Neurodermitis: Ein häufiges Krankheitsbild der Haut

2. Mai 2016

22 Min.

Neurodermitis ist eine chronische oder chronisch-rezidivierende (wiederkehrende) entzündliche Hauterkrankung. Sie ist nicht ansteckend und tritt schubweise auf. In Industrieländern sind 1,5 bis 5 Prozent der erwachsenen Bevölkerung davon betroffen.1 Doch vor allem Säuglinge und Kleinkinder leiden noch weitaus häufiger darunter. Kennzeichnend für Neurodermitis sind eine stark trockene Haut, Juckreiz und entzündete Hautareale (Ekzeme). Doch was sind die Ursachen, was die Auslösereize und gibt es Hilfe?

Frau mit Neurodermitis trägt eine Salbe am Ellenbogen auf.

Überblick:

Neurodermitis erkennen: Typische Symptome

Eine Neurodermitis (medizinisch auch atopisches Ekzem oder atopische Dermatitis) verläuft schubweise. Leiden Betroffene unter einem akuten Neurodermitis-Schub, zeigt sich dies auf unterschiedliche Art und Weise. Das Erscheinungsbild der Hauterkrankung variiert dabei nicht nur von Patient zu Patient – ebenso weist die Haut von Kindern andere Beschwerden auf, als die von Erwachsenen.

Direkt zu den Symptomen bei …

Charakteristische Symptome von Neurodermitis

  • extrem trockene Haut
  • starker Juckreiz (insbesondere in der Nacht sowie nach dem Schwitzen)
  • Hautveränderungen symmetrisch angeordnet
  • unscharf begrenzte Rötungen und nässende Hautstellen
  • häufig begleitet von Bläschen, Schuppen, Krusten und Kratzspuren (Exkoriationen)
  • bevorzugte Körperstellen bei
    • Säuglingen: gesamter Körper (ausgenommen Windelbereich), auch
    • Gesicht und Kopfhaut

    • Kindern: Ellbeugen, Kniekehlen, Fuß- und Handgelenke
    • Erwachsenen: Hände und Füße, Hals- und Nackenbereich, Gesicht

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So zeigt sich Neurodermitis bei Babys

Neurodermitis tritt meist erstmalig im Säuglingsalter auf. Klassischerweise beginnt die Hauterkrankung um den dritten Lebensmonat im Gesicht.2 Unter anderem sind die Wangen gerötet und schuppig, sie fühlen sich rau an. Anstelle eines süßen Haarflaums zeigen sich juckende und trockene Schuppen auf der Kopfhaut. Besonders stark kann sich der Hautausschlag aber auch an anderen Körperstellen wie streckseitig an Armen und Beinen bilden.

Akute Phasen (auch Schub-Phasen) gehen oftmals mit einem starken Juckreiz einher, dem Kinder nur schwer widerstehen können und zu kratzen beginnen. Dadurch wird die Haut aber beschädigt, wodurch es Viren, Bakterien und Pilzen leichter fällt, einzudringen. Eine Infektion ist dann möglich. Für das Vorliegen einer solchen sprechen diese Beschwerden: Die Haut ist wunder, röter und wärmer als sonst. Und es bilden sich Bläschen, aus denen eine klare, gelbliche Flüssigkeit austritt, bevor sie verkrusten.

Neurodermitis-Symptome bei Kindern

Die Beschwerden können sich mit dem Älterwerden beispielsweise wie folgt verändern:

  • Die Ekzemherde (entzündete Hautbereiche) konzentrieren sich nun an den Ellenbeugen, in den Kniekehlen, am Hals sowie an den Hand- und Sprunggelenken.
  • Zu den unscharf begrenzten, bräunlich-roten Hautarealen gesellt sich eine zunehmende Vergröberung der Hautstruktur. Es kann eine sogenannte Elefantenhaut entstehen, sprich, die Haut wird dicker und trockener.

Ab dem Kleinkindalter ist häufig eine Verbesserung der Neurodermitis zu beobachten. Allerdings kann die chronische Entzündungsreaktion der Haut auch ein lebenslanger Begleiter sein.

Neurodermitis beim Kind – ein Erfahrungsbericht

Wie ist es, wenn das eigene Kind Neurodermitis hat? In unserer Podcast-Folge berichtet eine Mutter von den alltäglichen Herausforderungen und gibt Tipps für betroffene Eltern.

