Erblich bedingter Haarausfall: Androgenetische Alopezie bei Mann und Frau

31. Mai 2019

8 Min.

Erblich bedingter Haarausfall, in der medizinischen Fachsprache auch Androgenetische Alopezie genannt, betrifft sowohl Männer als auch Frauen. Grund für den starken Haarausfall ist eine Überempfindlichkeit gegen das körpereigene Hormon Dihydrotestosteron (kurz: DHT) und damit verbunden eine Nährstoffunterversorgung der Haarwurzel. Lesen Sie in diesem Artikel, wie man erblich bedingten Haarausfall erkennen, behandeln und stoppen kann.


Die wichtigsten Informationen auf einen Blick:

  • Symptome: Haarausfall am Scheitel (Frau) sowie an den Schläfen und am Hinterkopf (Mann)
  • Ursache: hormonell bedingte Nährstoffunterversorgung der Haarwurzeln
  • Behandlung: Minoxidil (Wirkstoff), Hormontherapie (nur bei Frauen), Finasterid (nur bei Männern)
  • Diagnose: Arztgespräch, Blutentnahme, detaillierte Haaruntersuchung

Was ist erblich bedingter Haarausfall?

Mann, der im Spiegel seinen erblich bedingten Haarausfall betrachtet.

Erblich bedingter Haarausfall ist eine Form des Haarverlusts, die sowohl bei Männern als auch bei Frauen verbreitet ist. Da die Androgenetische Alopezie einen genetischen Ursprung hat, lassen sich die Ursachen für den Haarausfall selbst nicht bekämpfen. Mit speziellen Präparaten können Patienten jedoch den Haarverlust stoppen.

Die Ursachen für erblich bedingten Haarausfall

Die Ursache für Androgenetische Alopezie ist eine Überempfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber dem Hormon Dihydrotestosteron (kurz: DHT), das bei der Umwandlung von Testosteron entsteht. Die Reaktion auf DHT kann sowohl von der Mutter als auch vom Vater vererbt werden und sich bei Männern wie Frauen äußern.

Was sind Haarfollikel eigentlich?

Auch, wenn ein Großteil des Haars – der Haarschaft und die Spitze – sichtbar ist und aus der Haut ragt, steckt ein weiterer Teil in der Haut. Die schräge Hauteinstülpung, an der Haut und Haar verankert sind, wird Haarfollikel genannt. Dort wachsen neue Haare nach, weshalb Experten die Follikel auch als Produktionsstätte eines Haars verstehen.

Bei Betroffenen reagieren die Haarfollikel auf das Hormon DHT. In den Follikeln bilden sich die Blutgefäße zurück, die für die Nährstoffversorgung der Haare essenziell sind. So verkürzt sich die Wachstumsphase des Haares stetig, weshalb die Haare mit der Zeit immer feiner und kürzer werden.

Auch das Haarfollikel selbst – das Verbindungsstück zwischen Haar und Haut – leidet. Die Haarfollikel sind weniger strapazierfähig, wodurch sie äußeren Einflüssen gegenüber empfindlich sind – beispielsweise beim Kämmen oder Binden eines Zopfes. Das Resultat ist ein merklicher Haarverlust.

Ab wann sprechen Experten von Haarausfall?

Unsere Haare erneuern sich stetig von selbst. Aus diesem Grund ist ein mäßiger Haarverlust nicht besorgniserregend. So verliert der Mensch durchschnittlich bis zu 100 Haare pro Tag.1 Durch starkes Bürsten, intensives Haarewaschen oder andere mechanische Einwirkungen, kann der Haarverlust auch zeitweise ansteigen.

Beobachten Sie einen intensiven Haarausfall jedoch über mehrere Wochen, sollten Sie Ihren Hausarzt aufsuchen. Dieser kann erste Untersuchungen vornehmen und Sie in einem weiteren Schritt an einen Facharzt verweisen.

