Schuppenflechte – was nun? Arten, Behandlung, Perspektiven

Alleine in Deutschland leiden rund zwei Millionen Menschen unter Schuppenflechte. Die Krankheit tritt in allen Altersgruppen auf und trifft Männer wie Frauen in etwa gleichermaßen. Schuppenflechte (Psoriasis) ist eine chronische Autoimmunerkrankung, die sich durch rote, juckende und schuppende Hautflächen bemerkbar macht. Die betroffenen Hautareale können im Schweregrad variieren: das Spektrum reicht von kleineren, örtlich begrenzten Stellen bis hin zu Erscheinungen am ganzen Körper. Welche Arten von Schuppenflechte es gibt, wie sie behandelt werden und was die Forschung dazu beiträgt, erfahren Sie hier.
Frau lässt Schuppenflechte beim Arzt untersuchen

Was ist Schuppenflechte?

Die schuppenden Hautveränderungen entstehen dadurch, dass Hautzellen beschleunigt aus tieferen Hautschichten an die Oberfläche transportiert werden. Dies passiert deshalb, weil eine bestimmte Art von weißen Blutzellen (T-Zellen) bei der Psoriasis übermäßig aktiv ist, was zu einem schnelleren Umsatz von Hautzellen führt. Normalerweise dauert dieser Vorgang etwa einen Monat, bei Psoriasis-Erkrankten kann sich dies auf wenige Tage verkürzen.
In ihrer typischen Erscheinungsform führt die Schuppenflechte zu roten, entzündeten Hautstellen, die mit silbrigen Schuppen bedeckt sind. Diese Flecken sind zwar weder ansteckend noch lebensbedrohlich, werden aber in der Regel von starkem Juckreiz begleitet oder fühlen sich wund an. Sie treten meist an Körperstellen auf, an denen die Haut entweder durch Beugen und Strecken häufig gedehnt wird oder anderen Beanspruchungen wie Witterung oder Reibung ausgesetzt sind. Hierzu zählen:

Auch die Zehen- und Fingernägel können von der sogenannten Nagelpsoriasis betroffen sein. Hierbei bilden sich gräuliche bis bräunliche Abdrücke (Tüpfelnägel) auf der Nageloberfläche oder die Nägel wirken gelblich verfärbt (Ölflecke).

Arten von Schuppenflechte

Je nach Erscheinungsbild, Verlauf und betroffenen Hautarealen unterscheidet die Dermatologie verschiedene Formen von Psoriasis. Folgende Haupttypen der Schuppenflechte lassen sich unterscheiden:

  • Plaque-Psoriasis: Häufigste Form der Schuppenflechte. Die Hautveränderungen zeigen sich rot an der Basis und sind von silbrigen Schuppen bedeckt. Sie treten überwiegend an den bevorzugten Hautstellen der Psoriasis (Außenseiten der Gelenke, Hände/Füße, Rumpf) auf.
  • Psoriasis guttata: Kleine, tropfenförmige Hautveränderungen erscheinen auf dem Rumpf, den Gliedmaßen und der Kopfhaut. Psoriasis guttata wird meist durch Infektionen der oberen Atemwege ausgelöst (zum Beispiel Mandelentzündung durch Streptokokken-Bakterien).
  • Psoriasis punctata: Die befallenen Stellen sind etwa so groß wie der Kopf eines Streichholzes. Die Schuppenflechteherde finden sich vorwiegend am Rumpf.
  • Psoriasis pustulosa: Weißlich getrübte Pusteln treten auf der Haut auf. Einzelne Schübe von Psoriasis pustulosa können durch Medikamente, Infektionen, Stress oder den Kontakt mit bestimmten Chemikalien ausgelöst werden.
  • Inverse Psoriasis: Hier ist die Oberfläche der Haut zumeist glatt, jedoch treten rote Flecken in den Hautfalten in der Nähe der Genitalien, unter den Brüsten, oder unter der Achsel auf. Die Symptome können sich durch Reibung und Schwitzen verschlechtern.
  • Erythrodermische Psoriasis: Die Rötung und Schuppung kann einen Großteil der Körperoberfläche betreffen und ist möglicherweise eine Reaktion auf schweren Sonnenbrand oder bestimmte Medikamente (zum Beispiel Kortison). Diese Form der Psoriasis stellt eine der schwerwiegendsten Verlaufsformen dar und erfordert in der Regel sofortige ärztliche Hilfe.
    Bei der Schuppenflechte handelt es sich um eine komplexe Krankheit, die nicht nur die Haut, sondern auch die Gelenke befallen kann. Bei der Psoriasis Arthritis kommt es neben den Hautrötungen auch zu arthritischen Gelenkentzündungen. Die Hautveränderungen und Gelenkentzündungen müssen jedoch nicht zwingend gleichzeitig auftreten.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Schuppenflechte ist eine chronische Erkrankung, für die es bis dato keine Therapie der eigentlichen Ursache gibt. Derzeit können Patienten lediglich die Symptome lindern, aber die Krankheit selbst nicht heilen. Um die Schuppenflechte in den Griff zu bekommen und zumindest weitgehend beschwerdefrei leben zu können, steht jedoch eine Vielzahl von Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.
In enger Absprache mit einem Hautarzt wird dieser, je nachdem wie schwer die Erkrankung ist und wo sich die beteiligten Hautbereiche befinden, eine möglichst individuelle Therapieform wählen. Auch die Reaktion des Patienten auf bereits erfolgte Behandlungen spielt bei der Wahl der geeigneten Mittel eine große Rolle. Grundsätzlich stehen folgende Möglichkeiten zur Verfügung:

