Haarausfall: Wenn die Haare auf dem Kopf immer weniger werden

31. Mai 2019

10 Min.

Ob Frau oder Mann, beide schockt es wahrscheinlich gleichermaßen, wenn sich die Haare nach nur wenigen Strichen in der Bürste sammeln, die Haarpracht immer dünner wird und kahle Stellen auf dem Kopf entstehen. Haarausfall ist für die Betroffenen häufig ziemlich unangenehm und kratzt sehr am Selbstwertgefühl. Doch woher kommt der Verlust des Haars überhaupt? Warum wächst es manchmal nicht mehr nach? Und viel wichtiger: Was kann man dagegen unternehmen?

Haarausfall – alles auf einen Blick:

  • Haarverlust bezeichnen Mediziner auch als Alopezie.
  • Bis zu hundert Haare am Tag zu verlieren, ist noch normal und unbedenklich – alles darüber gilt als Haarausfall und sollte ärztlich abgeklärt sein.1
  • Haare durchlaufen insgesamt drei Zyklusstadien: die anagene (aktives Wachstum), katagene (Übergang, Umbau) und die telogene (Ruhe) Phase.
  • Bei Haarausfall sollte ein Mediziner aufgesucht werden. Denn dahinter können sich ein Nährstoffmangel oder auch eine Infektion verbergen.
  • Je nach Form und Ausprägung unterscheiden Fachleute zwischen verschiedenen Arten von Haarverlust. Die Einordnung gibt Aufschluss über die Ursache und ist für die nachfolgende Therapie wichtig.
  • Mit einfachen Maßnahmen ist es möglich, eine Belastung des Kopfhaars zum Beispiel beim Kämmen zu reduzieren.

Was ist Haarausfall?

Eine an Haarausfall leidende Frau zieht schockiert Haarbüschel aus der Bürste.

Die Anzahl der Kopfhaare eines Erwachsenen wird auf etwa 100.000 bis 120.000 geschätzt.2 Dass da auch mal ein paar Haare verloren gehen, ist in der Regel nicht schlimm, vollkommen normal und kein Grund zur Besorgnis. Doch wann wird es bedenklich?

Bei einem Haarverlust von mehr als 100 Haaren täglich sprechen Mediziner von Haarausfall, den es zu behandeln gilt.1 Ein wichtiger Faktor in diesem Zusammenhang ist außerdem die zu geringe oder sistierende (stillstehende) Neubildung der Haare. Wie läuft diese in der Regel ab?

Stadien des Haarwachstums

Das Haarwachstum lässt sich in einen dreistufigen Zyklus aufteilen. Dieser läuft nicht bei allen Haaren synchron, sondern zeitlich unterschiedlich. Hintergrund ist evolutionär bedingt der stabil bleibende Bestand der menschlichen Körperbehaarung.

1. Anagene Phase

In der Haarpapille, dem untersten Teil der Haarwurzel, liegt der Beginn des Haarwachstums: Über feinste Blutgefäße werden die Haarzellen unter der Kopfhaut mit Nährstoffen versorgt und es kommt zu einer verstärkten Zellteilung sowie Wachstum. Das Haar wächst durch die von unten immer nachgebildeten Haarzellen über den Haarwurzelkanal nach oben. Zunehmend entfernt sich das neue Haar von der Papille, es dehydratisiert (trocknet aus) und verhornt so (Keratinierung). Erst im verhärteten Zustand ist es in der Lage, durch die Hautoberfläche (Epidermis) zu stoßen und sich so den Weg nach außen zu bahnen. Der für uns sichtbare Teil heißt Haarschaft. Die beschriebe Phase dauert etwa zwei bis sechs Jahre.3

2. Katagene Phase

Diese Übergangsphase dauert ein bis zwei Wochen: In der Papille lässt die Nährstoffversorgung und damit die Zellteilung nach, das Haar löst sich von der Wurzel.3 Der Follikel schrumpft ein, sitzt lockerer im Haarwurzelkanal und bewegt sich immer weiter Richtung Oberfläche.

