Lippenherpes – kribbelnde und juckende Bläschen an den Lippen

16. November 2020

12 Min.

Es beginnt mit einem starken Kribbeln, dann bilden sich schmerzhaft juckende und nässende Bläschen an der Lippe: Schätzungsweise 90 Prozent der Weltbevölkerung tragen den Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1) in sich.1 Bei circa 40 Prozent der Erwachsenen bricht der Herpes mindestens einmal im Leben aus.2 Aber welche Faktoren begünstigen die Entstehung der Bläschen? Wie lässt sich Lippenherpes behandeln? Und in welchem Fall ist besondere Vorsicht geboten?

Junge Frau begutachtet ihren Lippenherpes mit einem Handspiegel.

 



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Die häufigsten Fragen zu Lippenherpes:

 

Was ist Herpes?

Wenn im allgemeinen Sprachgebrauch von Herpes die Rede ist, meinen die meisten Menschen primär Lippenherpes (medizinisch auch Herpes labialis). Er wird durch eine bestimmte Form von Herpesviren (HSV-1) ausgelöst.

Welche Symptome sind bei Lippenherpes typisch?

Ein Herpes kündigt sich meist mit Kribbeln, Juckreiz und Spannungsgefühl an der Lippe an. Danach bilden sich mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen, die miteinander verschmelzen und später verkrusten.

Ist Lippenherpes ansteckend?

Ja! Von den ersten Anzeichen bis zum vollständigen Verschwinden des Lippenherpes kann das Virus durch Speichel, Hautkontakt oder das gemeinsame Benutzen von Objekten (wie Handtüchern) übertragen werden

Wie lange dauert ein Lippenherpes?

Insgesamt dauert ein Lippenherpes-Ausbruch – vom ersten Kribbeln über die brennenden und nässenden Papeln bis zum Abheilen – bis zu zehn Tage.3 Wenn die Beschwerden länger bestehen, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Ist Lippenherpes heilbar?

Nein, befindet sich der Virus einmal im Körper, verweilt er dort ein Leben lang und Lippenherpes kann jederzeit ausbrechen. Allerding lässt sich der Verlauf durch virenhemmende Cremes, Medikamente oder Hausmittel verkürzen.

Typische Symptome und Verlauf einer Herpesinfektion der Lippen

Kommt es zum Ausbruch des Herpes, bemerken Betroffene zunächst ein Kribbeln oder ein Spannungsgefühl an der Lippe. Bald darauf blühen im Mundbereich kleine, rote, mit hochinfektiöser Flüssigkeit gefüllte Bläschen auf. Diese platzen nach drei bis fünf Tagen und trocknen aus. Die entstandene Kruste fällt etwa sieben bis zehn Tage später ab.3

Der Verlauf von Lippenherpes kann – wie in der Bildergalerie näher beschrieben – in 7 Phasen eingeteilt werden.

(Warnung: Es folgen Nahaufnahmen von Herpesbläschen an der Lippe. Falls Sie befürchten, dass der Anblick bei Ihnen selbst einen Ausbruch begünstigen könnte, sollten Sie nicht weiterklicken.)

Frau mit Herpes in der Prodromalphase spürt erstes Kribbeln an ihrer Lippe

Prodromalphase: In der ersten Phase sind noch keine optischen Veränderungen sichtbar. Betroffene bemerken jedoch ein Jucken, Brennen oder Kribbeln an der Lippe – die typischen Anzeichen, dass sich ein Herpes anbahnt.
Die Erythemphase des Herpes kennzeichnet sich durch eine erste Rötung an der Lippe.

Erythemphase: Die betroffene Stelle rötet sich, die Haut brennt und spannt. Spätestens jetzt sollten Sie mit einer Behandlung beginnen, um den Verlauf positiv zu beeinflussen.
Bild zeigt kleine Knötchen an der Lippe, die sich in der Papelphase eines Lippenherpes bilden.

Papelphase: Es bilden sich mehrere kleine Knötchen, sogenannte Papeln, die mit Schmerzen und Juckreiz verbunden sind. Zudem können die Lymphknoten am Hals anschwellen.
Bild zeigt schmerzhafte Bläschen an der Lippe, in der Vesikelphase eines Herpes-Verlaufs.

Vesikelphase: Die Papeln entwickeln sich zu kleinen, mit Flüssigkeit gefüllten Bläschen. In dieser Phase sollten Sie besonders vorsichtig sein und die Lippe nicht mit den Fingern berühren. Das Sekret enthält Herpes-Viren und ist hochansteckend.
Das Bild zeigt Herpes in der Ulcerationsphase, wenn sich nässende Wunden bilden.

