Leukoplakie — weiße Flecken auf den Schleimhäuten

Die Leukoplakie wird auch als „Weißschwielenkrankheit“ bezeichnet. Laut WHO (Weltgesundheitsorganisation) definiert der Begriff aber kein direktes Krankheitsbild, sondern lediglich das Auftreten weißer, nicht abwischbarer Flecken auf den Schleimhäuten der Mundhöhle oder des Genitalbereichs.1 Zwar sind diese Gewebeveränderungen in der Regel gutartig, jedoch können sie in einigen Fällen auch eine Präkanzerose — also eine Krebsvorstufe — darstellen. Erfahren Sie hier, wie solch eine Leukoplakie erkannt werden kann.

Lächelnder Frauenmund mit Mundspiegel, um Schleimhaut auf Leukoplakie zu untersuchen.

Das Erscheinungsbild der Leukoplakie

Oft fällt die Leukoplakie im Rahmen einer zahnärztlichen oder gynäkologischen Routineuntersuchung auf. Der Mediziner entdeckt hierbei kleine oder großflächige weiße Flecken, die im Mund (oral) am häufigsten im Bereich der Wangenschleimhaut auftreten. Doch auch an der Zunge, der Lippe und dem Gaumen sind Leukoplakien möglich — ebenso im Genitalbereich, beispielsweise an der Schleimhaut der Scheide. In medizinischen Fachkreisen wird die Leukoplakie zudem als sogenannte „präkanzeröse Läsion“ abgehandelt. Dies bedeutet, dass ein Auftreten von Krebs bei dieser Art von Gewebe — aufgrund von Zellentartungen — deutlich wahrscheinlicher ist als bei entsprechendem normalen Gewebe. Unterschieden werden zwei Varianten:

  • Homogene Leukoplakie: Die weißen Flecken sind scharf begrenzt und ihre Oberfläche ist glatt oder leicht gewellt. Diese Form ist die am häufigsten vorkommende und zeigt in der Regel keine Symptome. Homogene Leukoplakien können sich zurückbilden und weisen in der Regel eine gute Prognose auf.
  • Inhomogene Leukoplakie: Die Oberfläche der Gewebeveränderungen ist weiß oder weiß-rot und uneben. Gelegentlich bringt diese Form der Leukoplakie leichte Beschwerden wie beispielsweise ein Brennen auf der Zunge oder anderen betroffenen Bereichen mit sich. In zwei Dritteln der Fälle kann es hierbei zu bösartigen Veränderungen kommen.2

Beide Varianten der Leukoplakie können ineinander übergehen. Die weiße Farbe der Schleimhaut entsteht dabei aufgrund einer spontanen Verhornung des Gewebes.

Wie die Leukoplakie im Mund und Genitalbereich entsteht

Die Auslöser für die Entstehung der Schleimhautveränderungen sind nicht abschließend geklärt. Gerade bei Leukoplakien im Bereich der Zunge, Mundschleimhaut oder Lippe spielen vor allem Tabak – und Alkoholgenuss eine Rolle. Auch dauerhafte Reizungen durch beispielsweise schlechtsitzende Prothesen oder scharfe Zahnkanten können die Ursache sein.

Interessant:
Von der oralen Leukoplakie sind besonders Männer ab dem 50. Lebensjahr betroffen. Dies liegt vor allem daran, dass ihr Tabak- und Alkoholkonsum statistisch gesehen höher ist als der von Frauen. Bei Rauchern tritt die Schleimhautveränderung insgesamt nämlich sechsmal häufiger auf als bei Nichtrauchern.3 Schuld daran sind die im Tabak enthaltenen toxischen Stoffen, die — durch das Einatmen des Rauches — gerade auf den Mund- und Rachenraum besonders intensiv einwirken.

Im Genitalbereich, wie beispielsweise an den Schamlippen der Scheide, sind die Ursachen der Leukoplakie bisher ebenfalls nicht komplett erforscht. Vermutet wird ein Zusammenhang mit einer erblichen Veranlagung oder vorangegangenen Erkrankungen oder Entzündungen.

So wird die Leukoplakie diagnostiziert

Um die Leukoplakie zu erkennen, bedarf es einem geschulten Auge. In der Regel wird der Patient zunächst ausgiebig zu seiner Krankengeschichte befragt. Wichtig sind hierbei unter anderem folgende Daten:

  • Bestehen bereits bekannte Hauterkrankungen?
  • Wie ausgeprägt ist der Nikotin- und/oder Alkoholgenuss?
  • Werden regelmäßig Medikamente eingenommen?
  • Wann wurden die Hautveränderungen bemerkt?
  • Sind zeitgleich weitere Symptome aufgetreten?

Anhand der Beantwortung dieser Fragen schätzt der Arzt ein, ob es sich tatsächlich um eine Leukoplakie handeln könnte oder eventuell andere Faktoren Schuld an den Hautveränderungen sind.

Entscheidend für die Bestätigung der Diagnose ist dann die eingehende Betrachtung der möglichen Leukoplakie an Zunge, Lippe, Wangenschleimhaut oder im Genitalbereich (zum Beispiel an Scheide oder Penis). Ein Abtasten mit den Fingern kann dem Mediziner zudem Aufschluss über die Hautbeschaffenheit geben. Besteht der Verdacht auf eine bösartige Veränderung, wird in der Regel eine sogenannte Biopsie durchgeführt. Hierbei entnimmt der Arzt eine Gewebeprobe aus dem verdächtigen Hautbereich und lässt diese in einem Labor mikroskopisch untersuchen.

Leukoplakien therapieren: Zunge, Lippe, Mundschleimhaut und Genital

Die erste Maßnahme bei der Behandlung einer Leukoplakie im Bereich der Zunge, Lippe oder Mundschleimhaut ist das Entfernen der mechanischen Reizfaktoren (zum Beispiel das Abschleifen scharfer Zahnkanten) und die Aufgabe von übermäßigem Alkohol- und Nikotingenuss. In vielen Fällen verschwindet die weiße Schleimhautveränderung so ganz von alleine. Geschieht dies nicht, ist die Biopsie des Gewebes der nächste Schritt. Nach der Beurteilung der Zellen wird so entschieden, ob eine chirurgische Entfernung notwendig ist oder die Beobachtung des veränderten Bereichs ausreicht.

Bei Verdacht auf Leukoplakien im Genitalbereich bestimmt der jeweilige Facharzt darüber, inwieweit zunächst beobachtet oder gleich eine Gewebeprobe entnommen werden sollte. Je nach Ergebnis der Zellbeurteilung kann auch hier eine Operation zur Entfernung des betroffenen Hautbereiches notwendig sein. Eine medikamentöse Therapie wird für gewöhnlich nicht empfohlen.

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1Feichtinger, Thomas/Niedan-Feichtinger, Susana/Schulze-Kroening, Julia: Biochemie nach Dr. Schüßler bei Hauterkrankungen und Allergien. Stuttgart: Karl F. Haug Verlag 2005. S.178.

2Gutwald, Ralf/Gellrich, Nils-Claudius/Schmelzeisen, Rainer: Einführung in die zahnärztliche Chirurgie und Implantologie. Köln: Deutscher Ärzte-Verlag 22010. S.280.

3Ebd.