Symptome der Neurodermitis im Erwachsenenalter

Besteht die Neurodermitis weiter, zeigt sich bei den Betroffenen häufig eine sehr trockene sowie schuppende Haut.

Neurodermitis an den Handrücken

Weitere Hinweise können zudem sein:

  • gerötete Hautareale mit Knoten und Bläschen
  • nässende Hautstellen
  • starker Juckreiz

Die Neurodermitis findet sich bei Erwachsenen bevorzugt im Gesicht und an den Händen. Im chronischen Stadium ist eine sogenannte Lichenifikation (auch Elefantenhaut genannt) möglich. Dabei kommt es zu einer lederartigen, flächenbegrenzten Veränderung der Haut, bei der eine Verdickung dieser und eine Vergröberung der Struktur zu beobachten ist.

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Nebenbefunde bei einigen Neurodermitis-Patienten

Neben den typischen Hautreaktionen können folgende Auffälligkeitsmerkmale – sowohl bei Kindern, als auch Erwachsenen – auf Neurodermitis hindeuten:

  • Herthoge-Zeichen: Damit meinen Mediziner ein Ausdünnen der Augenbraue, sprich die Behaarung nimmt zur Seite hin stark ab. Das Herthoge-Zeichen gilt unter anderem als Hinweis auf eine Neurodermitis, ist aber durch weitere Untersuchungen zu festigen.
  • Dennie-Morgan-Falte: Bei dieser zeigt sich unterhalb des Augenlides eine doppelte oder einfache Falte beziehungsweise Wulst; meist ist dies an beiden Augenlidern zu beobachten. Auch hier gilt es, weitere Untersuchungen zur Bestätigung einer Neurodermitis durchzuführen, denn: Nicht jeder Neurodermitis-Patient weist eine solche Falte auf, zudem kann diese auch bei gesunden Menschen auftreten.

Für einen Laien ist es sehr schwierig zu erkennen, ob es sich bei einer Hauterkrankung um eine Neurodermitis handelt. Viele Krankheitsbilder gehen mit ähnlichen Beschwerden einher und haben gleichzeitig ganz verschiedene Ursachen.

Einige der genannten Symptome können auch bei folgenden Hauterkrankungen eine Rolle spielen:

Welche Ursachen und Auslöser hat die atopische Dermatitis?

Die Zusammenhänge, die zur Entstehung von Neurodermitis führen, sind in der Medizin noch nicht gänzlich geklärt – und das, obwohl immer mehr Menschen daran erkranken. Die erblich bedingte Veranlagung, eine gestörte Hautbarriere und ein übereifriges Immunsystem spielen aber wohl die Hauptrollen.

Erblich bedingte Veranlagung zur Neurodermitis

Ist ein Elternteil Neurodermitiker, erhöht sich das Risiko, dass das Kind ebenfalls erkrankt, auf 40 Prozent — leiden beide Elternteile unter Neurodermitis auf circa 70 Prozent.2 Wenn die Eltern Heuschnupfen oder Asthma haben, steigt das Risiko ebenfalls. Bekommt ein Kind die Veranlagung zur Neurodermitis sozusagen in die Wiege gelegt, gerät die Erkrankung ins Rollen, wenn es mit bestimmten Auslösern in Kontakt kommt.

Auffälligkeiten im Immunsystem

Das menschliche Immunsystem können Sie sich wie ein Schutzschild vorstellen, das uns vor Krankheitserregern schützt. In manchen Fällen schießt das Immunsystem aber über das Ziel hinaus und “übertreibt” es mit der Ausübung seiner Aufgabe. Es reagiert dann überempfindlich auf vermeintliche Feinde, indem Entzündungsreaktionen in Gang gesetzt werden, beispielsweise gegen äußere Reize – wie den eigenen Schweiß oder Waschmittelrückstände in der Kleidung. Auch bei Neurodermitis scheint das Immunsystem überaktiv zu sein. Dafür würde auch sprechen, dass bei der extrinsischen Form der Neurodermitis ein erhöhter IgE-Spiegel im Blutserum festgestellt wird. IgE ist die Abkürzung für Antikörper vom Typ Immunglobulin E.

