Lippenherpes bei Babys und in der Schwangerschaft – besteht Gefahr?

29. Mai 2019

12 Min.

Die juckenden, brennenden Bläschen am Mund kennen viele Menschen. Wenn sie auftreten, befürchtet aber in der Regel niemand, dass Lippenherpes (Herpes labialis) bedrohlich sein könnte. Das ist in den meisten Fällen auch nicht nötig. Doch bei bestimmten Personengruppen besteht die Möglichkeit von lebensbedrohlichen Komplikationen und einer Verschlimmerung des Zustands. Neugeborene zählen zu dieser Gruppe. Was Lippenherpes bei Babys bedeutet und worauf bei einem Ausbruch in der Schwangerschaft geachtet werden muss, lesen Sie hier.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Eine Lippenherpes-Infektion löst beim Baby hauptsächlich Bläschen in der Mundgegend aus.
  • Die Ansteckung des Säuglings lässt sich durch Vorsichtsmaßnahmen (wie gründliches Händewaschen) oft vermeiden.
  • Bei den ersten Anzeichen einer Erkrankung sollten Sie Ihr Kind zum Arzt bringen.
  • In der Schwangerschaft kann eine Erstinfektion mit Lippenherpes zu Komplikationen führen, dagegen ist eine Reaktivierung häufig ungefährlich.

Zu den Themen:

Lippenherpes bei Babys rechtzeitig erkennen

Wenn sich Neugeborene mit Herpes-simplex-Viren Typ 1 (HSV-1) infiziert haben – die für den Ausbruch von Herpes labialis verantwortlich sind – ist es wichtig, schnell zu handeln. Typische Anzeichen sind:

  • Herpesbläschen im und um den Mund
  • Verweigerung der Nahrungsaufnahme seitens des Kindes
  • Benommenheit und verlangsamte Reaktionen des Babys
  • Krampfanfälle und eventuell Fieber (eine Körpertemperatur von über 38 Grad Celsius)1

Erkennen Sie diese oder andere ungewöhnliche Beschwerden bei Ihrem Nachwuchs, insbesondere, wenn in der letzten Zeit Menschen mit Lippenherpes in der Nähe des Kindes waren, suchen Sie baldmöglichst einen Arzt auf.

Lippenherpes beim Baby: Ansteckung vermeiden

Die Lippenherpes-Bläschen sind hochansteckend und die darin enthaltenen Viren können über Tröpfchen- (Übertragung mit Speichel) oder Schmierinfektion (Ansteckung durch Berührung) weitergegeben werden.

Erwachsene, die gerade an Lippenherpes leiden, sollten daher im Umgang mit Neugeborenen Folgendes beachten:

  • Küssen Sie das Baby nicht und vermeiden Sie, mit Ihrem Gesicht zu nahe an das des Kindes zu kommen.
  • Waschen Sie sich nach jeder Berührung mit den Bläschen gründlich die Hände, vor allem bevor Sie Kontakt mit dem Säugling haben.
  • Verzichten Sie auf das gemeinsame Benutzen von Geschirr und anderen Gegenständen, die an den Mund gelangen.

Der Herpes-Virus kann auch beim Husten, Niesen oder Sprechen übertragen werden – wenn Sie daher auf Nummer sicher gehen wollen, ist es sinnvoll, beim Umgang mit dem Baby einen Mundschutz zu tragen. Das gilt so lange, bis die Herpesbläschen bei Ihnen komplett verheilt sind – denn erst dann besteht keine Übertragungsgefahr mehr.

Warum ist der Herpes-Virus für Babys gefährlich?

Das Immunsystem befindet sich bei Säuglingen vor allem während der ersten drei Lebensmonate noch in der Entwicklung.2 Daher ist der Organismus nicht stark genug, um den Erreger abzuwehren. Es besteht die Möglichkeit, dass sich die Viren im gesamten Körper des Neugeborenen verbreiten und beispielsweise eine Gehirnentzündung oder eine Infektion der Augen auslösen. Auch Organe, wie zum Beispiel die Lunge sowie die Leber, können angegriffen werden, was Schäden zur Folge hat. Solch ein schwerer Verlauf ist für ein Baby lebensgefährlich – daher sollten Sie versuchen, eine Erkrankung bei den Kleinsten generell zu vermeiden.

