Kreisrunder Haarausfall: Symptome, Ursachen und Behandlung

3. Juni 2019

12 Min.

Kreisrunder Haarausfall ist eine nicht-ansteckende Krankheit, bei der die Haare ausfallen und runde Stellen am Oberkopf hinterlassen, sodass die Kopfhaut sichtbar wird. Noch sind nicht alle Gründe für die Alopecia areata, wie der kreisrunde Haarausfall in der medizinischen Fachsprache genannt wird, erforscht. Mediziner vermuten, dass diese Form des Haarverlusts auf eine Autoimmunreaktion zurückzuführen ist. Lesen Sie hier, was über die Ursachen und Symptome von kreisrundem Haarausfall bekannt ist und wie man die Alopecia areata behandeln kann.

Kreisrunder Haarausfall: Alle Fakten auf einen Blick

  • Symptome: Haarausfall, damit verbunden runde, kahle Stellen am Kopf
  • Auftreten: Bei Männern, Frauen und Kindern – Menschen jedes Alters
  • Betroffene Stellen: Kopfhaar, seltener auch Bart, Augenbrauen sowie Körperbehaarung
  • Ursache: Autoimmunreaktion, noch nicht vollumfänglich erforscht

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So äußert sich kreisrunder Haarausfall: Symptome der Alopecia areata

Mann, der seinen kreisrunden Haarausfall mit einer Mütze verdeckt.

Die zumeist plötzlich auftretende Alopecia areata lässt sich anhand typischer Symptome schnell identifizieren. Beim kreisrunden Haarausfall verlieren Betroffene ihre Haare lokal begrenzt. Der Haarverlust manifestiert sich durch runde oder ovale kahle Stellen, die die Kopfhaut freilegen. Anders als bei beispielsweise vernarbendem Haarausfall weist die Kopfhaut selbst keine sichtbaren krankhaften Veränderungen auf.

Der Übergang der freiliegenden Stellen zum vollen Kopfhaar scheint nahtlos zu erfolgen. Beim genaueren Hinsehen fallen an den Rändern der haarlosen Partien jedoch kurze, abgebrochene Haare auf. Sie weisen darauf hin, dass die Haare wieder nachwachsen können.

In den meisten Fällen äußert sich der kreisrunde Haarausfall nur am Kopf. Mitunter kann die Alopecia areata die Gesichts- oder Körperbehaarung betreffen, so beispielsweise:

  • Bart
  • Augenbrauen
  • Arm- und Beinbehaarung sowie sämtliche andere Haare am Körper

In welchem Alter der krankhafte Haarverlust erstmalig auftritt, variiert. Die Symptome der kreisrunden Alopezie zeigen sich bei Kindern sowie Erwachsenen beider Geschlechter. Zu den Betroffenen zählen dennoch häufig Personen, die zwischen 20 und 40 Jahre alt sind. Auch ein Zusammenhang mit hormonellen Schwankungen, beispielsweise bei Frauen in den Wechseljahren, ist denkbar. Denn ein weiterer Krankheitsgipfel lässt sich bei Menschen, die zwischen 50 und 60 Jahre alt sind, beobachten.1

Aha!

Nach erblich bedingtem und diffusem Haarausfall zählt der kreisrunde zu den häufigsten Formen des Haarausfalls.2

Wann hört kreisrunder Haarausfall auf?

Je nach individueller Ausprägung variiert die Intensität des Haarverlusts. Mediziner unterscheiden deshalb zwischen drei Stadien des kreisrunden Haarausfalls, die aber nicht jeder Betroffene zwingend durchläuft:

  1. Alopecia areata: Haarverlust und damit verbunden kreisrunde, kahle Stellen auf dem Kopf
  2. Alopecia areata totalis: Patienten verlieren ihre gesamten Kopfhaare
  3. Alopecia areata universalis: Verlust der gesamten Behaarung (Kopf, Gesicht, Körper)

Kleiner Exkurs: Der Ophiasis-Typ

Der Ophiasis-Typ ist eine Spezialform des kreisrunden Haarausfalls. Er zeigt sich vor allem am Nacken – auch weitere Haaransatz Randgebiete wie Schläfen oder Stirn sind manchmal betroffen. Dort fallen die Haare lokal begrenzt aus.

Die haarlosen Stellen können sich, am Haaransatz entlang, nach vorne hin ausbreiten, sodass sich die kahlen Stellen zu einem haarfreien Kranz verbinden. Das haarlose Areal ist somit deutlich auffälliger, was die Betroffenen häufig noch stärker belastet. Wie schnell dieser Haarausfall fortschreitet, variiert von Einzelfall zu Einzelfall.

