Masern: Noch immer ein Problem

Masern zählen noch immer zu den hochansteckendsten und gefährlichsten Krankheiten weltweit. Die Betonung liegt auf „noch immer“, denn eigentlich gibt es einen wirkungsvollen Schutz gegen die Viruserkrankung: die Masernimpfung. Doch das Thema Impfen wird von vielen Menschen – auch in Deutschland – nach wie vor kritisch betrachtet. Masern sind allerdings alles andere als harmlos; sie können bei Babys, Kindern und Erwachsenen zu Komplikationen wie einer Hirnentzündung führen.

Weltweite Masern-Situation

Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge starben im Jahr 2015 weltweit jede Stunde etwa 370 Menschen an Masern, der Großteil von ihnen Kinder. Noch immer ist die Anzahl der weltweiten Masern-Opfer zu hoch. Dabei kann die Gesundheitsorganisation im Kampf gegen Masern beträchtliche Erfolge vorweisen: Von 2000 bis 2015 fiel die Sterblichkeitsquote durch eine flächendeckende Masernimpfung um 79 Prozentpunkte, schätzungsweise 20,3 Millionen Menschen konnten gerettet werden.1 Das Ziel, die Masern komplett auszurotten, gelang der WHO bisher jedoch noch nicht. Immer wieder kommt es zu regelrechten Masernepidemien, die einen großen Rückschritt bedeuten. Außerdem vermuten Experten eine hohe Dunkelziffer an nicht gemeldeten Masernfällen.

Kleiner Junge bekommt eine Impfung gegen Masern

Aber auch in Deutschland sind die Masern aufgrund von Impflücken noch immer weit verbreitet. Für das Jahr 2016 wurden dem Robert-Koch-Institut 325 Fälle übermittelt; und allein im ersten Quartal des Jahres 2017 (bis 31. März 2017) wurden mehr Fälle als im gesamten Vorjahr gemeldet – nämlich 410 Fälle.2

Symptome und Verlauf einer Masernerkrankung

Das Masernvirus, das zur Gattung des Morbillivirus und der Familie der Paramyxoviren zählt, ist hochansteckend. Die Erreger werden durch Tröpfcheninfektion (zum Beispiel beim Sprechen oder Husten) sowie durch direkten Kontakt mit infizierten Sekreten übertragen.

Dabei ist das Tückische an der Erkrankung, dass Betroffene eine Ansteckung nicht sofort bemerken – in dieser Zeit jedoch schon andere anstecken können. Die Inkubationszeit, also die Zeit, bis sich die ersten Symptome der Masern zeigen, dauert etwa acht bis zehn Tage. Die Krankheit verläuft dann typischerweise in zwei Phasen.

Grippeähnliche Symptome in der ersten Masern-Phase

In der ersten Phase leiden die Patienten an eher unspezifischen, grippeähnlichen Symptomen. Dazu gehören:

  • ausgeprägtes Krankheitsgefühl
  • Fieber (bis zu 41 Grad Celsius)
  • Husten
  • Hals- und Kopfschmerzen
  • Schnupfen
  • Bauchschmerzen und Übelkeit
  • Entzündung der Augenbindehaut

Charakteristisch für Masern bei Babys und Kindern sind außerdem sogenannte Koplik-Flecken, die etwa zwei bis vier Tage nach den ersten Krankheitszeichen hinzukommen. Die kleinen weißen Punkte bilden sich an der Mundschleimhaut im Bereich der Backenzähne. Oft bekommen vor allem Kinder auch leichtes Fieber. Das Fieber nimmt zum Ende der ersten Phase langsam wieder ab, um zu Beginn der zweiten Phase dann wieder anzusteigen.

Achtung: Masern-Partys sind verboten

Vor Einführung der Impfung war es durchaus üblich, dass Eltern erkrankte und gesunde Kinder zusammensteckten, damit die gesunden Kinder sich ebenfalls mit Masern infizieren und Immunität entwickeln. Nach heutigem Recht werden solche Masern-Partys als gefährliche Körperverletzung geahndet. Denn bei einer Masernerkrankung drohen viel stärkere Folgen (bis hin zum Tod) als bei einer Impfung. Aus diesem Grund dürfen erkrankte Kinder bis zur vollständigen Genesung auch keine Gemeinschaftseinrichtungen besuchen.

