Was ist ein Blutschwamm?

Der Blutschwamm, auch Hämangiom oder Blutschwämmchen genannt, ist der häufigste gutartige Tumor in der Kindheit. Doch wer bei dem Wort „Tumor“ sofort an Krebs denkt, liegt nicht ganz richtig. Im medizinischen Sprachgebrauch dient diese Bezeichnung lediglich zur Beschreibung jeder Art von Schwellung oder Wucherung. Daher können auch eigentlich harmlose Gebilde, wie Blutschwämme, als Tumore definiert werden. Doch wie sieht ein solches Hämangiom überhaupt aus und welche Rolle spielt es vor allem bei Neugeborenen?

Wie man einen Blutschwamm erkennen kann

Blutschwamm auf einem Baby-Beinchen

Hautärzte sind in der Lage, Hämangiome mit einem Blick zu identifizieren. Für Menschen ohne medizinisches Wissen ist dies aufgrund der vielen möglichen Erscheinungsformen jedoch oft nicht ganz einfach. Der Blutschwamm entsteht als hell- bis kräftig rote Erhebung auf der Haut, wobei die Größe stark variieren kann. Die äußere Umrandung stellt sich in einigen Fällen kreisförmig, in anderen asymmetrisch und unregelmäßig dar und kann sich während des Wachstums verändern. Um die Art des Blutschwammes feststellen und den weiteren Verlauf abschätzen zu können, ist zunächst der Hautarzt der beste Ansprechpartner.

So entsteht das Hämangiom

Ein Hämangiom ist eine Neubildung und schwammartige Wucherung von Blutgefäßen. Auch wenn die Ursachen noch nicht abschließend geklärt sind, wird vermutet, dass es aufgrund einer genetischen Veränderung der Endothelzellen (Zellen, die die Blutgefäßwand auskleiden) zu ihrer Entstehung kommt. Diese Zellen beginnen spontan sich zu teilen und formen den Blutschwamm. Generell erfolgt eine Unterteilung in:

  • kongenitale (angeborene) Hämangiome: Diese Blutschwämmchen bestehen beim Kind bereits, während es sich noch im Mutterleib befindet und haben einen Durchmesser von durchschnittlich fünf bis sechs Zentimetern. Sie werden nochmals unterteilt in NICH („Non-Involuting Congenital Haemangioma“) und RICH („Rapidly-Involuting Congenital Haemangioma“). Blutschwämmchen der Gattung NICH beginnen meist bereits kurz nach der Geburt mit der Rückbildung, während RICH mit dem Kind so lange mitwachsen, bis sie entfernt werden.1
  • infantile Hämangiome: Bei diesen sogenannten Säuglingshämangiomen ist bei der Geburt bereits eine kleine, rötlich-blasse Hautveränderung zu erkennen, aus der im Laufe der ersten Lebensmonate der Blutschwamm beim Baby entsteht. Von dieser Variante sind Mädchen in der Regel dreimal häufiger betroffen als Jungen.2 Ab dem zwölften Lebensmonat beginnt in den meisten Fällen die selbstständige Rückbildung.
  • tardive Hämangiome: Sie entstehen ab dem etwa 35. Lebensjahr und werden auch als seniler („greisenhafter“) oder eruptiver („ausgebrochener“) Blutschwamm bezeichnet. Im Laufe der Zeit wachsen sie auf eine Größe von etwa vier Millimetern an und verändern sich dann erfahrungsgemäß nicht mehr.
Hinweis: Blutschwämme können überall dort entstehen, wo sich Gefäße befinden. Hauptsächlich sind sie jedoch im Gesicht und am Hals zu sehen. Bei einem Auftreten von mehr als zehn Hämangiomen spricht man von einer Hämangiomatose.3

Blutschwamm entfernen: Ist das nötig?

