Genitalherpes erkennen und behandeln

29. Mai 2019

9 Min.

Genitalherpes (Herpes genitalis) ist eine durch Herpes-simplex-Viren ausgelöste, sexuell übertragbare Krankheit. Das Risiko sich anzustecken hängt davon ab, wie häufig der Geschlechtspartner wechselt, ob Kondome benutzt werden und wie lange die Erkrankung beim anderen bereits besteht. Je frischer die Infektion, desto ansteckender ist sie auch.

Die Symptome des Genitalherpes zeigen sich durch schmerzhafte Herpesbläschen auf den Geschlechtsteilen. Sie tauchen zudem auch am Po, im Afterbereich und am Oberschenkel auf. In anderen Fällen ist der Verlauf hingegen fast symptomlos.

Genitalherpes in aller Kürze

  • Genitalherpes ist äußerst ansteckend und nicht heilbar.
  • Bei einer Frau können auch die inneren Geschlechtsorgane betroffen sein.
  • Die Symptome des Genitalherpes zeigen sich nicht nur im Intimbereich.
  • Nach der Erstinfektion mit Herpes genitalis kommt es teilweise mehrmals im Jahr zu erneuten Ausbrüchen, die allerdings schwächer, manchmal sogar symptomlos verlaufen.
  • Besonders gefährlich ist Genitalherpes während einer Schwangerschaft, da er auf das Baby übertragen werden kann.


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Der Herpes und seine Ursachen

Person, die unter Genitalherpes leidet, mit im Schritt übereinander gelegten Händen.

Was allgemein als Herpes bezeichnet wird, ist eine Infektionskrankheit, deren Erreger so gut wie jeder von uns in sich trägt. Verantwortlich für den Genitalherpes ist das Herpes-simplex-Virus Typ 2.

Das Herpes-simplex-Virus: Kurz & knapp

Das Herpes-simplex-Virus wird eingeteilt in Typ 1 und Typ 2, wobei die Grenze tatsächlich an der Gürtellinie der Erkrankten verläuft: Typ 1 oberhalb, Typ 2 unterhalb. Prinzipiell kann jede Hautstelle am Körper betroffen sein. Je fester allerdings die Haut ist, desto schwerer fällt es dem Virus einzudringen. Durch Hautverletzungen hat er es einfacher und erscheint daher auch einmal an ungewöhnlichen Stellen.

Die Ansteckung mit dem Herpes-simplex-Virus Typ 2 erfolgt vor allem über Schleimhautkontakt und damit hauptsächlich beim Geschlechtsverkehr. Nach dem Abklingen der akuten Erstinfektion bleibt das Virus im Körper und versteckt sich dort in Nervenknoten (den sogenannten Ganglien), in Epithelzellen oder auch in den Lymphknoten des Lenden- und Kreuzbeinbereichs. Dort verbleibt das Virus, bis es, beispielsweise aufgrund eines geschwächten Immunsystems, erneut ausbricht (Reaktivierung).

Übrigens: Ansteckend ist Herpes nur bei der Erstinfektion und der Reaktivierung. Während er im Körper schlummert, besteht keine Ansteckungsgefahr.

Was löst Genitalherpes aus?

Es gibt Hinweise darauf, dass neben einem geschwächten Immunsystem aufgrund körperlicher Erkrankungen auch seelische Belastung zu einem Ausbruch des Herpes-simplex-Virus führen kann. Besonders häufig betroffen sind körperlich angeschlagene Menschen, zum Beispiel nach einer Transplantation oder einer Chemotherapie. Als weitere Auslöser gelten:

  • starkes Sonnenlicht
  • Hautverletzungen
  • scheuernde Kleidung
  • Überanstrengung
  • Menstruation
  • Ekel

Auch ein dauernder Zustand der Überarbeitung beziehungsweise eine fehlende Work-Life-Balance – kurzum Stress – kann für eine Reaktivierung der Viren verantwortlich sein.

Genitalherpes – Verlauf



Herpes-Symptome im Intimbereich erkennen

Bereits wenige Tage, nachdem man sich infiziert hat, kann das Virus ausbrechen. Bei manchen Menschen schlummert es aber Wochen, Monate oder gar Jahre und zeigt selbst bei Ausbruch kaum Symptome. Schätzungen zufolge weiß ein Großteil der Betroffenen nichts von der bestehenden Herpes-genitalis-Erkrankung.1

Folgende Symptome weisen unter anderem auf Herpes genitalis hin:

  • Fieber sowie eine Schwellung der Lymphknoten (bei Erstinfektion)
  • ausgeprägtes Krankheitsgefühl
  • Jucken
  • Spannungsgefühl und Kribbeln im Intimbereich
  • rote, brennende Flecken
  • Schmerzen beim Urinieren
  • Flüssigkeitsgefüllte Bläschen im Intimbereich (können bis über den Po hinausreichen)

Die Bläschen platzen nach ein paar Tagen entweder von allein oder durch Reibung beim Geschlechtsverkehr auf. Die enthaltene Flüssigkeit verbreitet sich daraufhin und der hochinfektiöse Inhalt kann den Geschlechtspartner infizieren.

