Haarausfall: Behandlung und Vorbeugung von Alopezie

3. Juni 2019

15 Min.

Sichtbarer Haarausfall – eine sogenannte Alopezie – belastet die Betroffenen erheblich. Die Besuche beim Hausarzt und Dermatologen schaffen Klarheit: Um welche Form der Alopezie es sich bei Ihnen handelt und mit welchen Maßnahmen sie den Haarausfall behandeln können. Lesen Sie hier nicht nur, welche Therapieformen es für Alopezie gibt, sondern auch, wie Sie einem krankhaften Haarverlust vorbeugen können.


Therapie und Ursache – eine enge Verbindung

Auswahl von Shampoos und Co., die der Behandlung und Vorbeugung von Haarausfall dienen.

Bei Haarausfall stehen die unterschiedlichen Formen der Behandlung in engem Zusammenhang mit der Ursache. Die am häufigsten auftretende Form des Haarausfalls ist der erblich bedingte Haarausfall, die sogenannte Alopecia androgenetica, die Mann und Frau gleichermaßen betrifft.1

Je nach Ausprägung kommen hier Präparate mit den Wirkstoffen Minoxidil oder Finasterid zum Einsatz. Sie tragen dazu bei, den Haarwuchs wieder anzuregen, sodass sich das Erscheinungsbild des Haars verdichtet. Andere Formen des krankhaften Haarverlusts erfordern ebenfalls eine entsprechende Therapie.

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Der kreisrunde Haarausfall entsteht – so der bisherige Forschungsstand – durch eine Autoimmunreaktion des Körpers. Durch dieses Phänomen werden die Haarfollikel, die Produktionsstätten der Haare, vorübergehend gelähmt. Die Haare fallen aus und hinterlassen runde, haarfreie Partien auf der Kopfhaut. Da die kahlen Stellen häufig wieder von selbst verschwinden, raten Ärzte oft zum Abwarten, bevor sie eine Behandlung der Haut mit den Wirkstoffen Diphenylcyclopropenon oder Quadratsäure-Dibutylester in Erwägung ziehen.

Insbesondere der diffuse Haarausfall kann viele verschiedene Ursachen haben, beispielsweise Schilddrüsenerkrankungen, Nährstoffmangel oder hormonelle Schwankungen. Wird der Grund für den Haarausfall identifiziert und behandelt, legen sich die Symptome normalerweise schnell. Mögliche Behandlungsformen sind Hormontherapien oder die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln.

Macht sich starker Haarausfall bemerkbar, hat eine Vorstellung beim Mediziner also oberste Priorität. Nur, wenn der Hausarzt oder der Dermatologe die Ursache für die Alopezie feststellt, ist der Haarausfall gezielt behandelbar. Wer Vorsorge betreiben oder die Therapie mit freiverkäuflichen Präparaten unterstützen möchte, hat aber ebenfalls vielschichtige Möglichkeiten zur Auswahl.

Shampoos gegen Haarausfall: Vorbeugen und behandeln

Beim erblich bedingten Haarausfall bietet es sich an, die Therapie mit einem Shampoo beziehungsweise Haarschaum zu unterstützen. Der Vorteil davon: Haarwuchsmittel in shampoo- sowie schaumform lassen sich leicht in die tägliche Morgen- oder Abendroutine einbinden und sind einfach in der Handhabung.

Wie wirkt ein Shampoo bei Alopezie?

Vielleicht stellen Sie sich die Frage wie Shampoos gegen Haarausfall – oder anders gesagt – Haarwuchsmittel wirken? Beim erblich bedingten Haarausfall zeigen die Haarfollikel eine Überempfindlichkeit gegen das körpereigene Hormon Dihydrotestosteron (DHT). Die Versorgungsstruktur der Haarwurzeln bildet sich zurück, wodurch die Haare feiner und lichter nachwachsen. Gleichzeitig nimmt die Strapazierfähigkeit der Haare ab, sodass sie sich zunehmend empfindlicher gegenüber mechanischen Einflüssen, zum Beispiel beim Frisieren, zeigen.

Mittels durchblutungsfördernder und anregender Inhaltsstoffe, wie sie in speziellen Haarschäumen und Shampoos enthalten sind, werden die Kopfhaut und somit auch die Haarfollikel besser mit Blut bedient. Bewährte Produkte regen dadurch die Nährstoffversorgung der Haarwurzeln an, was das Haar mitunter kräftiger erscheinen lässt.

Zum Einsatz in Schäumen sowie Shampoos kommen vor allem diese Wirkstoffe:

  • Koffein: wirkt anregend
  • Keratin: wird eine haarkräftigende Wirkung nachgesagt
  • Minoxidil: kann neues Haarwachstum anregen

Wissenschaftlich belegt ist bei einer äußerlichen Anwendung derzeit nur die Wirkung von Minoxidil.1

Kann man Haarausfall mit Shampoo und Schaum stoppen?

