Lippenherpes – kribbelnde und juckende Bläschen an den Lippen

29. Mai 2019

10 Min.

Kennen Sie das auch? Noch bevor etwas zu sehen ist, spüren Sie am Mund ein unangenehmes Brennen und Jucken. Das sind in der Regel die Vorboten für Lippenherpes, auch Herpes labialis genannt. Lesen Sie mehr zu den Symptomen und Ursachen sowie dazu, wie Sie eine Ausbreitung auf andere Körperregionen oder eine Ansteckung anderer Personen in Ihrer Umgebung vermeiden.

Überblick:

Lippenherpes am Mund. Die Infektion wird durch das Herpes-simplex-Virus ausgelöst. Es bilden sich kleine entzündete Bläschen im Lippenbereich.

Herpes labialis – was ist das genau?

Wenn im allgemeinen Sprachgebrauch von Herpes die Rede ist, meinen die meisten primär Lippenherpes, medizinisch auch Herpes labialis genannt. Es handelt sich dabei um eine Herpesviren-Infektion, deren Krankheitsbild – schmerzhaft juckende, nässende Bläschen und starkes Kribbeln – sich auf den Bereich um den Mund und die Lippen konzentriert. Die Erkrankung ist akut behandelbar, der Virus aber verbleibt lebenslang im Körper.

Schätzungsweise 90 Prozent der Weltbevölkerung tragen den Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1) in sich.1 Bei circa 40 Prozent der Erwachsenen bricht der Herpes mindestens einmal im Leben aus.2 Der Typ 2 des HS-Virus (HSV-2) sorgt hingegen überwiegend für einen Genitalherpes (Herpes genitalis). Durch Oralsex kann es jedoch auch zu einer Lippenherpes-Infektion mit dem Typ 2 im Mundbereich kommen.

Typische Symptome und Verlauf einer Herpesinfektion der Lippen

Kommt es zum Ausbruch des Herpes, bemerken Betroffene zunächst ein Kribbeln oder ein Spannungsgefühl im Bereich der Lippen. Bald darauf blühen im Mundbereich kleine, rote, mit hochinfektiöser Flüssigkeit gefüllte Bläschen auf, die auch Papeln genannt werden. Diese platzen nach drei bis fünf Tagen und trocknen aus.3 Die entstandene Kruste fällt etwa sieben bis zehn Tagen später ab.1

Die Dauer von Lippenherpes

Insgesamt dauert also ein Lippenherpes-Ausbruch – vom ersten Kribbeln über die brennenden und nässenden Papeln bis zum Abheilen – bis zu zehn Tage.3 Wenn die Beschwerden länger bestehen, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Die benachbarten Lymphknoten am Hals können beim Herpesausbruch im Rahmen der Abwehrmechanismen anschwellen, was teilweise schmerzhaft ist. Manchmal entsteht der unangenehme Lippenherpes bereits nach ein paar Wochen wieder, manchmal vergehen aber auch einige Jahre, bis sich das Herpes-Virus erneut bemerkbar macht.

Zur Ansteckung: Wie Sie sich mit Lippenherpes infizieren können

Das Virus Herpes simplex (HSV-1) ist höchst ansteckend – besonders in der Phase der geplatzten Papeln – und wird überwiegend durch eine Schmierinfektion übertragen. Das bedeutet,

  • über einen mit Viren behafteten Gegenstand (zum Beispiel ein Glas) oder
  • direkten Kontakt mit der Haut oder den Schleimhäuten (wie beim Küssen).

Doch die Erreger gelangen auch durch das Husten, Niesen oder Sprechen einer erkrankten Person über die Luft in die Atemwege einer noch gesunden Person. Dieser Übertragungsweg nennt sich Tröpfcheninfektion. Der Betroffene ist erst nach dem Abheilen der geplatzten und verheilten Papeln nicht mehr ansteckend.

Eine Verbreitung ist jedoch meistens unvermeidbar, denn häufig stecken sich bereits Kleinkinder mit dem Herpes-simplex-Virus bei ihrer Mutter an. Zur Erstinfektion mit diesem Virus kommt es in der Regel schon vor dem sechsten Lebensjahr.4 Im Säuglings- oder Kleinkindalter äußert sich die Infektion mit HSV-1 meist in Form einer sogenannten Mundfäule (Stomatitis aphthosa). Das ist eine fieberhafte Erkrankung, die zu schmerzhaften Geschwüren im Mund führt.

Nach der Lippenherpes-Ansteckung dringt der Virus über die Schleimhäute in den Körper ein und wandert dann über feine Nervenfasern für gewöhnlich bis zum Nervus trigeminus, dem Gesichtsnerv. Dieser ist vor allem für Empfindungen und Bewegungen einzelner Muskeln im Gesicht zuständig. Dort nistet er sich ein und geht über in eine Ruhephase. Während dieser Verweildauer haben die Herpesviren auf das Immunsystem des Organismus keine Auswirkungen. Der Virus verbleibt nun ein Leben lang im Körper. Durch bestimmte Auslöser (wie Stress oder eine Erkältung), die individuell unterschiedlich sind, kann der Herpes labialis aufblühen und wieder infektiös werden.

