut gibt. Wie lange die Hautirritationen bestehen bleiben, hängt von der Schwere der Erkrankung und der Therapie ab. In der Regel vergehen aber zwei bis drei Wochen, bis keine Ansteckungsgefahr mehr besteht.2

Wer kann sich anstecken?

Grundsätzlich ist es so, dass sich nur Menschen bei einem Erkrankten infizieren können, die noch nie zuvor Kontakt mit dem Virus hatten. Wer im Laufe seines Lebens an Windpocken erkrankt war, muss nichts befürchten, da er den Virus sowieso schon in sich trägt. Wird eine Person neu angesteckt, so bekommt sie zunächst die Windpocken und nicht die Gürtelrose. Das bedeutet im Rückschluss: Lediglich eine Übertragung der Herpes-Viren ist möglich, nicht aber die direkte Ansteckung mit einer Gürtelrose.

Wann muss ich zum Arzt?

Sobald Sie Anzeichen wahrnehmen, die auf eine Gürtelrose hindeuten, sollten Sie einen Mediziner aufsuchen. Ansprechpartner ist in der Regel der Hausarzt oder der Dermatologe (Spezialist für Hauterkrankungen). Sind auch Augen oder Ohren von den unangenehmen Bläschen betroffen, kann es sinnvoll sein, einen Hals-Nasen-Ohren- oder einen Augenarzt aufzusuchen.

Aufgrund des recht eindeutigen Krankheitsbilds ist die Diagnose der Gürtelrose meist unkompliziert. Lediglich bei einem untypischen Verlauf (wenn zum Beispiel Schmerzen oder Hautirritationen ausbleiben) kann es nötig sein, dass der Experte andere Ursachen – beispielsweise Kinderkrankheiten, wie Masern oder Röteln – ausschließen muss.

Gut zu wissen:

Zur Diagnose einer untypischen Gürtelrose stehen dem Mediziner folgende Methoden zur Verfügung:

  • direkter Nachweis des Virus mittels eines Wundabstrichs, der im Labor untersucht wird
  • indirekter Nachweis des Virus durch eine Blutuntersuchung auf Antikörper, die auf eine Infektion hinweisen

Behandlung bei Gürtelrose

Das Ziel der Behandlung umfasst vor allem die Linderung der Beschwerden, aber auch die Verhinderung von Komplikationen und Folgeerkrankungen.

Das Einnehmen von antiviralen Medikamenten kann die Dauer der Gürtelrose verkürzen, indem sie die Vermehrung der Herpes-Viren hemmen und akute Entzündungen reduzieren. Die Arzneien sind in der Regel rezeptpflichtig und werden vom Mediziner verschrieben. Je früher mit der Therapie begonnen wird — bestenfalls in den ersten 48 bis 72 Stunden nach Auftreten der Hautveränderungen — desto größer ist ihr Erfolg.1

Auch, wenn die Erkrankung bei jungen Patienten in der Regel ohne spezielle Maßnahmen komplikationslos abheilt, wird die Gabe von antiviralen Mitteln empfohlen. Unumgänglich ist sie jedoch bei

  • Patienten ab dem 50. Lebensjahr,
  • schwangeren Frauen,
  • starken Schmerzen sowie
  • Immunschwäche aufgrund von Vorerkrankungen (zum Beispiel einer HIV-Infektion).

Zusätzlich zur antiviralen Behandlung der Gürtelrose kann eine ergänzende Therapie für die Linderung der Hautsymptomatik ratsam sein. Spezielle, in der Apotheke erhältliche Tinkturen, sind beispielsweise in der Lage, die flüssigkeitsgefüllten Bläschen auszutrocknen oder deren Krusten zu lösen. Tipp: Auch Hausmittel, wie das Kühlen mit Eiswürfeln (in ein Tuch eingewickelt), können die Beschwerden etwas lindern.

Bei einem Verdacht auf zusätzliche bakterielle Infektionen der Haut oder bei stark immungeschwächten Patienten wird zudem die Gabe von Antibiotika geraten, um Komplikationen (wie eine Gehirnentzündung) zu verhindern.

Damit die Beschwerden möglichst schnell wieder verschwinden, ist es zudem wichtig, dass sich Gürtelrose-Patienten körperlich schonen. Das Immunsystem ist bereits angeschlagen und kämpft gegen das Virus an – was den Organismus viel Kraft kostet. Schwerere körperliche Anstrengung, wie beim Sport, sollten Sie – auch wenn sie keine Symptome mehr verspüren – so lange meiden, bis die kleinen Bläschen vollständig verheilt sind. Der Grund dafür: Gelangen große Mengen Schweiß in die Blasen, erhöht dies die Wahrscheinlichkeit einer Wundinfektion.