Kreisrunder Haarausfall endet nicht immer mit dem Verlust aller Haare. Bei einem Drittel der Patienten verschwinden die Symptome der Alopecia areata innerhalb von sechs Monaten nach dem erstmaligen Auftreten wieder von alleine. 50 bis 80 Prozent der Betroffenen weisen nach einem Jahr schließlich keinerlei Beschwerden beziehungsweise kahle Bereiche am Kopf mehr auf.2

Daraus schließen Mediziner, dass die Haarfollikel beim kreisrunden Haarausfall nur zeitweise in ihrer Funktion eingeschränkt sind, wodurch das Haarwachstum abrupt endet. Die Haarwurzeln werden nicht zerstört, sondern sind nur vorübergehend „gelähmt“ – das Haar wächst meist einige Zeit später wieder wie gewohnt nach.

Was sind die Haarfollikel?

Die Haarwurzel sowie das einbettende Bindegewebe, die sogenannte Haarpapille, befinden sich in der Haut. Der „Schacht“, über den das Haar mit der Haut verankert ist, nennen Experten Haarfollikel. Die Follikel sind jedoch nicht nur Ankerpunkt, sondern auch Produktionsstätte des Haares.

Selbst wenn Patienten beschwerdefrei sind, heißt das nicht, dass die Krankheit nicht wieder in Erscheinung treten kann. Der kreisrunde Haarausfall verläuft häufig schubweise, sodass die Symptome der Alopecia areata im Laufe des Lebens immer wieder auftauchen.

Nicht gänzlich erforscht: Die Ursache von kreisrundem Haarausfall

Was kreisrunden Haarausfall verursacht, ist noch nicht umfassend geklärt. Mediziner vermuten, dass es sich bei dem krankhaften Haarverlust um eine Autoimmunreaktion handelt – eine Abwehrreaktion des Körpers auf gesunde, körpereigene Zellen wie die Haarwurzeln. Diese Spekulation basiert auf zwei wesentlichen Erkenntnissen.

So haben Untersuchungen zum einen gezeigt, dass sich bei Betroffenen überdurchschnittlich viele sogenannte Lymphozyten in den Haarfollikeln befinden. Dabei handelt es sich um bestimmte weiße Blutkörperchen, die für die Produktion von Antikörpern – spezielle Eiweiße, die das Immunsystem unterstützen – notwendig sind.

Interessant:

Immunzellen, im speziellen Lymphozyten, sind für das menschliche Immunsystem immens wichtig. Sie sorgen dafür, dass der Körper Erkrankungen gezielt abwehren kann. Bei Autoimmunerkrankungen und -reaktionen kommt es zu einer Fehlfunktionalität: Die Lymphozyten bekämpfen gesunde Zellen und schaden so dem Organismus.

Zum anderen weist jedoch nicht nur die hohe Anzahl an Immunzellen in Haarfollikeln auf eine Autoimmunreaktion des Körpers hin. Gehäuft tritt kreisrunder Haarausfall zudem bei Personen in Erscheinung, bei denen bereits eine Autoimmunerkrankung diagnostiziert wurde wie etwa:

  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Hashimoto (eine chronische Schilddrüsenentzündung)
  • Morbus Basedow (Erkrankung der Schilddrüse)
  • Vitiligo (auch Weißfleckenkrankheit, besondere Hautveränderung)

Auch das legt die Vermutung nahe, dass die Alopecia areata mit einer Autoimmunreaktion in Verbindung steht.

Weitere Ursachen: Entsteht kreisrunder Haarausfall durch Stress?

Wann und warum die Alopecia areata auftritt, ist bisher noch immer nicht komplett erforscht. Es gibt außerdem keine Antwort darauf, weshalb die Haare neben den kahlen Stellen normal wachsen und keinerlei Veränderungen aufweisen.

Dass Stress oder psychische Belastungen kreisrunden Haarausfall auslösen, wird vermutet, ist aber bislang noch nicht hinreichend geklärt. Kontrovers diskutiert ist zudem, ob Umwelteinflüsse, beispielsweise Schädlingsbekämpfungsmittel, die wir Menschen über die Luft oder die Nahrung aufnehmen, den krankhaften Haarausfall begünstigen. Aktuell existieren noch keine aussagekräftigen Forschungsergebnisse.

Diagnose von kreisrundem Haaraufall

Sobald Betroffene die ersten Anzeichen bemerken, sollten sie ihren Hausarzt aufsuchen. Dieser überweist den Patienten dann gegebenenfalls an einen Spezialisten. In der Regel ist das ein Dermatologe, also ein Hautarzt, der sich ein umfassendes Bild von der Ausprägung der Krankheit macht.

Ab wann spricht man von einem krankhaften Haarausfall?

Die Kopfhaare befinden sich alle unabhängig voneinander in einem Wachstums- und Erneuerungzyklus. Daher ist es normal, bis zu 100 Haare täglich zu verlieren.2 Ist über einen längeren Zeitraum hinweg ein stärkerer Haarverlust bemerkbar, kann dies auf einen krankhaften Haarausfall hindeuten.