Ulcerationsphase: Platzen die Bläschen auf, kommt es zu nässenden und schmerzenden Wunden. Ihre Lippe ist nun besonders empfindlich. Es gilt noch immer: Hände weg von der Lippe – auch um eine Übertragung auf andere Körperstellen zu vermeiden und Mitmenschen nicht anzustecken.
Der Schorf auf der Lippe weist darauf hin, dass der Lippenherpes am Abklingen ist (Verkrustungsphase).

Verkrustungsphase: In dieser Phase trocknet die Wunde aus und es bildet sich ein gelblicher Schorf auf der Lippe. Auch wenn dieser optisch nicht sehr schön aussieht, sollten Sie ihn nicht abkratzen. Die Krusten sind ein Zeichen dafür, dass nun die Heilung beginnt.
Bild zeigt Frau, die lächelt, weil sie sich in der Abheilungsphase des Lippenherpes befindet.

Abheilungsphase: Die Krusten bilden sich zurück und die Rötungen nehmen langsam wieder ab. Sie haben es bald geschafft. Lächeln Sie doch mal!

Ansteckung und Reaktivierung: So können Sie Lippenherpes bekommen

Ursache von Lippenherpes ist der Virus Herpes simplex (HSV-1), der höchst ansteckend ist. Aus diesem Grund infizieren sich die meisten Menschen schon vor dem sechsten Lebensjahr mit dem Virus, den sie dann ein Leben lang in sich tragen.4 Aber wie genau kommt es zu einer Übertragung? Und wann geht von Lippenherpes keine Ansteckungsgefahr mehr aus?

Übertragungswege der Herpesviren

Die für Lippenherpes verantwortlichen Viren werden von Mensch zu Mensch weitergegeben. Es kommen zwei verschiedene Übertragungswege infrage:

  • Schmierinfektionen: Über das gemeinsame Benutzen von mit Viren behafteten Gegenständen (zum Beispiel ein Glas) oder direkten Kontakt mit der Haut oder den Schleimhäuten (wie beim Küssen) verbreiten sich die Erreger.
  • Tröpfcheninfektionen: Die Viren gelangen durch Speicheltropfen, beispielsweise beim Husten, Niesen oder Sprechen, an die Schleimhäute einer noch gesunden Person.

Gut zu wissen:

Neben dem Herpes-simplex-Virus Typ 1 gibt es noch den Typ 2 (HSV-2), der überwiegend für einen Genitalherpes (Herpes genitalis) sorgt. Durch Oralsex kann es jedoch auch zu einer Lippenherpes-Infektion mit dem Typ 2 im Mundbereich kommen.

Nach der Erstinfektion: Die Viren in der Schlummerphase

Nach der Ansteckung dringt der Virus über die Schleimhäute in den Körper ein und wandert dann über feine Nervenbahnen zu regionalen Nervenknoten (sogenannte Ganglien). Dort nistet er sich ein und geht über in eine Ruhephase. Während dieser Verweildauer haben die Herpesviren auf das Immunsystem des Organismus keine Auswirkungen.

Säuglinge und Kinder stecken sich meist schon bei ihrer Mutter an. Dabei müssen nicht zwangsweise Symptome auftreten. Manchmal äußert sich die Infektion mit HSV-1 aber in Form einer sogenannten Mundfäule (Stomatitis aphthosa). Das ist eine fieberhafte Erkrankung, die zu schmerzhaften Geschwüren im Mund führt.

Reaktivierung: Wenn das Virus aus seiner Ruhephase erwacht

Der Virus verbleibt – meist unbemerkt – ein Leben lang im Körper. Durch bestimmte Auslöser (wie Stress oder eine Erkältung) kann der Herpes labialis aktiviert und erneut infektiös werden.

Wie oft es zu einer solchen Reaktivierung kommt, ist sehr unterschiedlich. In einigen Fällen entsteht der unangenehme Lippenherpes bereits nach ein paar Wochen wieder, manchmal vergehen aber auch einige Jahre, bis sich das Herpes-Virus erneut bemerkbar macht.

Je nachdem, wie stark das Immunsystem ist, kann es sein, dass die Herpesinfektion als Erkrankung niemals ausbricht. In den meisten Fällen kehren die Bläschen auf der Lippe jedoch regelmäßig wieder – besonders bei Personen mit einer geschwächten Immunabwehr, älteren Menschen, chronisch Kranken und Schwangeren.

Ansteckungsdauer von Lippenherpes

Lippenherpes ist über den ganzen Verlauf hinweg infektiös – egal ob Lippenbläschen sichtbar sind oder nicht. Dennoch ist vor allem in der Phase, in der die Bläschen sprießen und Sekret austritt, äußerste Vorsicht geboten, da hier das höchste Risiko für eine Übertragung besteht. Grundsätzlich sind Betroffene erst nach dem Abheilen der Krusten nicht mehr ansteckend.