Formen der Neurodermitis

  • extrinsisch (weitaus häufiger verbreitet): Auslöser von Neurodermitis-Schüben können – müssen aber nicht zwingend – allergieauslösende Stoffe wie Pollen oder Nahrungsmittel sein.
  • intrinsisch: Der IgE-Spiegel ist unauffällig. Das bedeutet: Allergene haben keinen Einfluss auf das Krankheitsgeschehen. Aus der intrinsischen kann sich jedoch im Laufe der Zeit eine extrinsische Neurodermitis entwickeln.

In den letzten Jahren sind immer mehr Menschen an Neurodermitis erkrankt. Doch woran liegt das? Dieses Phänomen wird mit den veränderten Lebensumständen in den westlichen Industrieländern in Verbindung gebracht. Eine saubere, möglichst keimfreie Umgebung gilt hier als ideal und ist gleichzeitig eine mögliche Ursache für Neurodermitis. Einige Wissenschaftler vermuten, dass das Immunsystem von Babys noch nicht ausreichend trainiert ist – harmlose Substanzen werden als Gefahr eingestuft und angegriffen. Diese können durch einen dünnen beziehungsweise gestörten Schutzschild der Haut, wie er bei Neurodermitis typisch ist, leicht Immunreaktionen hervorrufen.

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Gestörte Barrierefunktion der Haut

Banner Umfrage Neurodermitis

Der Säureschutzmantel (Hydrolipidfilm beziehungsweise -mantel) wird von Schweiß- und Talgdrüsen gebildet und liegt als Schutz der äußeren Hautschicht auf. Im Idealfall – also wenn nicht wie bei einer Neurodermitis eine Funktionseinschränkung der Drüsen vorliegt – bewahrt der Säureschutzmantel die Haut davor auszutrocknen. Dadurch ist sie gegenüber Bakterien oder Reizstoffen aus der Umwelt unempfindlicher.

Auch die äußere Hautschicht beziehungsweise Hornschicht selbst, die größtenteils aus Hornfetten und geschichteten Hornzellen besteht, soll eine optimale Versorgung der Haut mit Feuchtigkeit gewährleisten. Bei einer Neurodermitis ist diese natürliche Hautbarriere gestört. Unter anderem mangelt es ihr an Hornfetten, der Verbund aus Fetten und Zellen ist so instabil, brüchig. Somit können allergieauslösende Stoffe, sogenannte Allergene (beispielsweise Duftstoffe), leichter in die Haut eindringen.

Diese wiederum führen zu den typischen Hautreaktionen, wie beispielsweise Juckreiz, Spannungsgefühle und Entzündungen. Starkes Kratzen der betroffenen Hautstellen ist die Folge und es können kleine Verletzungen an der Oberfläche entstehen. Der Juckreiz nimmt zu und der Hautzustand verschlechtert sich. Die Schutzbarriere geht weiter zurück und Allergene oder andere irritierende Substanzen können noch leichter eindringen und Entzündungen sowie Juckreiz auslösen – ein Teufelskreis.

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Veränderung des Hautmikrobioms

Forschungen zufolge scheint auch das sogenannte Mikrobiom bei der Entstehung einer Neurodermitis eine Rolle zu spielen. Unter einem Mikrobiom versteht man sämtliche Mikroorganismen (Bakterien, Viren, Pilze), die die Haut besiedeln. Die natürliche Hautflora ist wichtig, um uns vor Keimen zu schützen. Doch der mikrobakterielle Schutzmantel ist bei Menschen mit Neurodermitis weniger leistungsfähig wie bei gesunden, denn: Die Vielfalt der Mikroorganismen ist geringer, woraufhin ein Ungleichgewicht herrscht. Bakterien wie Staphylococcus aureus müssen sich also nicht einmal groß anstrengen, um in die geschädigten Hautstellen einzudringen. Stattdessen können sie sich dort sogar relativ ungestört vermehren. In der Folge lösen die Bakterien Entzündungen aus oder verschlimmern den Zustand bestehender Hautekzeme weiter.3

Neurodermitis durch psychische Ursachen – Mythos oder Wahrheit?

Es ist ein alter Mythos, der sich teils noch immer hält: Stress und andere psychische Belastungen sind Ursache für die Entstehung von Neurodermitis, also Schuld an der Erkrankung an sich. Gerade beim erstmaligen Auftreten der Hautkrankheit im Kindesalter wurde das oftmals auf Probleme in der Schule geschoben oder der Grund bei den Eltern gesucht. Mittlerweile weiß man, dass das nicht die Ursache ist.