Der Dermatologe (Hautarzt) entscheidet, ob es sich um einen krankhaften Haarverlust handelt – und wenn ja, ob sich diffuser Haarausfall, erblich bedingter oder kreisrunder Haarverlust bemerkbar machen.

So äußert sich Androgenetische Alopezie

Erblich bedingter Haarausfall ist an einem überdurchschnittlich hohen Haarverlust zu erkennen. Durch die Rückbildung der Blutgefäße und den damit verbundenen Nährstoffmangel fallen die Haare nicht nur aus, sie werden ebenfalls dünner. Dieser Haarveränderungen manifestieren sich mit jedem Wachstumszyklus, den ein Haar durchläuft, deutlicher.

Wie sieht der Haarwachstumszyklus aus?

  • 2 bis 5 Jahre: Wachstumsphase (Anagenphase)
  • 2 bis 3 Wochen: Übergangsphase (Katagenphase)
  • 3 bis 4 Monate: Ruhephase (Telogenphase)1

Jedes einzelne Haar steckt in einer anderen Phase des Lebenszyklus, sodass der Haarerneuerungsprozess normalerweise nicht auffällt.

Anders, als bei kreisrundem Haarausfall, erstreckt sich der erblich bedingte Haarausfall nicht über den gesamten Kopf, sondern fokussiert bestimmte Partien. Typischerweise äußern sich die Symptome der Androgenetischen Alopezie bei Mann und Frau unterschiedlich.

Erblich bedingter Haarausfall: Symptome bei Männern

Der erblich bedingte Haarausfall kann bei Männern bereits ab der Pubertät auftreten, weitaus häufiger zeigen sich die Symptome jedoch erst nach dem 20. Lebensjahr.2 Dabei lässt sich der Haarverlust nach dem sogenannten Hamilton-Norwood-Schema drei Phasen zuordnen:

  • Phase 1: Zurückweichen der frontalen Haargrenze (Ausbildung von „Geheimratsecken“)
  • Phase 2: Schleichender Haarausfall am Oberkopf („Tonsur“)
  • Phase 3: Geheimratsecken und Tonsur vergrößern sich und laufen zusammen („Haarkranz“)

Der genannte Verlauf tritt bei etwa 80 Prozent der Betroffenen auf.2 Wie viele Haare ein Mann verliert und wie schnell der erblich bedingte Haarausfall fortschreitet, variiert ebenso wie der individuelle Haarwuchs stark.

So ist es beispielsweise möglich, dass der Verlust der Haare gerade zu Beginn stark ausgeprägt ist und sich dann verlangsamt. Die Symptome einer Androgenetischen Alopezie können zunächst aber auch schleichend auftreten, sich dann rapide fortsetzen und mit dem Entstehen einer Glatze enden. Bislang gibt es jedoch noch keine gesicherten Erkenntnisse hinsichtlich des Verlaufs des Haarausfalls.

Symptome von erblich bedingtem Haarausfall bei Frauen

Anders als bei Männern äußert sich die Androgenetische Alopezie bei Frauen nicht durch die Ausbildung von Geheimratsecken, sondern anhand einer Lichtung der Haare am Scheitel. Diese lichten beziehungsweise kahlen Stellen lassen sich nach dem sogenannten Ludwig-Schema ebenfalls in drei Phasen zuordnen:

  • Phase 1: Ausdünnung der Haare im gesamten Scheitelbereich
  • Phase 2: Merkliche Ausdehnung der sichtbaren Kopfhaut am Scheitel
  • Phase 3: Lichte Stellen am Oberkopf sind deutlich erkennbar

Während der erblich bedingte Haarausfall bei Männern schlussendlich zu einem Verlust des gesamten Kopfhaars bis hin zur Glatze führen kann, konzentriert sich die bei Frauen vorkommende Variante der Androgenetischen Alopezie auf den Scheitel. Dort führt die Veränderung lediglich zu einer merklichen Reduktion der Kopfhaare, nicht zu einem vollumfänglichen Haarverlust.