3. Telogene Phase

Das Haar fällt nach etwa drei bis vier Monaten aus.3 Der zurückbleibende Haarwurzelteil wandert wieder zurück in die tieferen Hautschichten, wo der Haarwachstumsprozess dann von Neuem beginnt.

Haarausfall? Bei Beschwerden an den Dermatologen wenden

Bei zunehmendem Haarausfall ist es ratsam, einen Facharzt aufzusuchen, denn dahinter können sich auch ernstzunehmende Probleme wie Nährstoffmangel, Infektionen oder chronischer Stress verbergen. Der richtige Ansprechpartner ist in diesem Fall der Dermatologe, denn Haarausfall gehört zu den Störungen der Haut. Der Mediziner wird den Patienten in einem ausführlichen Anamnese-Gespräch (Patientenbefragung) nach Dauer und Stärke des Haarausfalls fragen sowie weitere Symptome wie Juckreiz oder Hautveränderungen abklären. Des Weiteren erkundigt er sich nach der derzeitigen Lebenssituation, der Einnahme von Medikamenten und Vorerkrankungen, auch in der Familie.

Haarausfall ist keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Symptom und so gilt es die Ursache für die Beschwerden zu ermitteln. Doch wie kann der Arzt die entsprechende Diagnose stellen? Dafür stehen ihm verschiedene Verfahren zur Verfügung:

  • Begutachtung des Haarausfalls
  • Zupf-Test durch leichtes Ziehen
  • Haaranalyse und Bluttest zur Ermittlung von Schwermetallen, Hormonen, Schad- und Nährstoffen sowie der Entwicklung der Haare
  • Gewebeproben der Kopfhaut

Nach einer gesamtheitlichen Betrachtung aller Untersuchungsergebnisse kann der behandelnde Arzt die entsprechende Ursache ausmachen und abhängig von der jeweiligen Form des Haarausfalls eine Therapie einleiten.

Welche Arten von Haarausfall gibt es?

Haarausfall ist nicht gleich Haarausfall, es gibt verschiedene Ausprägungen. Mediziner unterscheiden zwischen folgenden Formen:

  • Erblich bedingter Haarausfall (androgenetische Alopezie): Bei Männern tritt eine typische M-förmige Ausdünnung ein, welche mit Geheimratsecken und Haarverlust am Hinterkopf beginnt. Der erblich bedingte Haarausfall fällt bei Frauen zunächst am Scheitel auf. Das Haarfollikel reagiert empfindlich auf das körpereigene Hormon Dihydrotestosteron (DHT). Es ist ein Umwandlungsprodukt des Sexualhormons Testosteron.
  • Kreisrunder Haarverlust (Alopecia areata): Es entstehen runde, kahle Stellen, die relativ klar begrenzt sind. Mediziner vermuten, dass es sich hier um eine krankhafte Autoimmunreaktion des Körpers handelt, bei der die Haarfollikel in ihrem Wachstum gelähmt werden.
  • Diffuser Haarausfall (diffuse Alopezie): Hier herrscht eine gleichmäßige Verdünnung des Kopfhaars, die Haut darunter scheint immer deutlicher hervor. Vor allem Frauen leiden bei hormonellen Schwankungen unter dem schwindenden Haupthaar. Außerdem können Nährstoffmangel und Stress den Ausfall begünstigen. Auch Krebspatienten verlieren bei der Chemotherapie ihre Haare aufgrund der aggressiven chemischen Substanzen im Körper.
  • Spezielle Formen: Kommt es zu einer Narbenbildung auf der Kopfhaut, kann das das Haarwachstum ebenfalls beeinträchtigen – leider häufig irreversibel. Diese Art des Haarausfalls ist eine Folge von Entzündungen oder Erkrankungen der Kopfhaut, die Haarfollikel werden dabei zerstört.
Wichtig zu wissen:

Auch nach einer besonders starken Infektion oder sehr hohem Fieber besteht die Gefahr von Haarausfall. Der Haarverlust tritt dann etwa zwei bis vier Monate nach der jeweiligen Erkrankung ein.4 Das bedeutet, dass es den Betroffenen häufig schon wieder besser geht, bis der Ausfall des Kopfhaars eintritt. Aus diesem Grund wird ein Arzt auch nach zurückliegenden Erkrankungen fragen.