Als Trigger, also als Auslöser von neuen Schüben, kann große psychische Belastung den Verlauf der Krankheit jedoch negativ beeinflussen. Umgekehrt darf auch die belastende Situation, mit der Betroffene durch die Hautausschläge und den starken Juckreiz konfrontiert sind, nicht vergessen oder gar unterschätzt werden.

Triggerfaktoren – die Lawine kommt ins Rollen

Das Ziel vieler Neurodermitiker ist es, den nächsten Schub der Erkrankung hinauszuzögern. Da die Ursachen der Hauterkrankung bislang nicht vollständig geklärt sind, konzentriert man sich auf die Auslöser (Trigger). Bestimmte Faktoren können die Hauterkrankung verschlimmern oder sind in der Lage einen neuen Schub hervorzurufen.

Infrage kommen zum Beispiel:

  • Allergene (allergieauslösende Stoffe), wie Hausstaubmilben, Pollen oder bestimmte Nahrungsmittel (zum Beispiel Kuhmilch oder Weizen)
  • Infektionen, beispielsweise die Grippe oder eine Erkältung
  • äußere Reize, wie Zigarettenrauch, Schweiß
  • Juckreiz-auslösende Kleidung, zum Beispiel Textilien aus grober Wolle oder Synthetik (Nylon, Acryl, Polyester)
  • Inhaltsstoffe in Pflegeprodukten, beispielsweise Konservierungsstoffe
  • Reizstoffe in der Nahrung, besonders in scharfen oder sauren Lebensmitteln (Erdbeeren, Zitrusfrüchte, Tomaten), ebenso Inhalts- oder Ergänzungsstoffe in Lebensmitteln
  • häufiges Waschen sowie ausgiebiges Baden/Duschen, denn dadurch trocknet die Haut zusätzlich aus
  • Stress, ferner körperliche und geistige Erschöpfung und Schlafmangel
  • Klima, also sehr warme oder sehr kalte Temperaturen, auch trockene Heizungsluft

Dabei reagiert nicht jeder Mensch mit Neurodermitis gleich stark auf die verschiedenen Auslöser. Manche haben starke Probleme mit scharfer Nahrung, während andere ihre Kleidung nicht mit Weichspüler waschen dürfen. Tatsächlich ist es meist nicht nur ein Triggerfaktor, sondern ein Zusammenspiel aus mehreren.

Detektivarbeit: Auslöser aufspüren – mit einem Symptomtagebuch

Ein wichtiger Pfeiler bei der symptomatischen Therapie der Neurodermitis ist es, die individuellen Trigger bestmöglich zu meiden. Doch was, wenn Sie diese noch gar nicht so genau kennen? Hier kann das Führen eines Symptomtagebuchs hilfreich sein. Schreiben Sie für jeden Tag auf, was Sie gemacht und gegessen haben und wie Ihre Haut darauf reagiert hat. Nach einiger Zeit lassen sich auf diese Weise bestimmte Muster erkennen, zum Beispiel, dass der Juckreiz immer nach dem Verzehr bestimmter Lebensmittel schlimmer wird.

Wie lässt sich Neurodermitis behandeln?

Neurodermitis ist grundsätzlich nicht vollständig heilbar, denn gegen die erblich bedingte Komponente der Neurodermitis lässt sich nichts unternehmen. Dennoch lassen sich die Symptome des atopischen Ekzems und der damit verbundene Juckreiz oder die Schmerzen lindern. Am besten sprechen Sie mit Ihrem Dermatologen (Hautarzt) über Ihren individuellen Behandlungsplan, denn was jedem Einzelnen hilft, kann sehr unterschiedlich sein.

Therapieoptionen im Überblick:

Hautpflege

Eine tägliche Pflege der Haut versorgt diese kontinuierlich mit Feuchtigkeit. Ziel ist es, die Schutzfunktion der Haut zu unterstützen und das Eindringen von hautreizenden Substanzen zu verhindern. Fetthaltige Pflegeprodukte sind vor allem im Winter zu empfehlen, im Sommer hingegen feuchtigkeitsspendende Lotionen. Auch rückfettende Ölbäder gehören zur Basisbehandlung. Ein weiterer Inhaltsstoff von Präparaten, der den Feuchtigkeitsgehalt der Haut erhöht, ist Harnstoff (Urea). Bei unter 6-Jährigen sollte jedoch darauf verzichtet werden, da die junge Haut so gut wie immer mit Brennen und Hautirritationen auf Harnstoff reagiert.4 Bei akuten Schüben gehören Cremes und Salben mit antientzündlichen Wirkstoffen zum Behandlungsspektrum.