Je nachdem, wie stark das Immunsystem ist, kann es auch sein, dass die Herpesinfektion als Erkrankung niemals ausbricht. In den meisten Fällen kehren die Fieberblasen auf der Lippe jedoch regelmäßig wieder – besonders bei Personen mit einer geschwächten Immunabwehr, älteren Menschen, chronisch Kranken und Schwangeren.

Bläschen-Trigger: Wodurch wird Lippenherpes ausgelöst?

Als Auslöser für den akuten Schub von Herpes auf der Lippe kommen viele Faktoren in Betracht, die nicht immer vermeidbar sind. Alles, was die Immunabwehr schwächt, kann zu einer Erstinfektion und einer erneuten Reaktivierung führen – dazu zählt auch körperlicher oder psychischer Stress. Auch positive Ereignisse, wie Urlaub oder eine Hochzeit, rufen mal einen Schub hervor, da sie vielleicht mit Organisationsstress verbunden sind. Das macht die Herpesinfektion so tückisch. Zu den Triggern zählen unter anderem:

  • Hormonschwankungen während der Menstruation oder Schwangerschaft
  • kleinere Hautverletzungen
  • starke Reizungen der Haut (zum Beispiel bei sehr trockener Haut)
  • intensive Sonnenstrahlung
  • fieberhafte Infektionen und Erkältungen
  • Stress und körperliche Belastung
  • Empfindungen, wie Ekel, Trauer oder Ärger

Je besser das Immunsystem gestärkt wird, desto seltener kommt es in der Regel zum Ausbruch des Lippenherpes. Sie können dazu beitragen, einem Aufflammen des Herpes vorzubeugen, indem Sie sich ausgewogenen sowie vitaminreich ernähren, ausreichend schlafen und bewegen.

Lippenherpes behandelbar – aber nicht heilbar

Bereits bei den ersten Anzeichen eines entstehenden Lippenherpes wie Kribbeln oder Brennen sollten Sie umgehend mit Gegenmaßnahmen reagieren. In dieser Phase eine antivirale Herpescreme auf die betroffenen Hautareale aufzutragen, kann einen Ausbruch verhindern beziehungsweise die Dauer des Herpes verringern. Wirkstoffe wie Aciclovir hemmen die Vermehrung der Viren, abtöten können sie sie jedoch nicht. Es werden lediglich die Beschwerden gelindert und das Ansteckungsrisiko reduziert.

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Herpes-Risikogruppen und schwerer Verlauf

Die Symptome einer Herpes-simplex-Infektion sind zwar sehr unangenehm, aber für gewöhnlich ungefährlich. Doch insbesondere bei einem besonders stark geschwächten Immunsystem kann sie schwerere Folgen haben. Zu den gefährdeten Personen zählen zum Beispiel

  • Menschen mit Neurodermitis,
  • HIV-Infizierte sowie AIDS-Kranke,
  • Patienten während einer Chemotherapie und
  • Neugeborene.

Durch eine Verschleppung der Viren können die Fieberblasen dann nicht nur an der Lippe, sondern auch in anderen Körperregionen auftreten. Beispielsweise bei an Neurodermitis-Erkrankten weist die Haut durch das häufige Kratzen entzündete und nässende Hautstellen auf. Keime wie Bakterien und Viren können sich dort sehr leicht ansiedeln, große Hautpartien befallen und zu zusätzlichen Infektionen führen. Wenn sich der Herpes auch auf die Netzhaut der Augen ausweitet, kommt es mitunter zur Einschränkung der Sehkraft. Herpesviren verursachen darüber hinaus in seltenen Fällen auch lebensbedrohliche Komplikationen, wie beispielsweise eine Herpes-Enzephalitis, eine Entzündung des Gehirns.

Besondere Vorsicht bei Babys!

Kommt es bei einem Säugling in den ersten sechs Monaten nach der Geburt zum Ausbruch einer Herpesinfektion, ist der Verlauf der Krankheit meist schwerwiegender. Das Immunsystem kann sich noch nicht ausreichend gegen eindringende Erreger wehren.5 Die Herpesinfektion breitet sich dann häufig auf die Augen aus, greift auf den gesamten Körper über und infiziert auch Organe sowie das Gehirn. Eine Gehirnentzündung ist eine mögliche Folge. Die Mutter sollte deshalb bereits während der Schwangerschaft und wenn das Kind im Säuglingsalter ist, besonders darauf achten, dass der Lippenherpes nicht zum Ausbruch kommt oder frühzeitig eine Therapie einleiten. Sind doch Fieberblasen an der Lippe der Mutter entstanden, ist es wichtig, beim direkten Umgang mit dem Baby einen Mundschutz zu tragen. So kann das Kind vor einer Ansteckung geschützt werden.

Jana Welsner
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Carolin Stollberg
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