Ist der Säugling über die kritische Phase, in der sich die Immunabwehr ausbaut (etwa vier Monate nach der Geburt) hinaus, besteht in der Regel keine erhöhte Gefahr mehr durch den Herpes-simplex-Virus.1

Lippenherpes beim Baby – ein Fall für den Arzt!

Sollte sich der Säugling mit dem Virus Herpes-simplex infizieren, ist eine frühzeitige Diagnose sehr wichtig. Je schneller mit einer passenden medizinischen Maßnahme begonnen wird, desto größer sind die Heilungschancen.

Daher ist es wichtig, dass Sie, sobald Sie Anzeichen einer Herpesinfektion entdecken, den Kinderarzt aufsuchen. Dieser stellt häufig schon bei einem Blick auf das Kind, aufgrund des charakteristischen Erscheinungsbilds, eine Lippenherpes-Erkrankung fest. Oft wird der Nachwuchs dann zur Behandlung und Überwachung möglicher Komplikationen (wie einem Befall der Lunge) in ein Krankenhaus gebracht.

Meist verabreicht der behandelnde Arzt dem Säugling dort zur Therapie des Herpes labialis mehrmals täglich sogenannte Virostatika (Medikamente, die Viren in ihrer Vermehrung hemmen). Die Gabe erfolgt dabei oft intravenös (durch eine Spritze direkt in den Blutkreislauf), um eine möglichst schnelle Wirkung im gesamten Organismus zu erzielen. Wenn bereits Komplikationen aufgrund der Virusinfektion aufgetreten sind, zum Beispiel eine Gehirnentzündung, muss diese ebenfalls behandelt werden.

Darauf müssen Eltern achten:

Hat der Nachwuchs die kritische Phase überstanden und darf wieder aus dem Krankenhaus Nachhause, sollten Sie einiges berücksichtigen. Manche Babys empfinden die durch den Herpes labialis ausgelösten Hautirritierungen in der Mundgegend als so unangenehm, dass sie die Nahrungsaufnahme verweigern. Kommt das vor, wenden Sie sich zeitnah an Ihren Kinderarzt. Außerdem sollten Sie den Kontakt zu anderen Säuglingen meiden, auch wenn es Ihrem Kind deutlich besser geht, bis die Bläschen vollständig verheilt sind. So können Sie die anderen Babys vor einer Infektion schützen.

Lippenherpes bei Schwangeren: Bitte vorsichtig sein!

Schwangere Frau, die sich im spiegel anschaut. Schwangere und Babys können sich auch mit Lippenherpes anstecken.

Grundsätzlich ist Lippenherpes in der Schwangerschaft nicht so gravierend wie bei einem Neugeborenen. Trotzdem gibt es für werdende Mütter vieles zu beachten.  

Gut zu wissen

Fast alle Menschen (90 Prozent) infizieren sich bereits im Kindesalter mit dem Virus Herpes-simplex, der dann im Nervus trigeminus (Gesichtsnerv) ruht und inaktiv bleibt.1 Ist das Immunsystem schwach, vermehrt er sich und wandert zum Mund, wo sich dann die bekannten Fieberbläschen bilden.

Während der Schwangerschaft sind Frauen, die mit dem Herpes-simplex-Virus infiziert sind, allgemein sehr viel anfälliger für die Entstehung von Lippenherpes-Bläschen. Dies liegt an einer Doppelbelastung des Immunsystems, das gleichzeitig für die körpereigene Abwehr und für die des Ungeborenen arbeitet. Auch der sich verändernde Hormonhaushalt stellt eine Belastung dar. Dadurch ist die Immunfunktion in einem leicht geschwächten Zustand, wodurch sich angehende Mütter zum Beispiel schneller eine Erkältung einfangen oder es wahrscheinlicher ist, in der Schwangerschaft Herpes labialis zu bekommen.

Mütterlicher Lippenherpes ist in der Schwangerschaft – solange es sich nicht um eine Erstinfektion mit dem Krankheitserreger handelt – weitestgehend ungefährlich für den Fötus. Der Grund dafür: Der Organismus der Mutter hat bereits Antikörper gegen den Virus gebildet und überträgt diese auf den Embryo.