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Ernährung

Außerdem ist eine gesunde Ernährung für Neurodermitiker ein wichtiger Therapiebaustein, damit so wenig künstliche Nahrungszusatzstoffe wie möglich in den Körper gelangen. Denn auch diese gelten als Auslöser für eine Neurodermitis. Es gibt auch bestimmte Lebensmittel, die den unerträglichen Juckreiz unter Umständen verstärken. Bei Kindern können häufig Kuhmilch, Soja, Hasel- und Erdnuss, Fisch sowie Weizen als Neurodermitis-Trigger ausgemacht werden. Erwachsene reagieren hingegen – wenn überhaupt – eher auf mit Pollenallergenen verwandte Nahrungsmittelallergene wie Nüsse, Gemüse und Obst.5 Von einer Sache raten Experten ab: Pauschal und ausschließlich auf Verdacht, also ohne bestätigte Diagnose einer Lebensmittelallergie durch einen Allergologen, gänzlich auf bestimmte Lebensmittel zu verzichten.5 Betroffene sollten stattdessen die weiteren Behandlungsschritte in enger Absprache mit ihrem behandelnden Arzt planen.

Alternative Methoden und Hausmittel

Eine Perspektive, um eine, selbst wenn häufig nicht dauerhafte, Besserung der Neurodermitis herbeizuführen, bieten Klimakuren. Damit gemeint sind Aufenthalte am Meer oder im Gebirge, beides hautfreundliche Gebiete. Denn hier befinden sich meist weniger Allergene und Schadstoffe in der Luft, was bei einigen Menschen zu einer Verbesserung des Hautbildes führt. Wissenschaftliche Belege fehlen jedoch bisher.

Experten gesucht?

Sie benötigen Adressen von Kliniken, Reha-Angeboten oder Ernährungsberatern, die sich auf Neurodermitis spezialisiert haben? Der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB) hat eine Datenbank aufgebaut, in der Sie unter anderem nach Zielgruppe (Erwachsene oder Kinder) sowie nach Wohnortnähe filtern können.

Reicht die Lokaltherapie mit Cremes und Salben nicht aus, können Betroffene oder Eltern von Kindern mit Neurodermitis auch über eine Phototherapie (Lichttherapie) nachdenken. Dabei wird die Haut mit UV-Licht bestrahlt. Wenden Sie sich dazu an Ihre Hautarztpraxis oder eine spezialisierte Klinik.

Auf der Suche nach alternativen Methoden stoßen Neurodermitis-Patienten vermutlich auch auf die Homöopathie. Zwar ist deren medizinischer Nutzen wissenschaftlich nicht bestätigt, doch kann sie als unterstützende Neurodermitis-Behandlung infrage kommen. Leiden Betroffene unter akuten Ekzemen, ist der Einsatz von Belladonna (schwarze Tollkirsche) C200 möglich. Sind die Beschwerden auch nach 10 Tagen noch immer da, folgt Sulfur (Schwefel) C30.6

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Zusätzlich zu den ärztlichen Empfehlungen können Neurodermitiker Hausmittel ausprobieren, die lokal und entzündungshemmend wirken können. Sind die Ekzeme trocken, besteht die Möglichkeit, zu Ölbädern oder Auflagen mit Stiefmütterchentee zu greifen. Nässen die Ekzeme hingegen, ist beispielsweise Eichenrindenbädern der Vorzug zu geben.2

Auflage mit entzündungshemmendem Stiefmütterchenkraut

Das benötigen Sie:

  • kochendes Wasser
  • Stiefmütterchenkraut (erhältlich in der Apotheke)
  • 2 Baumwoll- oder Leinentücher

Und so geht´s:

