Pergamenthaut: Wenn die Haut dünn wie Papier ist

Der Begriff Pergamenthaut wird in der Medizin nicht exakt definiert, jedoch verstehen Fachleute darunter in der Regel eine äußerst empfindliche, trockene und sehr dünne Haut. Gerade ältere Menschen haben oft unter ihr zu leiden. Doch wie genau kommt es zu der Bezeichnung Pergamenthaut und welche Möglichkeiten der Pflege gibt es?

Ältere Frau mit Pergamenthaut hält die Hände eines jungen Menschen.

Das charakterisiert die Pergamenthaut

Pergament gilt als ein Vorläufer des Papiers und wurde früher aus der Haut von Kälbern, Ziegen oder Schafen gewonnen. Da die Haut der Tiere nur leicht bearbeitet wird, treten beim Entstehungsprozess nach und nach die Poren und die typische Adermusterung hervor. Zudem wirkt altes Pergament leicht knittrig und transparent. Dieses charakteristische Aussehen verleiht der Pergamenthaut ihren Namen.

Nicht verwechseln! Pergament ist nicht das Gleiche wie Pergamentpapier. Dieses besteht nämlich aus Zellstoff, der aus Pflanzenfasern gewonnen wird. Das Aussehen der Pergamenthaut bezieht sich allerdings vorwiegend auf das Pergament aus Tierhäuten.

Zu erkennen ist sie in der Regel vor allem anhand der folgenden Merkmale:

  • Trockenheit
  • bläuliche bis graue Färbung
  • Sichtbarkeit der Blutgefäße
  • ohne Elastizität (keine Hautspannung)
  • schnell zu verletzen (beispielsweise durch das Abziehen eines Pflasters)
  • dünn und substanzlos
  • eingeschränkte Regenerationsfähigkeit
  • von Hämatomen (Blutergüssen) durchsetzt

Für gewöhnlich steht die Pergamenthaut in engem Zusammenhang mit dem natürlichen Alterungsprozess (Altershaut). Sie tritt vor allem dort auf, wo die Haut besonders dicht über dem Knochen liegt und wenig Fettgewebe vorhanden ist – beispielsweise an Ellbogen und Schienbeinen. Grundsätzlich kann die Pergamenthaut jedoch am ganzen Körper entstehen. Wie stark ihre Ausprägung ist, wird unter anderem von Faktoren wie Erkrankungen oder der Einnahme von Arzneimitteln beeinflusst.

Diese Ursachen kann Pergamenthaut haben

Mit zunehmendem Alter bildet sich das Unterhautfettgewebe zurück und die Haut wird schlaff und weniger elastisch. Die Fähigkeit zur Neubildung von Zellen lässt nach und damit auch die regelmäßige Erneuerung von Hautbestandteilen wie Kollagen und Elastin. Durch die Abnahme der hautfettenden Talgdrüsen fühlt die Oberfläche sich zudem trockener und poröser an. Dies begünstigt die Entstehung von Pergamenthaut. Als Risikofaktoren gelten zudem:

  • langanhaltender Flüssigkeitsmangel (über mehrere Tage)
  • Schäden durch UV-Strahlung (beispielsweise durch übertriebenes Sonnenbaden)
  • lang andauernde Therapie mit Glucocorticoiden (zum Beispiel Cortison)
  • Zytostatika (Medikamente im Rahmen einer Chemotherapie, die die Zellteilung hemmen)
  • Strahlentherapie (beispielsweise zur Tumorbehandlung)
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)

Ist die Pergamenthaut erst einmal entstanden, können die Symptome mit guter Pflege gemildert werden – eine Rückbildung ist jedoch nicht möglich.