Gürtelrose vorbeugen?

Um einen Ausbruch der Gürtelrose zu verhindern, sollten Sie ganz besonders im Alter darauf achten, die Abwehrkräfte zu stärken. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und Bewegung sind das Grundgerüst, um gesund zu altern. Ist das Immunsystem gestärkt, hat das Varizella-Zoster-Virus weniger Chancen, eine Gürtelrose mitsamt ihren Folgen auszulösen.

Seit 2007 gibt es eine Impfung gegen Herpes zoster. Auch wenn diese keinen vollständigen Schutz vor Gürtelrose bietet, so ergaben wissenschaftliche Studien doch, dass sie gesamtbetrachtet etwas mehr als die Hälfte der Erkrankungen verhindern kann.1 Die ständige Impfkommission empfiehlt die Impfung allen Personen über 60 Jahren und bei Personen mit Immunschwäche ab dem 50. Lebensjahr, aufgrund der höheren Anfälligkeit.3

Sonderfall: Gesichtsrose

Anders als bei jener Form der Gürtelrose, die überwiegend als Hautausschlag am Rumpf auftritt, befällt das Varizella-Zoster-Virus hier zuerst die Nervenbahnen, dann die Gefäße und Talgdrüsen des Gesichts. Daher der Name Gesichtsrose. Hierbei tritt der Hautausschlag an verschiedenen Stellen des Gesichts auf — auch beispielsweise an Augen (Zoster ophthalmicus), Ohren (Zoster oticus) und Nase.

Bei einem schweren Verlauf kann die Gesichtsrose über Wochen anhalten und sich zu dauerhaften Verhärtungen oder Knoten entwickeln. Im schlimmsten Fall kommt es zu Lähmungserscheinungen der Gesichtsmuskulatur und einer Schädigung der Augen — was möglicherweise bis zur Beeinträchtigung oder dem Verlust der Sehkraft führt. Tritt die Gesichtsrose im Bereich der Ohren auf, sind zudem eventuell auch Hör- und Gleichgewichtsstörungen zu erwarten.

Komplikationen des Herpes zoster

In einigen Fällen, wenn beispielsweise eine frühzeitige Behandlung versäumt wurde, tritt als Folgekomplikation die sogenannte Post-Zoster-Neuralgie auf. Dabei kommt es nach dem Abheilen der Hautveränderungen zu starken Dauerschmerzen (für mindestens 120 Tage)1 in betroffenen, aber auch in umgebenden Hautarealen. Als Risikofaktoren für das Auftreten einer Post-Zoster-Neuralgie gelten:

  • gehobenes Alter (75 Prozent der über 70-Jährigen sind betroffen)1
  • starke Schmerzen bereits im Prodromalstadium
  • hohes Fieber während der Erkrankung
  • weibliches Geschlecht

Die auftretenden chronischen Schmerzen bei dieser Folgeerkrankung erfordern eine entsprechend schnelle Behandlung mittels schmerzlindernder Medikamente, da sie die Lebensqualität der Patienten stark beeinträchtigen.

Weitere mögliche Komplikationen können sein:

  • Post-Zoster-Pruritus: Ein starker Juckreiz, der durch heftiges Kratzen unter Umständen zu schweren Hautverletzungen führt.
  • Psoriasis (Schuppenflechte): Langfristig kann Herpes zoster den Ausbruch einer Psoriasis begünstigen (Köbner-Phänomen).
  • Narbenbildung: Beispielsweise durch Infektionen der Bläschen oder heftiges Kratzen kommt es zu Hautverletzungen und Narbenbildung.
  • Zoster-Enzephalitis: Eine durch das Virus ausgelöste Entzündung des Gehirns, die möglicherweise noch Monate nach dem Akutstadium der Gürtelrose auftritt.
  • Schlaganfall: Das Risiko für das Auftreten eines Schlaganfalls ist (auch nach überstandener Gürtelrose) deutlich erhöht. Experten vermuten einen Zusammenhang zwischen den Entzündungsreaktionen des Herpes zoster und einer Schädigung der Gefäße.4

In seltenen Fällen kann der Herpes zoster sogar innere Organe befallen und unter anderem Infektionen der Lunge, des Herzens oder der Bauchspeicheldrüse bewirken. Die Behandlung in einem Krankenhaus ist dann nicht verhinderbar. Um solche Komplikationen zu vermeiden, ist es daher umso wichtiger, dass Sie beim Ausbrechen der ersten Hautveränderungen frühzeitig einen Arzt aufsuchen.

Jana Welsner
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