Atherome –im Volksmund bekannt als Grützbeutel

Das Atherom hat viele Namen. Während Mediziner von einer Talgzyste, Trichilemmalzyste oder Epidermalzyste sprechen, ist es umgangssprachlich besser bekannt als Grießknoten oder Grützbeutel. Die halbkugelförmigen Gebilde treten häufig im Gesicht, an der Kopfhaut sowie an Hals und Nacken auf und fühlen sich an wie prallgefüllte Knoten.

Die Entstehung eines Atheroms

Grützbeutel entwickeln sich vor allem im Bereich von Haarwurzeln und Talgdrüsen, was ihr gehäuftes Auftreten an behaarten Körperstellen erklärt. Talgdrüsen sind dafür zuständig, Haut und Haare durch die Produktion von Talg (Sebum) vor dem Austrocknen zu schützen und geschmeidig zu halten. Kommt es im Bereich der Talgdrüsen-Ausführungsgänge zu einer Verstopfung (beispielsweise durch Hautzellen oder Fettkristalle), kann das Sekret nicht mehr ungehindert abfließen und beginnt sich zu sammeln. Es entsteht die für das Atherom typisch geformte Zyste, die nach außen hin einer festen Halbkugel gleicht.
Charakteristisch für eine Zyste ist der mit Flüssigkeit gefüllte Hohlraum, der im Fall des Atheroms eine Mischung aus Talg, Haut- und Haarzellen beinhaltet. Aus dieser Entstehungsart leitet sich auch die Bezeichnung „Talgzyste“ ab, die jedoch nur selten verwendet wird.

Frau mit Schmerzen aufgrund eines Atheroms.

Info:
Die Ursachen für die Verstopfung der Ausführungsgänge sind weitgehend ungeklärt. Da jedoch eine familiäre Häufung vorliegt, wird von einer vererbbaren Veranlagung ausgegangen. Leidet ein Elternteil an Atheromen, besteht eine große Wahrscheinlichkeit für die Kinder, im Laufe ihres Lebens ebenfalls Atherome zu entwickeln.

So sieht ein Atherom aus

Da das äußere Bild eines Atheroms im Anfangsstadium gelegentlich dem eines Pickels gleicht, sind Verwechslungen nicht ausgeschlossen. Während ein Pickel jedoch nur eine mit Eiter gefüllte Hauterhebung darstellt, besteht der Grützbeutel aus einer festen, mit Talg und Zellbestandteilen gefüllten Kapsel. Diese Kapsel ist von glatter, gesunder Haut überzogen und kann eine leicht weißliche Färbung aufweisen.
Zu einer Veränderung im Aussehen kommt es dann, wenn sich das Atherom entzündet. Dies geschieht häufig durch äußere Manipulation, also beispielsweise bei dem Versuch, den Grützbeutel auszudrücken. Die Haut über der mit Talg gefüllten Kapsel verfärbt sich rot und wird druckempfindlich und warm. Je weiter die Entzündung voranschreitet, desto mehr ähnelt der Grützbeutel einem Abszess. Er füllt sich zusätzlich zur Talgmasse mit Eiter und kann spontan aufplatzen oder sich nach innen ergießen, sofern er nicht vorher durch den Hautarzt behandelt wird.

Gibt es verschiedene Atherome?

In Fachkreisen wird der Begriff des Atheroms nicht einheitlich verwendet. Oft dient er als Oberbegriff für verschiedene Zystenarten. Hierbei unterscheiden Experten zwischen den Epidermalzysten und den Trichilemmalzysten.

  • Epidermalzysten: Diese Art der Hautzysten bilden sich direkt am Austritt des Haares aus der Haut. Vorrangig bestehen sie aus Zellen der äußeren Hautschicht (Epidermis) und enthalten eine unangenehm riechende Masse aus breiigem Hornmaterial. In den meisten Fällen ist eine zentrale Öffnung, der sogenannte Porus, zu erkennen.1 Epidermalzysten können überall dort am Körper auftreten, wo Haare wachsen und sind die häufigsten gutartigen Zysten der Haut.2
  • Trichilemmalzysten: Sie gelten als die eigentlichen Atherome oder Grützbeutel und entstehen in den tieferen Hautschichten auf Höhe der Talgdrüsen. Sie erscheinen fast ausschließlich an der behaarten Kopfhaut und besitzen keinen Porus.3 Im Gegensatz zu Epidermalzysten entzünden sie sich nur sehr selten und entwickeln sich bevorzugt bei Frauen.4 Die Zysten bestehen aus denselben Zellen wie die Haarwurzelscheide und beinhalten ebenfalls überwiegend breiiges, unangenehm riechendes Hornmaterial.

Bilder von Atheromen gibt es viele, doch lassen sie kaum eine Unterscheidung der beiden Arten zu. Der Hautarzt orientiert sich bei der Beurteilung vor allem am Vorhandensein des Porus und daran, wo am Körper das Atherom entstanden ist.

Atherome entfernen? Info zur Behandlung eines Atheroms

Bei einem unauffälligen, nicht entzündeten Atherom, ist eine Behandlung oder Entfernung aus medizinischer Sicht nicht nötig. Oft empfinden Betroffene die Grützbeutel jedoch als starken optischen Makel oder die Zysten befinden sich an Körperstellen, die ständiger Reibung oder Manipulation ausgesetzt sind (beispielsweise ein großes Atherom am Kopf, das beim Bürsten der Haare stört). Die Kosten um den Grützbeutel entfernen zu lassen, werden in der Regel vom Patienten selbst getragen. Als Ausnahmefall gilt die „medizinische Notwendigkeit“, also beispielsweise eine starke Entzündung.
Soll ein Atherom entfernt werden, geschieht dies chirurgisch. Fast immer ist eine örtliche Betäubung ausreichend und die Zyste kann anschließend im Ganzen entfernt werden. Hat sich bereits eine Entzündung entwickelt, muss das Atherom in einigen Fällen vor der Operation noch antibiotisch therapiert werden.
Die Behandlung des Atheroms durch Abwarten oder Ausdrücken bringt selten den gewünschten Erfolg, da die Grützbeutel von alleine nicht wieder verschwinden. Beim reinen Ausdrücken wird die Zyste zwar zunächst geleert, jedoch bleibt sie bestehen und füllt sich im Anschluss wieder mit Sekret. Außerdem kann der Versuch, das Atherom eigenständig auszudrücken, durch das Eindringen von Bakterien zu starken Entzündungen führen.

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1 Prof. Dr. Altmeyer, Peter: Basiswissen Dermatologie, Bochum 2003, S. 176
2 Cerroni L., Garbe C., Metze D., Kutzner H., Kerl H.: Histopathologie der Haut, Berlin 2016, S. 33
3 Pschyrembel, Berlin 2004, S.1842
4 Anderson, Bryan: Netter Collection, Medizinischer Atlas: Haut und Hautanhangsgebilde, München 2013, S.45