  • Arzneimittel, die direkt auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen werden (topische Behandlung)
  • Lichtbehandlung (Phototherapie)
  • Orale Medikamentengabe oder durch Injektion (systemische Therapie)

Welche Behandlungsmethode erfolgreich ist, kann von Patient zu Patient unterschiedlich sein. Es kann daher nötig werden, von Zeit zu Zeit die Art der Behandlung zu wechseln, wenn diese nicht anschlägt oder unerwünschte Nebenwirkungen auftreten. Auch mit Kombinationstherapien aus Medikamenten und Lichttherapie werden bisweilen gute Ergebnisse erzielt. Des Weiteren finden auch alternativmedizinische Ansätze wie Akkupunktur oder homöopathische Mittel Anwendung. Bei einzelnen Patienten schlagen diese Methoden gut an, breitere Studien zur Wirksamkeit liegen jedoch nicht vor.
Im Allgemeinen können Hausmittel und sanfte Pflegemaßnahmen wie Salben und Cremes sowie Öl- und Solebäder die Symptome deutlich lindern. Die Schuppen werden dadurch entfernt, die Hautreizungen gehen zurück und die Haut wirkt glatter und geschmeidiger.

Hoffnung auf Heilung: Perspektiven der Forschung

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Weltweit arbeiten Wissenschaftler daran, das Krankheitsbild der Schuppenflechte besser zu verstehen. Jedes Jahr werden über tausend Fachartikel zum Thema veröffentlicht. Die Forscher versuchen dabei einerseits zu ergründen, wie sich gesunde Hautzellen bilden und untersuchen andererseits diejenigen Mechanismen, die eine Schädigung oder Fehlfunktion der Zellen hervorrufen. Wenn es gelingt, die fehlerhaften Abläufe in der Zellbildung zu unterbrechen, können die Forscher einen Weg finden, den Krankheitsprozess zu stoppen.

Schlüsselfaktor Erbanlage

Bedeutende Fortschritte wurden beim Verständnis der Vererbung von Psoriasis gemacht. Ein wesentlicher Teil der Gene, die an der Psoriasis beteiligt sind, ist mittlerweile bekannt und lokalisiert. Die jüngere Forschung ist sich weitgehend einig darüber, dass eine bestimmte genetische Konstellation auf Chromosom 6 als Risikofaktor in Betracht kommt. Knapp zwei Drittel der Psoriasis-Patienten weisen auf diesem Chromosom exakt dieselben Merkmale auf. Es ist daher naheliegend, dieses Merkmal als mögliche Ursache für Schuppenflechte in Betracht zu ziehen. Allerdings handelt es sich bei dieser Auffälligkeit im Erbgut weder um eine Mutation oder einen Gendefekt, noch bricht die Schuppenflechte bei jedem Träger dieses Gens tatsächlich aus. Obwohl insgesamt zehn Prozent der gesamten Bevölkerung diese spezielle genetische Veranlagung aufweisen, kommt es längst nicht bei jedem zu einem Ausbruch der Erkrankung. Andererseits gibt es auch Patienten, die dieses Gen nicht besitzen und dennoch an Schuppenflechte leiden.

Die Haut verstehen

Bei einer derart komplexen Krankheit, die von verschiedensten Faktoren ausgelöst und beeinflusst werden kann (Gene, Umwelteinflüsse, Lebensweise), ist die erbliche Veranlagung nur ein Baustein des Gesamtbildes. Die Forschung konzentriert sich daher vermehrt auf die Prozesse, die in den einzelnen Hautzellen ablaufen.
Die typischen Entzündungssymptome der Schuppenflechte werden durch spezielle Zellen des Immunsystems ausgelöst (T-Zellen). Es werden derzeit neue Therapien erforscht, die zum Ziel haben, das Immunsystem zu beruhigen und dessen Reaktion an den betroffenen Hautstellen zu unterdrücken. Hierzu wird die Aktivität der T-Zellen eingeschränkt oder die Entzündungsreaktion durch spezielle Proteine blockiert.
Die dermatologische Forschung versucht dabei eine Möglichkeit zu finden, die krankheitsverursachende Immunreaktion gezielt zu unterdrücken und gleichzeitig den Rest des Immunsystems möglichst nicht zu beeinträchtigen. Sofern dies gelingt, können sowohl Psoriasis-Erkrankte als auch Patienten mit anderen Krankheiten, an denen das Immunsystem beteiligt ist, wie etwa Neurodermitis, davon profitieren.

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