Zweite Phase (Exanthemstadium): Der typische Hautausschlag

Etwa vier bis fünf Tage nach Beginn der ersten Krankheitsphase erscheint der typische Hautausschlag der Masern. Die dunkelroten, unregelmäßig erscheinenden und stark juckenden Papeln lassen sich meist zuerst hinter den Ohren beobachten, von wo aus sie sich auf den gesamten Körper ausbreiten. Nach etwa drei bis vier Tagen sollten die Rötungen zu schuppen beginnen und der Hautausschlag bildet sich wieder zurück. Das Auflegen eines feuchten Handtuches kann helfen, den Juckreiz lindern.
Es gibt zwar keine ursächliche Behandlungsmöglichkeit gegen Masern, jedoch kann der Arzt Medikamente gegen einzelne Symptome verschreiben. Zum Beispiel können fiebersenkende Mittel oder Augentropfen bei einer Bindehautentzündung den Genesungsprozess unterstützen. Außerdem sollten Betroffene während der Krankheitsphase Bettruhe wahren und darauf achten, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Bei komplikationsfreiem Verlauf wird der Erkrankte wieder ganz gesund.

Mögliche Komplikationen durch Masern bei Erwachsenen und Babys

Neben dem typischen Verlauf von Masern können zum Teil auch schwere Komplikationen entstehen. Zu den noch relativ „milden“ Komplikationen zählen beispielsweise eine Mittelohr- oder Lungenentzündung (Pneumonie). Darüber hinaus besteht jedoch die Gefahr einer Hirnentzündung (Enzephalitis). Diese ernstzunehmende Erkrankung kann sich folgendermaßen äußern:

  • epileptische Anfälle
  • Bewusstseinsverlust
  • Bewegungsunfähigkeit

Während sich einige Menschen von einer Hirnentzündung wieder vollständig erholen, endet sie für andere tödlich. Besonders anfällig für die Komplikationen bei Masern sind Erwachsene (ab 20 Jahren) sowie Babys und Kinder unter 5 Jahren. Menschen mit geschwächtem Immunsystem haben ebenso ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf.

Masern in der Schwangerschaft

Eine Infektion mit Masern in der Schwangerschaft stellt bei werdenden Müttern, die keine Masernimpfung haben, eine besondere Situation dar. Eine Ansteckung mit Masern ist zwar nicht zu vergleichen mit Röteln in der Schwangerschaft, jedoch ist das Risiko einer Fehl- oder Frühgeburt erhöht. Da der Kenntnisstand zur Thematik bisher unzureichend ist, müssen Schwangere, die infiziert sind, besonders medizinisch beobachtet werden.

Erkrankung durch Masernimpfung vorbeugen

Der beste Schutz gegen Masern ist die Impfung. Der Impfstoff gegen Masern besteht aus abgeschwächten Masernviren. Nach zweimaliger Impfung besteht eine lebenslange Immunität gegen die Viruserkrankung.
Meist erfolgt die erste Immunisierung gegen Masern schon im Kindesalter, wobei eine kombinierte Impfung auch gegen Mumps und Röteln verabreicht wird. Babys dürfen erst ab zwölf Monaten gegen Masern geimpft werden. Nach der Masernimpfung kann sich eine schwache Impfreaktion mit leichtem Hautauschlag und grippeähnlichen Symptomen zeigen. Zu diesen eher milden Symptomen kommt es jedoch lediglich bei etwa 5 bis 15 Prozent der Impflinge. Dieser Ausbruch ist auch nicht ansteckend.3 Mit einer zweiten Spritze wird der Schutz noch verbessert.
Da bei einer Masern-Infektion vor allem Erwachsenen schwere Komplikationen drohen, sollten auch diese überprüfen, ob sie geimpft wurden. Die Ständige Impfkommission empfiehlt eine Masernimpfung vor allem für Erwachsene, die nach 1970 geboren wurden. Wer vorher geboren wurde, hatte mit hoher Wahrscheinlichkeit schon die Masern und ist dagegen immun. Schwangeren wird vorsichtshalber von einer Impfung abgeraten.

Gut zu wissen:
Nach einer Impfung sollte eine Schwangerschaft für einen Monat vermieden werden. Bisher liegen jedoch keine Kenntnisse vor, dass eine versehentliche Impfung kurz vor oder während der Schwangerschaft tatsächlich zu einem höheren Fehlbildungsrisiko führt.

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1World Health Organization (2017): Measles – Fact Sheet. Abrufbar unter: http://www.who.int/mediacentre/factsheets/fs286/en/ (Stand: 18.07.2017).
2Robert-Koch-Institut (2017): Epidemiologie der Masern in Deutschland 2017.Abrufbar unter: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2017/16/Art_03.html (Stand: 18.07.2017).
3Robert-Koch-Institut (2015): Kann in der Schwangerschaft und Stillzeit geimpft werden? Abgerufen unter: http://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Impfen/AllgFr_AllgemeineFragen/FAQ08.html (Stand: 19.07.2017).