Herpesviren: Nach Infektion häufig stille Lebensbegleiter

28. Mai 2019

9 Min.

Herpes gehört leider zu den häufigsten Infektionskrankheiten. Zwischen 85 bis 90 Prozent der Weltbevölkerung tragen Herpesviren (HSV) in sich.1 Oft wissen Betroffene nichts von ihrem stillen Begleiter, bis es zum Ausbruch kommt. Am bekanntesten ist wohl der Lippenherpes mit seinen kleinen schmerzhaften Bläschen am Mund. Doch können auch andere Bereiche des Körpers betroffen sein, wie zum Beispiel die Genitalien. Erfahren Sie Näheres zu der HSV-Infektion, den Symptomen, den verschiedenen Herpesarten und der Behandlung.


Das Wichstigste auf einen Blick:

Was ist Herpes? Woran lässt es sich erkennen?

Herpes ist eine durch Viren verursachte Infektion. Diese Krankheitserreger werden auch humane Herpesviren (HHV) genannt.

Die Bezeichnung Herpes wird vom griechischen Wort „herpein“ abgeleitet, das mit „kriechen“ zu übersetzen ist und das Entlanglaufen des Virus an den Nervenbahnen verdeutlicht.

Das Beschwerdebild ist abhängig vom jeweiligen Erreger, aber sehr häufig macht sich Herpes durch kleine, schmerzhafte und juckende Bläschen bemerkbar. In diesen Papeln befindet sich hochansteckende Flüssigkeit. Aber auch Unwohlsein, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Fieber und Übelkeit können als Symptome einer Herpesinfektion auftreten.

Diese Herpesviren-Arten sind am verbeitetsten

Es gibt viele verschiedene Herpesviren, die unterschiedliche Krankheitsbilder bei einer Infektion erzeugen. Über 200 sind bekannt, davon sind neun an den Menschen angepasst:2

  • Herpes simplex Typ 1 (HSV 1): Dieser Erreger ist überwiegend für den bläschenartigen Lippenherpes verantwortlich und wird vor allem über Speichel übertragen. In selteneren Fällen ist eine Herpesentzündung des Gehirns mit dem Herpes simplex Virus Typ 1 möglich.
  • Herpes simplex Typ 2 (HSV 2): Der zweite Typ ist die häufigste Ursache von Genitalherpes (herpes genitalis), die Übertragung erfolgt in erster Linie beim Geschlechtsverkehr.
  • Herpes-simplex-Keratitis (HSK): Als hauptverantwortlicher Virus für Augenherpes, löst HSK Entzündungen der Netzhaut aus, beeinträchtigt das Sehvermögen und ist meist Folge einer Lippenherpes-Infektion. Infizierte kommen dafür in der Regel über die Finger mit der kontaminieren Bläschenflüssigkeit in Berührung, die dann unwissentlich in die Augen gerieben wird.
  • Varizella-Zoster-Virus (VZV): Der Virus verursacht Windpocken (Varizellen) und Gürtelrosea (Herpes Zoster). Windpocken – die Ansteckung erfolgt meist im Kindesalter – bringen einen juckenden, bläschenbildenden Hautausschlag und Fieber mit. Ähnlich äußert sich Gürtelrose, nur sind die flüssigkeitsgefüllten Papeln (Verdickung der Haut) überwiegend gürtelförmig am Rumpf angesiedelt.
  • Epstein-Barr-Virus (EBV): EBV ist verantwortlich für die Bildung von Tumoren, Schädigungen des Zentralen Nervensystems und Auslöser des Pfeifferschen Drüsenfiebers (infektiöse Mononukleose). Es treten Müdigkeit, Fieber, Hals-, Kopf- und Gliederschmerzen, geschwollene Lymphknoten sowie eine Vergrößerung der Milz als Symptome auf. Der Virus überträgt sich leicht über Speichel und Geschlechtsverkehr.
  • Cytomegalievirus (CMV): Bei einer Erstinfektion gibt es kaum oder gar keine Beschwerden, die Erkrankung birgt jedoch die Gefahr von Organschädigungen. Das Infektionsrisiko in Entwicklungsländern wird als besonders hoch eingestuft, aufgrund unzureichender sexueller Aufklärung und Hygienezuständen.
  • Humane Herpesvirus 6A und 6B (HHV 6A/HHV 6B): Dieser Erreger zeichnet sich durch Hautausschlag im Gesicht und am Rumpf aus, der später zu den Beinen wandert.
  • Humane Herpesvirus 7 (HHV 7): HHV7 führt zu neurologischen Symptomen und Schädigungen, zu Krämpfen sowie Exanthema subitum (Dreitage-Fieber) bei Babys und Kleinkindern.
  • Kaposi-Sarkom-assoziierte Herpesvirus (KSHV): Der Erreger verursacht Krebsgeschwüre (Tumore) bei AIDS-Patienten und ruft die Multizentrische Castleman’sche Krankheit (Lymphknoten-Erkrankung) hervor. Er ist vor allem in Afrika verbreitet, was mit den niedrigen Hygienestandards und vermehrten AIDS-Erkrankungen zu begründen ist.