Um weitere Formen des Haarausfalls auszuschließen, untersucht der Arzt zunächst die lichten Stellen am Kopf, an denen sich die Beschwerde zeigt. So kann der Mediziner einen sichtbaren Haarausfall feststellen und erkennen, ob dieser einem bestimmten Haarlichtungsmuster entspricht. Durch die Untersuchung schließt der Fachmann außerdem aus, dass Ekzeme oder andere Hautveränderungen für den Haarausfall verantwortlich sind.

Häufig untersucht der Experte bei einem Verdacht auf eine Alopecia areata zudem die Finger- und Fußnägel. Denn in Kombination mit kreisrundem Haarausfall treten oft Verformungen der Nägel auf, sogenannte Rillennägel. Wurde eine Alopecia areata diagnostiziert, besprechen Mediziner und Patient das weitere Vorgehen und die Behandlungsmöglichkeiten.

Die Behandlung von kreisrundem Haarausfall

Präparate, die den Haarwuchs stimulieren – sie wirken beispielsweise mit Minoxidil oder Finasterid – sind anregend und gefäßerweiternd. Durch die stärkere Durchblutung der Kopfhaut können die Symptome des erblich bedingten Haarausfalls vermindert werden. Bei der Alopecia areata zeigen diese Inhaltsstoffe allerdings keine Effekte.

Da die Ursachen für kreisrunden Haarausfall noch nicht allumfassend identifiziert sind, richtet sich die Behandlung immer nach dem jeweiligen Ausprägungsstadium. Leiden Betroffene nur unter einigen wenigen freiliegenden Stellen, raten viele Ärzte zunächst dazu, abzuwarten. Denn bei kreisrundem Haarausfall kommt es häufig zu einer sogenannten Spontanremission, also einem verhältnismäßig schnellen Verschwinden der Symptome. Grund dafür – so der aktuelle Stand der Forschung – ist die Autoimmunreaktion, welche die Haarfollikel nur lähmt, jedoch nicht vollends zerstört. Ist diese Lähmungsphase überstanden, wachsen die Haare in der Regel von selbst wieder nach.

Zur Therapie eines ausgeprägten kreisrunden Haarausfalls setzen Experten häufig eine sogenannte topische Immuntherapie ein. Durch das wiederholte Auftragen eines Präparats mit dem Wirkstoff Diphenylcyclopropenon oder Quadratsäuredibutylester soll das Haarwachstum wieder angeregt werden.

Die Behandlungsmöglichkeit mit Diphenylcyclopropenon und Quadratsäuredibutylester ist für Kinder in keinem Fall empfehlenswert. Stattdessen setzen Mediziner bei kleinen Patienten auf Mittel mit Zink. Dieser weist ein geringes Nebenwirkungsrisiko auf und kann das Immunsystem regulieren.

Kreisrunder Haarausfall: Frisur und Pflege

Wer von kreisrundem Haarausfall betroffen ist, leidet meist erheblich unter den sichtbaren Folgen. Bei einer Alopecia areata der Barthaare hilft eine Komplettrasur, die kahlen Stellen zu kaschieren. Zeigen sich die haarlosen Stellen am Kopf, fragen sich Betroffene häufig, welche Frisur die Alopezie-Areale am besten verdeckt?

Kreisrunder Haarausfall lässt sich bei Männern aufgrund von Kurzhaarfrisuren zumeist nicht durch langes Deckhaar verstecken. Wer als Mann am Oberkopf betroffen ist oder gar bemerkt, dass immer mehr Areale der Kopfhaut von der Krankheit eingenommen sind, hat die Möglichkeit, sich eine Glatze zu rasieren.

Welche Frisur sich für Frauen eignet, hängt immer davon ab, wo sich die haarlosen Stellen am Kopf befinden. Durch ein geschicktes Legen der Haare oder einen tiefen Pferdeschwanz lässt sich Alopecia areata – tritt sie nur teilweise auf – gut kaschieren. Schreitet die Erkrankung weiter fort oder ist die Kopfhaut an vielen Stellen sichtbar, sind Perücken eine Möglichkeit, die kahlen Stellen zu verbergen.

Bei der Wahl des Shampoos sprechen sich Dermatologen für sanfte, reizarme Produkte aus, die auf eine Beduftung oder chemische Stoffe wie harsche Tenside verzichten und so die Kopfhaut nicht zusätzlich strapazieren. Tritt ein Patient einem kreisrunden Haarausfall mit einer topischen Immuntherapie entgegen, sollte er sich strikt an die Vorgaben des Arztes halten. Da bei dieser Therapieform möglichst keine zusätzlichen Reizungen, etwa durch Shampoo oder Conditioner, hervorgerufen werden dürfen.

Johanna Wirsing-Schneider
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Freiberufliche Redakteurin