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Wann sich die ersten Symptome des erblich bedingten Haarausfalls zeigen, kann ebenfalls von Frau zu Frau stark variieren. Oftmals steht der übermäßige Haarverlust mit den Wechseljahren in direkter Verbindung. In dieser Phase kommt es zu einer Hormonumstellung, die oft das Voranschreiten des erblich bedingten Haarausfalls beschleunigt.

Interessant

Auch beim Absetzen der Anti-Baby-Pille, was ebenfalls mit einer hormonellen Umstellung verbunden ist, kann sich ein zeitweiser, nicht-krankhafter Haarausfall bemerkbar machen. Ein solcher Haarverlust reguliert sich üblicherweise von selbst, sobald der Körper das hormonelle Gleichgewicht wiederhergestellt hat.

Wie diagnostiziert der Arzt erblich bedingten Haarausfall?

Um eine Androgenetische Alopezie zweifelsfrei zu diagnostizieren, ist eine eingehende ärztliche Untersuchung notwendig. Dabei erfragt der Arzt bei der Anamnese zunächst die Beschwerden und Symptome des Betroffenen, um sich ein besseres Bild vom Verlauf des Haarausfalls machen zu können. Zudem ermittelt der Mediziner, ob Haarverlust oder gestörtes Haarwachstum in der Familie ein bereits bekanntes Problem ist.

Androgenetische Alopezie: Ist sie vererbbar?

Aktuellen Erkenntnissen zufolge wird erblich bedingter Haarausfall durch ein Gen verursacht, das vor allem die Mutter vererbt. Häufig kommen Männer deshalb nach dem Großvater mütterlicherseits. Forscher der Universität Bonn identifizierten jüngst jedoch auch einen Zusammenhang zwischen dem Haarausfall von Vater und Sohn.1

Nach der Anamnese dient eine Blutentnahme dazu, die Eisen-, Leber-, Nieren- und Schilddrüsenwerte sowie den Zinkspiegel zu bestimmen. Bei Frauen wird zudem der Testosteronwert im Blut ausgewertet. Anhand des Blutbildes lassen sich Mangelerscheinungen oder andere Ursachen für den Haarausfall, beispielsweise Schilddrüsenerkrankungen, ausschließen.

Um den erblich bedingten Haarausfall von weiteren Formen des Haarausfalls wie diffuser oder kreisrunder Haarausfall unterscheiden zu können, wendet der Arzt wenn nötig auch folgende Untersuchungsverfahren an:

  • Bestimmung des Haargewichts: Wiegen entnommener Haare
  • Histologie: Entnahme von einer kleinen Kopfhautprobe zur mikroskopischen Untersuchung der Haarfollikel
  • Trichogramm: Analyse der Wachstumsphase der Haare

Nach der Untersuchung besprechen Mediziner und Betroffene das weitere Vorgehen, beispielsweise eine Medikamentierung.

Die Behandlung von androgenetischer Alopezie

Erblich bedingter Haarausfall lässt sich mithilfe bestimmter Wirkstoffe behandeln, die sich etwa in bestimmten Haarwuchsmitteln befinden. Dabei therapiert der Patient jedoch nicht die Ursachen der Androgenetischen Alopezie. Vielmehr kann die Ausprägung des Haarverlusts eingedämmt beziehungsweise gestoppt werden.

Sinnvoll ist es, die Behandlung mit Wirkstoffen frühzeitig zu beginnen. So können Patienten irreversible Rückbildungen der Haarfollikel so weit als möglich minimieren. Der Haarverlust schreitet dann nicht weiter fort.

Die Symptome von erblich bedingtem Haarausfall lassen sich sowohl äußerlich als auch innerlich behandeln. Einige Therapieansätze sind gleichermaßen für Frauen als auch Männer geeignet. Medikamente auf Hormonbasis eignen sich ausschließlich für Männer beziehungsweise nur für Frauen, wie die weiteren Ausführungen zeigen.