Die akute Phase mit Schmerzen dauert in der Regel wenige Tage. Bis alle Beschwerden verschwunden sind, können aber mehr als drei Wochen vergehen.2 Die sogenannten Rezidive (Rückfall/Wiederauftreten) verlaufen meist schwächer als eine Erstinfektion und dauern auch nicht so lange. Eine Therapie ist nicht immer zwingend notwendig.

Genitalherpes bei der Frau

Wenn eine Frau Genitalherpes hat, wird das auch als Vulvovaginitis herpetica bezeichnet, da sowohl die äußeren Geschlechtsorgane (Vulva) als auch der innere Bereich (Vagina) betroffen sein kann. Die Viren können zusätzlich zu Vulva und Vagina auch

  • Gebärmutterhals,
  • Muttermund und
  • Harnröhre befallen.

Die Erkrankung zeigt sich nicht immer mit den charakteristischen Bläschen und bleibt daher oft unerkannt. Das Jucken und Brennen wird manchmal dann mit einer Pilz- oder Bakterieninfektion verwechselt.

Bei folgenden Symptomen sollte eine Frau immer an eine Herpes-Infektion denken:

  • starker Scheidenausfluss
  • Fieber
  • geschwollene Lymphknoten
  • Schmerzen im Genitalbereich
  • Ziehen im Unterleib

Wenn Sie diese Beschwerden bei sich feststellen, dann ist ein Frauenarzt (Gynäkologe) die richtige Anlaufstelle. Dieser sieht sich den betroffenen Bereich genau an und macht einen Abstrich, um die Herpes-simplex-Viren nachzuweisen sowie den Virustyp zu bestimmen. Auch eine Blutuntersuchung ist möglich.

Gefahr für Ungeborene und Säuglinge

Stark gefährdet sind Ungeborene und Neugeborene, denn Genitalherpes in der Schwangerschaft beziehungsweise zum Zeitpunkt der Geburt, kann bleibende Schäden verursachen und sogar das Leben des Kindes gefährden.

Genitalherpes beim Mann

Auch Männer wissen oft nicht, dass sie das Virus in sich tragen, weil sie die Erstinfektion nicht als solche erkannt haben. Für den Fall, dass sich Bläschen bilden, zeigen sich diese an

  • Eichel,
  • Vorhaut,
  • Penisschaft und/oder
  • Hodensack.

Manchmal fühlt sich das betroffene Areal zudem taub an und die Lymphknoten in der Leistengegend sind geschwollen. Eine Ausbreitung zu Po und After hin oder über den Oberschenkel ist beim Mann ebenfalls möglich, allerdings seltener als bei Frauen.

Interessant: Herpes genitalis liebt Promiskuität

In den USA gibt es eine Plattform (HerpAlert), die bei Fragen rund um Herpes genitalis hilft. Betroffene können dort ein Foto ihrer Genitalien einschicken und eine Erstdiagnose sowie Ratschläge zum weiteren Handeln erhalten. Während beziehungsweise kurz nach Veranstaltungen, wie beispielsweise dem Coachella-Festival, erhöht sich die Zahl der Webseitenbesucher regelmäßig um ein Vielfaches.

Wie häufig das Virus wiederkommt, hängt zu einem großen Teil vom Immunsystem ab. Bei denjenigen, die mit dem Herpes-simplex-Virus Typ 2 infiziert sind, kommt es im Jahr nach der Erstinfektion bei bis zu 90 Prozent zu erneuten Ausbrüchen.3

Ansteckungsgefahr: Vor allem beim Sex

Die höchste Wahrscheinlichkeit, sich mit Genitalherpes anzustecken, besteht beim Sex. Die Ansteckungsgefahr ist daher in der Pubertät und bei jungen Erwachsenen am größten, da diese Bevölkerungsgruppe am häufigsten wechselnde Sexualpartner und ungeschützten Geschlechtsverkehr hat.

Selbst Kondome bieten nur einen eingeschränkten Schutz. Vor allem, wenn Areale von den Viren betroffen sind, die das Gummi nicht abdeckt. Herpes genitalis überlebt zudem sogar außerhalb des Körpers, zum Beispiel auf Textilien oder Gegenständen.

WICHTIG: Nicht nur das HSV-2 ist für Genitalherpes verantwortlich: Sogar das deutlich stärker verbreitete HSV-1, das man eher in Zusammenhang mit Lippenherpes kennt, kann in die Genitalregion gelangen. Zum einen über Schmierinfektion durch mangelnde Hygiene, zum anderen mittels sexueller Praktiken, wie beispielsweise Oralsex.

Diese Wege können Herpes-simplex-Viren nehmen

  • Da Herpes-simplex-Viren auch durch eine Schmierinfektion übertragen werden können, kommt Selbstbefriedigung als Übertragungsweg in Betracht. Auf diese Weise sind unter Umständen sogar Menschen, die noch nie in ihrem Leben einen Sexualpartner hatten, von Herpes im Genitalbereich betroffen.
  • Die Herpes-simplex-Viren können zudem außerhalb des menschlichen Körpers überleben. Gemeinsam benutztes Sexspielzeug ist daher eine Übertragungsmöglichkeit.
  • Oralsex ist der klassische Weg für den Typ 1 Herpes, um in die Genitalregion zu gelangen.
  • Selbst durch das Berühren von kontaminierten Oberflächen, beispielsweise beim Toilettengang, ist es denkbar, sich anzustecken.
Simone Blaß
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