Gerade frischgebackene Eltern erschrecken schnell, wenn sie einen größer werdenden Blutschwamm bei ihrem Baby entdecken. Vor allem im Gesicht wird er oftmals als störender Makel empfunden. Doch wann ist eine Entfernung des Blutschwamms tatsächlich nötig und sinnvoll? In den meisten Fällen bilden sich die Gefäßwucherungen von ganz alleine wieder zurück. Wachsen sie jedoch besonders schnell oder befinden sie sich an problematischen Stellen, wird eine Behandlung notwendig. Denn ein Blutschwamm kann

  • am Auge den Lidschluss beeinträchtigen,
  • an der Nase die Atmung behindern oder durch häufiges Naseputzen gereizt werden,
  • an der Lippe die Lippenform verändern und beim Essen und Trinken stören,
  • am Ohr die Hörfunktion mindern,
  • im Genital- und Analbereich durch Stuhlgang und Urin gereizt werden,
  • an den Füßen beim Gehen stören und sich durch die ständige Reibung entzünden,
  • und an den Händen die feinmotorischen Fähigkeiten, beispielsweise das Greifen mit den Fingern, einschränken.

Ob der Blutschwamm tatsächlich entfernt werden muss, obliegt der Entscheidung des behandelnden Arztes. Der rechtzeitige Therapiebeginn kann entscheidend für die Eindämmung der Ausbreitung des Hämangioms sein. Eine regelmäßige Kontrolle und Dokumentation des Wachstums ist daher unerlässlich.

So werden Blutschwämmchen behandelt

Die Wahl der Therapie richtet sich nach der Lokalisation und der Größe des Hämangioms. Häufig verwendete Behandlungsmöglichkeiten sind die Kryo- und farbstoffgepulste Lasertherapie. Die Kryotherapie ist eine Kältebehandlung, bei der das Blutschwämmchen mittels eines Kältestifts vereist wird. Die Eindringtiefe in die Haut beträgt circa zwei Millimeter, weswegen die Behandlung nur bei oberflächlichen Hämangiomen sinnvoll ist. Der farbstoffgepufferte Laser, der ähnlich verwendet wird wie der Kältestift, dringt sogar nur 0,7 Millimeter tief ein. Wie oft die Prozedur wiederholt werden muss, hängt davon ab, wie gut der Blutschwamm auf die Behandlung reagiert.

Eine weitere Möglichkeit ist eine medikamentöse Therapie mit einem Arzneistoff, der auch bei Herzkreislauferkrankungen eingesetzt wird. In niedriger Dosis verabreicht, unterstützt er die Rückbildung der Hämangiome. Vor und während der Behandlung ist eine regelmäßige Kontrolle der Herztätigkeit, des Blutdrucks und des Blutzuckerspiegels unerlässlich, um möglichen Nebenwirkungen vorzubeugen.

Ausnahmefall: Blutschwamm an der Leber

Da ein Hämangiom überall dort entstehen kann, wo sich Gefäße befinden, ist auch ein Auftreten an Organen möglich. Vor allem an der Leber bilden sich immer wieder Blutschwämmchen. Entdeckt werden sie in den meisten Fällen als Zufallsbefund während einer Ultraschalluntersuchung. Solange sie eine Größe von ungefähr fünf Zentimetern nicht überschreiten, bereiten sie dem Betroffenen für gewöhnlich keine Beschwerden und müssen auch nicht behandelt werden. Ist der Blutschwamm allerdings größer, kann er zu Schmerzen im Oberbauch führen oder benachbarte Organe bedrängen. Hier ist eine jährliche Ultraschalluntersuchung zur Überwachung des Wachstums angeraten. Wird die Wucherung zu groß (über zehn Zentimeter), besteht ein erhöhtes Risiko für Blutungen und das operative Entfernen des Blutschwamms ist unumgänglich.4

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1AWMF online (2015): Infantile Hämangiome im Säuglings- und Kleinkindesalter, abgerufen unter: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/006-100l_S2k_H%C3%A4mangiome_S%C3%A4uglinge_Kleinkinder_2015-02.pdf, abgerufen am 11.01.2018

2Universitätsklinikum Heidelberg, https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Haemangiome-und-Gefaessmalformationen.3364.0.html, abgerufen am 11.01.2018

3Universitätsklinikum Heidelberg, abgerufen unter: https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Haemangiome-und-Gefaessmalformationen.3364.0.html, abgerufen am 16.01.2018

4Baermed, Zentrum für Bauchchirurgie: Kavernöses Hämangiom der Leber, abgerufen unter https://www.baermed.ch/de/haemangiom_content—1–1261.html, abgerufen am 17.01.2018