Pergamenthaut als Nebenwirkung von Glucocorticoiden

Glucocorticoide werden als Medikamente beispielsweise zur Behandlung von Asthma oder rheumatischen Erkrankungen eingesetzt. Bei einer länger anhaltenden Therapie kann als Folge eine Pergamenthaut, auch Cortisonhaut genannt, auftreten. Die oberste Hautschicht wird zudem ledrig und die Blutgefäße neigen vermehrt zu Brüchigkeit.

Die Pergamenthaut und ihre spezielle Pflege

Gerade im Bereich der Pflege älterer Menschen spielt die Pergamenthaut eine große Rolle. Die schlechte Wundheilung und die erhöhte Verletzbarkeit sorgen dafür, dass der Heilungsprozess deutlich verlangsamt wird.1 Schäden der Haut entstehen bereits bei leichten Stößen, Quetschungen oder Reibungen – vor allem an Unterarmen und Schienbeinen, wo die Haut besonders dünn ist.

Schon das Abziehen eines selbstklebenden Pflasters oder zu starkes Schrubben mit dem Waschlappen kann zu Blutergüssen und großflächigen Verletzungen führen. Aufgrund der schlechten Regenerationsfähigkeit der Pergamenthaut heilen diese dann über einen sehr langen Zeitraum nicht mehr ab. Um das zu verhindern, muss bei der Körperhygiene und Hautpflege unbedingt darauf geachtet werden, dass besonders weiche Waschlappen und Handtücher verwendet werden.

Zudem ist es förderlich, die feuchte Haut vorsichtig trocken zu tupfen und nicht zu reiben. Um die Pergamenthaut zu pflegen und vor Austrocknung zu schützen, sollten sämtliche Produkte wie Cremes und Duschgele frei von künstlichen Konservierungs-, Farb- und Duftstoffen sein. Diese stehen in dem Ruf, Hautirritationen zu begünstigen. Es empfehlen sich rückfettende Duschgele ohne Zusätze und eine Wasser-in-Öl-Emulsion zur regelmäßigen, täglichen Pflege nach der Körperreinigung.2 Vermeiden Sie beim Duschen oder Waschen außerdem die Verwendung von zu heißem Wasser, da dieses einen austrocknenden Effekt auf die Haut hat.

Zusätzlich gilt:

  • Auf Hautpflaster und selbstklebende Wundverbände gänzlich verzichten. Stattdessen eignen sich Mullbinden und Wundauflagen mit Silikonbeschichtung, um Verletzungen zu verbinden.
  • Verletzungsgefahren im Umfeld minimieren. Hierzu gehört es beispielsweise scharfkantige Ecken und Kanten abzupolstern und Anti-Rutschmatten in Wanne oder Dusche zu verwenden.
  • Bettlägerige Patienten besonders vorsichtig und regelmäßig umlagern, um Druckstellen und Wundliegen zu verhindern.
  • Den Betroffenen regelmäßig zum Trinken von Wasser und Tee animieren, um der Hauttrockenheit vorzubeugen.

Je umsichtiger und sorgfältiger mit dem Zustand der Pergamenthaut und ihrer Pflege umgegangen wird, desto geringer ist der Leidensdruck für den Betroffenen.

Achtung: Dekubitus! Immobile, also bettlägerige Patienten mit Pergamenthaut, sind besonders anfällig für die Entstehung eines Dekubitus. Dieser wird auch als „Wundliegen“ bezeichnet und entsteht beispielsweise bei andauerndem, punktuellen Druck auf ein und dieselbe Körperregion – vor allem bei langem Liegen ohne Positionsänderung. Regelmäßiges Umlagern des Betroffenen und ein weiches Abpolstern von Druckstellen kann helfen, Verletzungen, die durch das Wundliegen entstehen, zu vermeiden.

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1Peters-Gawlik, Marianne: Fistelversorgung. München: W. Zuckschwerdt Verlag GmbH 2015. S.74.

1Von Reibnitz, Christine/ Skowronsky, Anette: Wundversorgung von A-Z. Berlin: Springer-Verlag GmbH 2018. S.107.