Zuletzt können genauso äußere Einflüsse den Haarverlust hervorrufen: zu festes Ziehen oder Kämmen der Haare, übertrieben häufiges Waschen, hautschädigende Verbrennungen oder nach einer Bestrahlung im Rahmen einer Krebsbehandlung.

Behandlungsmöglichkeiten bei Haarausfall

Die Therapie ist abhängig von der jeweiligen Ursache für den Haarausfall. Diese lässt sich jedoch nur von einem Arzt, in erster Linie einem Dermatologen abklären. Er wird mit dem Patienten die geeignetste Behandlung besprechen. Bei Bedarf kann der Facharzt auch an einen anderen Mediziner überweisen.

Medikamente

Vor allem bei erblich bedingtem Haarausfall werden Medikamente eingesetzt. Zu den gängigsten Wirkstoffen gehören:

  • Finasterid – verhindert die Bildung des für die Haarwurzel schädlichen DHT-Hormons
  • Minoxidil – erweitert die Blutgefäße und sorgt so für eine bessere Durchblutung der Kopfhaut

Stellt der Arzt die Diagnose, dass ein Nährstoffmangel oder Hormonschwankungen bestehen, leitet er eine Regulation dessen ein. So schaffen zum Beispiel Eisenpräparate bei einem Defizit Abhilfe. Schilddrüsenerkrankungen sind ebenfalls mit entsprechenden Arzneien zu behandeln. Gegebenenfalls müssen Alternativen zu Medikamenten gefunden werden, die in den Hormonhaushalt eingreifen, wie zum Beispiel die Anti-Babypille.

Hausmittel und Tipps gegen Haarausfall

Es gibt noch einige Maßnahmen, die dabei helfen können, Haarausfall zu reduzieren:

  • Verwenden Sie nur kleine Mengen Shampoo zum Reinigen Ihrer Haare und der Kopfhaut. Die Pflege sollte möglichst auf die Bedürfnisse Ihrer Haut angepasst sein. Heißes Wasser ist zu vermeiden, genauso wie zu häufiges Föhnen. Die Hitze und die Inhaltsstoffe des Shampoos reizen die Kopfhaut ansonsten zu stark.
  • Am besten tupfen Sie Ihr Haar vorsichtig nach dem Waschen mit einem weichen Handtuch (oder Tipp: sauberes Baumwoll-Shirt) trocken, anstatt zu rubbeln. Besonders schonend ist das Trocknen an der Luft. Die Umsetzung dieser Maßnahme ist verständlicherweise ein wenig von der individuellen Haarbeschaffenheit und Ergebnis-Zufriedenheit abhängig.
  • Bleichen, Glätten und Dauerwelle – alles Styling-Verfahren, die sehr aggressiv zum Haar sind und es strapazieren. Daher sollten Sie möglichst nur selten angewendet werden.
  • Eine Bürste mit abgerundeten Borsten erleichtert das ziepen- und reißfreie Kämmen. Spülungen beziehungsweise wöchentliche Haarkuren helfen ebenfalls gegen Knoten im Haar und verhindern so unnötiges und zu Haarverlust führendes Ziehen beim Bürsten.

Ein wichtiges Mittel gegen Haarausfall ist zu guter Letzt die Entspannung. Psychische und körperliche Belastung führen zu einer erhöhten Ausschüttung von Stresshormonen – und diese können die Haarfollikel angreifen. Gönnen Sie also nicht nur sich, sondern auch Ihren Haaren zuliebe ausreichend Erholungsphasen und Schlaf.

Carolin Stollberg
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Medizinredakteurin