  • 2 Teelöffel Stiefmütterchenkraut mit einem halben Liter Wasser (kochend) übergießen.
  • Warten, bis die Mischung etwas abgekühlt ist.
  • Ein Tuch in den Aufguss geben, auswringen.
  • Das nasse Tuch auf die entzündeten Hautstellen legen, ein trockenes Tuch darüberlegen.
  • Die Auflage sollte regelmäßig erneuert werden.7
  • Bei allen Behandlungsmöglichkeiten – Hausmittel eingeschlossen – gilt: Sie werden nicht von jedem Patienten gleich gut vertragen, es muss darauf geachtet werden, wie die Haut reagiert. Bitte versuchen Sie nicht, die Neurodermitis im Alleingang kurieren zu wollen – ein Fachmann, in dem Fall ein Dermatologe, unterstützt Sie dabei, die Hauterkrankung zu behandeln.

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    Medikamente

    Zusätzlich können zur Behandlung des atopischen Ekzems Kortison-Cremes auf die betroffenen Körperstellen aufgetragen werden. Bei einem bakteriellen Befall verschreibt der Arzt Antibiotika.

    In Einzelfällen kommen unter Umständen auch sogenannte H1 Antihistaminika (antiallergische Wirkstoffe) infrage. Jedoch wird in der Leitlinie Neurodermitis explizit darauf hingewiesen, dass es dann um die Therapie schwerer, akuter Schübe der Neurodermitis geht und die Gabe von Antihistaminika stets als begleitende, nicht als alleinige, Therapiemaßnahme zu werten ist. Gewissheit, dass diese Präparate zur Behandlung des Juckreizes als Begleiterscheinung bei Neurodermitis von Nutzen sind, gibt es nicht.

    Erwachsene mit mittelschwerer und schwerer Neurodermitis kann der behandelnde Arzt auch hinsichtlich der Injektion eines Biologikums (mittels Biotechnologie hergestellte Eiweißstoffe) beraten. Seit 2017 steht der Wirkstoff Dupilumab zur Verfügung.8 Weitere befinden sich in der klinischen Prüfung. Biologika nehmen Einfluss auf den Entzündungsmechanismus, der bei Neurodermitis abläuft. Dupilumab muss subkutan, also unter die Haut, gespritzt werden.

    Für Patienten mit stark ausgeprägter Neurodermitis besteht grundsätzlich auch die Therapieoption mit immunsuppressiven Medikamenten, die das körpereigene Abwehrsystem unterdrücken. Allerdings sind diese häufig verbunden mit nicht unerheblichen Nebenwirkungen. Die überwiegende Anzahl dieser Medikamente ist zudem für Kinder ungeeignet.9 Lassen Sie sich daher eingehend von einem Facharzt beraten.

    Neurodermitis-Schüben vorbeugen – geht das?

    Um die beschwerdefreie Periode, also die Zeit, in der keine Schübe der Neurodermitis stattfinden, möglichst lange hinauszuzögern, gibt es einige Tipps.

    Strategien zur Vorbeugung sind unter anderem:

    • Meiden Sie Zigarettenrauch beziehungsweise verzichten Sie gänzlich auf Nikotin. Dies gilt insbesondere dann, wenn Sie schwanger sind oder bereits Kinder haben. Ein gesteigertes Risiko an Neurodermitis zu erkranken besteht für den Nachwuchs bereits dann, wenn ein Elternteil raucht.10
    • Achten Sie auf gut gelüftete Räume. Die optimale Raumtemperatur liegt bei 20 Grad Celsius, nachts darf es gerne noch 2 Grad kühler sein.11 Um nächtliches Schwitzen zu vermeiden, empfiehlt sich Bettwäsche aus Seide oder Baumwolle sowie eine eher luftige Decke.
    • Erlernen Sie spezielle Entspannungstechniken, etwa Tai Chi oder Yoga, um akute Schübe, die auf Stress zurückzuführen sind, zu umgehen.
    • Duschen Sie nach dem Schwimmbadbesuch, um das gechlorte Wasser gründlich abzuspülen.
    • Versuchen Sie, für sich oder Ihr betroffenes Kind, Kratzalternativen zu finden.

    Dazu zählt unter anderem das Auflegen eines Cool-Packs auf die juckende Haut. Um den Kratzimpuls umzulenken, kann statt der eigenen Haut ein beliebiges Objekt gekratzt werden, bei Kindern zum Beispiel ein Stofftier.

    Tanja Albert
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    Julia Lindert
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