Erblich bedingter Haarausfall bei der Frau: Behandlungsmöglichkeiten

Der Wirkstoff Minoxidil ist nicht rezeptpflichtig und ausschließlich für die äußere Anwendung vorgesehen. Da Minoxidil – bestimmte Haarwuchsmittel beinhalten es – eine blutgefäßerweiternde Wirkung hat, regt es die Durchblutung der Kopfhaut an. Somit werden auch die Haarfollikel stärker durchblutet und besser mit Nährstoffen versorgt, was den Symptomen von erblich bedingtem Haarausfall entgegenwirken kann. Konkret lässt sich der Haarausfall dadurch oftmals stoppen. Darüber hinaus ist es möglich, dass das Wachstum von neuen Haaren angeregt wird.

Präparate beziehungsweise Haarwuchsmittel, die Minoxidil enthalten, sind sowohl für Männer als auch für Frauen geeignet, unterscheiden sich aber zumeist hinsichtlich ihrer Konzentration. Minoxidil ist häufig in Shampoos gegen Haarausfall enthalten. In dieser Darreichungsform kommt der Wirkstoff jedoch nur kurz mit der Kopfhaut in Kontakt. Effektiver ist der Einsatz von Haarwasser oder einer Schaumlösung, die im Haar besser gesagt auf der Kopfhaut bleibt. Neben der Verweildauer des Wirkstoffes hat auch die durchgehende Anwendung einen Effekt auf den Behandlungserfolg.

Eine weitere Möglichkeit, wie Frauen den sichtbaren Folgen von Androgenetischer Alopezie entgegenwirken können, sind Hormontherapien. Cyproteronacetat ist ein Inhaltsstoff, der auch in einigen hormonellen Verhütungsmitteln enthalten ist. Er unterdrückt die Wirkung männlicher Sexualhormone im weiblichen Körper, die für einen Haarverlust mitverantwortlich sein können.

Durch die Einnahme von Hormonen, beispielsweise Cyproteronacetat, lassen sich Symptome von erblich bedingtem Haarausfall vermindern. Hormontherapien müssen jedoch stets in enger Abstimmung mit dem Arzt erfolgen und bergen das Risiko von Nebenwirkungen, so zum Beispiel Thrombose (Bildung eines Blutgerinnsels in einem Blutgefäß).

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Was können Männer gegen erblich bedingten Haarausfall tun?

Die äußerliche Anwendung mit Minoxidil eignet sich auch für Männer. Bewährt sind unter anderem sogenannte Haarwuchsmittel, die sich in Form von Schaum anwenden lassen. Zudem existieren auch Lösungen mit Minoxidil, welche exakt auf die jeweilige Stelle an der Kopfhaut aufgetragen werden können.

Anders als der Wirkstoff Minoxidil ist Finasterid verschreibungspflichtig und wird nicht extern aufgetragen, sondern in Form eines Medikaments eingenommen. Solche finasteridhaltigen Präparate sind ausschließlich für Männer zugelassen, da der Wirkstoff bei Schwangeren schwerwiegende Schäden am ungeborenen Kind verursachen kann. Finasterid vermindert die Umwandlung des Hormons Testosteron in DHT. Dadurch kann es unter Umständen zu Nebenwirkungen kommen, die die Sexualität betreffen. So beispielsweise zu sexueller Unlust oder Erektionsstörungen.

Übernehmen die Krankenkassen die Therapiekosten für erblich bedingten Haarausfall?

Androgenetische Alopezie wird von den gesetzlichen Krankenkassen nicht als Krankheit eingestuft, sondern als kosmetisches Problem. Aus diesem Grund übernehmen die meisten Krankenkassen die Kosten für die Therapie von erblich bedingtem Haarausfall nicht.

Handelt es sich bei dem Haarausfall um eine andere Form der Alopezie, übernehmen beziehungsweise beteiligen sich die gesetzlichen Krankenkassen unter anderem an den Kosten für einen Haarersatz. Im Einzelfall ergibt es Sinn, sich bei der zuständigen Krankenkasse zu erkundigen, um die individuellen Möglichkeiten der Unterstützung auszuloten.

Johanna Wirsing-Schneider
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