Allerdings sollten Sie darauf achten, dass Sie nach dem Berühren der Lippenbläschen jedes Mal gründlich die Hände waschen. Die Fieberbläschen sind hochansteckend und die enthaltenen Viren können bei Übertragung auf den Intimbereich ebenfalls Genitalherpes auslösen, der bei einem Ausbruch kurz vor der Geburt die Ursache für einen Kaiserschnitt sein kann.

Wissenswertes:

Es gibt zwei Formen des Herpes-simplex-Virus: Durch den Subtyp 1 (HSV-1) wird Lippenherpes ausgelöst, wobei der zweite Subtyp (HSV-2) dem Genitalherpes zuzuschreiben ist. Da eine große Ähnlichkeit zwischen den Viren besteht, kann allerdings auch der HSV-1 Genitalherpes auslösen.

Kommt es dagegen während der Schwangerschaft zu einer Erstinfektion mit dem Virus Herpes-simplex, ist das für das ungeborene Kind möglicherweise lebensgefährlich. Das Immunsystem der Mutter konnte noch keine Antikörper gegen den Erreger bilden, denn dafür braucht es einige Wochen lang Zeit.1 Bei einem ungünstigen Verlauf breitet sich der Virus im gesamten Körper aus und infiziert das ungeborene Kind über den Mutterkuchen (Plazenta). Dieses Vorkommen ist sehr selten (tritt nur in 5 Prozent der Fälle auf), kann aber im schlimmsten Szenario zu einer Fehlgeburt führen.3

Behandlung bei Lippenherpes in der Schwangerschaft

Bei der Behandlung von Lippenherpes in der Schwangerschaft ist zu unterscheiden, ob es sich um eine Erstinfektion mit dem Erreger oder einen erneuten Ausbruch, aufgrund eines geschwächten Immunsystems handelt. In beiden Fällen sollten Sie sicherheitshalber Ihren Gynäkologen (Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe) aufsuchen und um Beratung bitten.

Trägt die betroffene Frau den Herpes-Erreger schon länger im Körper, unterscheidet sich die Therapie nicht groß von den gewöhnlichen Maßnahmen bei Lippenherpes. In der Apotheke sind spezielle antivirale (gegen Viren gerichtete) Cremes und Kautalbetten (mit der Aminosäure Lysin) erhältlich. Auch wenn sie die Viren nicht abtöten, so sind sie doch in der Lage, diese in ihrer Vermehrung zu hemmen. Das führt wiederum zum schnelleren Abheilen der Krankheit. Zudem gibt es spezielle Zink-Salben, die dafür sorgen, dass die Fieberbläschen schneller austrocknen.

Darüber hinaus können bei Lippenherpes in der Schwangerschaft Hausmittel die Beschwerden lindern. Die folgenden Mittel sollen die Viren – ähnlich wie eine Creme – in ihrer Verbreitung stoppen und die Abheilung beschleunigen:

  • Honig
  • Teebaumöl (verdünnt)
  • Zitronenmelisse
  • Aloe Vera
  • schwarzer Tee

Egal ob Salbe, Honig oder Teebaumöl – es ist ratsam, diese am besten immer nur mit einem Wattestäbchen oder Wattepad aufzutragen, um direkten Hautkontakt mit den hochinfektiösen Blasen zu vermeiden. Generell ist es zudem ratsam, vor allem in der Schwangerschaft, vor der Anwendung der Hausmittel mit dem Arzt Rücksprache zu halten, um eventuelle Nebenwirkungen auszuschließen.

Therapie einer Erstinfektion in der Schwangerschaft

Die Verwendung von Hausmitteln allein reicht bei einer Erstinfektion mit Herpesviren in der Schwangerschaft nicht aus. Um die Vermehrung der Viren zu verhindern, verschreibt der Arzt oft Virostatika. Allerdings sind diese nicht ganz ungefährlich. Experten vermuten, dass die Medikamente Fehlbildungen des Embryos begünstigen können – dies ist jedoch nicht belegt. Trotzdem ist eine enge Betreuung durch den Arzt notwendig.

Romina Enz
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Medizinredakteurin und Biologin
Pauline Zäh
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