Bläschen-Trigger: Wodurch wird Lippenherpes ausgelöst?

Als Auslöser für den akuten Schub von Herpes auf der Lippe kommen viele Faktoren (Trigger) in Betracht, die nicht immer vermeidbar sind. Alles, was die Immunabwehr schwächt, kann zu einer Erstinfektion und einer erneuten Reaktivierung führen – dazu zählt ebenfalls körperlicher oder psychischer Stress. Auch positive Ereignisse, wie Urlaub oder eine Hochzeit, rufen unter Umständen einen Schub hervor, wenn sie mit Organisationsstress verbunden sind. Das macht die Herpesinfektion so tückisch.

Zu den Triggern zählen unter anderem:

  • Hormonschwankungen während der Menstruation oder Schwangerschaft
  • Reizungen oder Verletzungen an der Lippe
  • intensive Sonnenstrahlung (da sie das Immunsystem schwächen kann)
  • fieberhafte Infektionen und Erkältungen
  • Empfindungen, wie Ekel, Trauer oder Ärger

Je besser das Immunsystem gestärkt wird, desto seltener bricht der Lippenherpes in der Regel aus. Sie können dazu beitragen, einem Aufflammen des Herpes vorzubeugen, indem Sie sich ausgewogen sowie vitaminreich ernähren, ausreichend schlafen und regelmäßig bewegen.

Lippenherpes: Nicht heil-, aber behandelbar

Bereits bei den ersten Anzeichen eines entstehenden Lippenherpes, wie Kribbeln oder Brennen, sollten Sie umgehend mit Gegenmaßnahmen reagieren. In dieser Phase eine antivirale Herpescreme auf die betroffenen Hautareale aufzutragen, kann einen Ausbruch möglicherweise verhindern beziehungsweise die Dauer des Herpes verringern. Wirkstoffe wie Aciclovir hemmen die Vermehrung der Viren, töten sie jedoch nicht ab. Es werden lediglich die Beschwerden gelindert und das Ansteckungsrisiko reduziert. Wer gerade keine Salbe zur Hand hat, kann übrigens auch Hausmittel wie Teebaumöl, Eiswürfel oder Honig ausprobieren.

Herpes-Risikogruppen und schwerer Verlauf

Die Symptome einer Herpes-simplex-Infektion sind zwar sehr unangenehm, aber für gewöhnlich ungefährlich. Es gibt jedoch Ausnahmen: Insbesondere bei einem besonders stark geschwächten Immunsystem kann der Herpes bei einem Ausbruch länger andauern, ausgeprägter sein oder zu schweren Komplikationen führen. Zu den gefährdeten Personen zählen zum Beispiel

  • Menschen mit Neurodermitis,
  • HIV-Infizierte sowie AIDS-Kranke,
  • Patienten während einer Chemotherapie und
  • Neugeborene.

Eine gefürchtete Komplikation ist beispielsweise das Ekzema herpeticatum, das bei Patienten mit Neurodermitis auftreten kann. In diesem Fall breitet sich die Infektion über das vollständige Gesicht oder gar den ganzen Körper aus.

Im schlimmsten Fall kann es zu einer Herpes-Enzephalitis, einer Entzündung des Gehirns, oder einer lebensbedrohlichen Sepsis (Blutvergiftung) mit Organversagen kommen.

Besondere Vorsicht bei Babys!

Kommt es bei einem Säugling in den ersten sechs Monaten nach der Geburt zum Ausbruch einer Herpesinfektion, ist der Verlauf der Krankheit meist schwerwiegender. Das Immunsystem kann sich noch nicht ausreichend gegen eindringende Erreger wehren.5 Die Herpesinfektion breitet sich in schweren Fällen auf die Augen aus, greift auf den gesamten Körper über und infiziert auch Organe sowie das Gehirn. Eine Gehirnentzündung (Herpes-Enzephalitis) ist eine mögliche Folge.

Die Mutter sollte deshalb bereits während der Schwangerschaft und wenn das Kind im Säuglingsalter ist, besonders darauf achten, dass der Lippenherpes nicht ausbricht oder frühzeitig eine Therapie einleiten. Sind doch Blasen an der Lippe der Mutter oder des Vaters entstanden, ist es wichtig, beim direkten Umgang mit dem Baby einen Mundschutz zu tragen – das gilt auch für andere Verwandte oder Freunde, die zu Besuch sind. So kann das Kind vor einer Ansteckung geschützt werden.

Jana Welsner
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