Ansteckung, Inkubation und Ausbruch

In der Regel erfolgt die Infektion mit Herpesviren durch eine Schmierinfektion. Also durch direkten Haut- beziehungsweise Schleimhautkontakt mit einer erkrankten Person, wie beim Küssen oder während des Geschlechtsverkehrs. Aber auch während der Geburt kann der Virus auf das Neugeborene übertragen werden. Die Inkubationszeit (Zeit von der Ansteckung bis zum möglichen Auftreten erster Symptome) beträgt in den meisten Fällen zwischen drei und sieben Tagen.3

Doch was passiert eigentlich genau bei einer Herpesviren-Infektion im Körper? Nach einer Ansteckung dringen die Erreger in die Zellen der Schleimhaut ein und vermehren sich dort. Für eine weitere Verbreitung muss die infizierte Zelle zerstört werden. Es bildet sich eine Entzündung aus, kleine schmerzende und juckende Bläschen oder Geschwüre sind die Folge. Entlang der Nervenfasern wandert der Virus nach innen bis zu einer Nervenzelle, nistet sich dort ein und schlummert häufig erst einmal – nicht selten über mehrere Jahre. Bei einer psychischen oder körperlichen Belastung des Organismus kommt es zum Ausbruch, auf den immer wieder eine Reaktivierung folgen kann.

Ursachen für ein (Wieder-)Aufflammen der Herpesviren-Infektion können sein:

  • psychischer Stress
  • intensive UV-Strahlung oder Sonnenbrand
  • Infektionen, zum Beispiel eine Erkältung
  • Hormonschwankungen etwa während der Menstruation
  • extreme körperliche Belastung
  • starker Ekel (der Stress schwächt das Immunsystem)
  • Klimaveränderungen
  • kortisonhaltige Medikamente

Die Erstinfektion fällt in den Symptomen meist stärker und unspezifischer aus als spätere Neuausbrüche. So bemerken Betroffene an sich

  • allgemeines Unwohlsein,
  • Abgeschlagenheit,
  • Kopfschmerzen und
  • manchmal auch Übelkeit.

Besonders bei Kindern kann während des erstmaligen Auftretens der Symptome hohes Fieber hinzukommen, was eher eine starke Erkältung oder Grippe vermuten lässt.

Während dieser Phase kommt es an den Stellen, wo letztendlich die Bläschen entstehen, zu einem Jucken oder starkem Kribbeln. Diese Empfindung kündigt häufig bei späteren Ausbrüchen ein Aufkommen der Bläschen an.

Therpapie einer Herpesviren-Infektion

Gegen Herpesviren kommen antivirale Medikamente zum Einsatz, gut erkennbar an der Endung „-ciclovir“ des Wirkstoffnamens. Zu den gängigsten Arzneien gehören:4

  • Aciclovir (HSV Typ 1, HSV-2, VZV, EBV) kann oral oder intravenös (in die Vene gespritzt) verabreicht werden
  • Valaciclovir (HSV Typ 1, HSV-2, VZV, EBV) ist meist in Tablettenform zu schlucken
  • Ganciclovir und Valganciclovir (gegen alle Herpesviren, vor allem CMV) sind oral einzunehmen
  • Penciclovir (HSV-1, HSV-2, VZV, CMV, EBV) wird auf die betroffene Stelle gecremt

Wichtig ist zu betonen, dass der Herpesvirus im Körper nicht zerstört werden kann. Die medikamentöse Behandlung verhindert nur ein weiteres Ausbrechen der Erreger.

Interessant zu wissen:

Substanzen, die Viren (zum Beispiel Noroviren) abtöten können, werden Viruzide genannt. Dazu zählen vor allem äußerlich anwendbare Desinfektionsmittel.

Die durch einen HS-Virus entstandenen Bläschen sollten auf gar keinen Fall geöffnet werden! Durch das Aufstechen der betroffenen Stelle kommt es zu einer Freisetzung der Viren, wodurch die Ansteckungsgefahr für andere steigt. Bitte lassen Sie sich bei starken Beschwerden stattdessen umfassend von einem Mediziner beraten und mit Medikamenten behandeln.

Carolin Stollberg
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Medizinredakteurin