Durch die Anwendung eines Shampoos beziehungsweise Haarwuchsmittels mit Minoxidil lassen sich noch lebende Haarwurzeln in geringem Maße kräftigen. Haarschaum und Co. können also unterstützend wirken, eine fortgeschrittene Alopezie lässt sich durch Shampoonieren allerdings nicht rückgängig machen.

Gut zu wissen:

Beim Haarewaschen kommen die Wirkstoffe nur kurze Zeit mit der Kopfhaut und den Haaren in Kontakt und werden im Anschluss wieder ausgespült. Eine wirksamere Alternative zu Shampoos sind deshalb Präparate, die etwas länger im Haar bleiben, beispielsweise eine Lösung oder ein Schaum.

Milde Reinigung bei diffusem Haarausfall

Um das Irritationspotenzial der Kopfhaut zu verringern, raten Mediziner vor allem bei diffusem Haarausfall dazu, ein möglichst mildes, reizarmes Shampoo zu verwenden. Solche Produkte verzichten auf Alkohol sowie aggressive chemische Inhaltsstoffe wie etwa harsche Tenside.

Diese Substanzen haben eine austrocknende Wirkung und können so den natürlichen Säureschutzmantel der Haut angreifen. Schonende Haarwaschmittel zeichnen sich außerdem durch den Verzicht auf Duftstoffe aus, die ebenfalls die Haut reizen oder manchmal sogar eine Kontaktallergie hervorrufen.

Sonderfall: Vernarbende Alopezie

Vernarbender Haarausfall ist die Begleiterscheinung vieler Hautkrankheiten. Einen Sonderfall stellt hier die Entzündung der Haarbälge (Folliculitis decalvans) dar.

Welche Folgen hat die Haarbalgentzündung?

Die Folliculitis decalvans ist eine hartnäckige Kopfhauterkrankung, bei der die Entzündungsreaktion die Haarfollikel für immer zerstört. Dadurch wachsen die Haare häufig nie wieder nach.

Im Rahmen der Therapie gilt es, die für die Entzündung verantwortlichen Bakterien – Staphylokokken – zu reduzieren. Das geschieht in der Regel durch die tägliche Haarwäsche mit keimvermindernden Shampoos. Diese verordnet der Arzt bei Bedarf. Im Übrigen nehmen derartige Shampoos eine gesonderte Rolle ein, da sie rezeptpflichtig sind.

Dem Haarverlust durch ausgewogene Ernährung vorbeugen

Eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung ist ein wesentlicher Faktor, der für die Vorbeugung von Haarausfall relevant ist. Denn Mangelerscheinungen haben manchmal einen erhöhten Haarverlust zur Folge. Nur, wenn der menschliche Körper in ausreichender Form mit Vitaminen und Mineralstoffen versorgt ist, ist die Basis für einen gesunden Haarwuchs gelegt.

Eisenmangel ist eine bekannte Ursache für Haarausfall, der sich mit der Zugabe von Eisenpräparaten begegnen lässt. Da das Spurenelement Eisen in hoher Konzentration vor allem in Fleisch enthalten ist, sind häufig Vegetarier oder Veganer von Eisenmangel betroffen. Auch Frauen gehören zur Risikogruppe, denn durch die Periode verliert der Körper monatlich Blut und somit lebenswichtiges Eisen.

Um einem Eisenmangel vorzubeugen, ist es ratsam, die Ernährung vielseitig und ausgewogen zu gestalten. Zu den eisenreichen Lebensmitteln gehören neben Wild-, Lamm- und Rindfleisch zudem die folgenden Produkte:

  • Rosen- sowie Grünkohl
  • Kürbiskerne
  • Vollkornreis
  • Hülsenfrüchte, wie Linsen, Kichererbsen und Soja

Neben Eisen ist außerdem die Versorgung mit Zink und den Vitaminen B3, B6 sowie B12 wichtig, um einem krankhaften Haarverlust vorzubeugen. Auf dem Speiseplan sollten deshalb viel Gemüse und Obst als auch Vollkornprodukte stehen. Einseitige Ernährung oder extreme Diäten begünstigen Mangelerscheinungen. Aus diesem Grund ist es empfehlenswert, abwechslungsreich zu kochen.

Haarausfall mit Hausmitteln begegnen

Als präventive Maßnahme gegen Haarausfall haben sich einige Hausmittel etabliert, deren Wirkung wissenschaftlich nicht bewiesen ist, die aber dennoch unterstützend sein können. Um die Durchblutung der Haarfollikel und damit die Versorgung der Haarwurzeln zu steigern, bieten sich Massagen der Kopfhaut an. Wer hier noch zu durchblutungsfördernden Wirkstoffen, beispielsweise Rosmarinöl greift, verstärkt den Effekt unter Umständen.

Generell ergibt es Sinn, die vorhandenen Haare mit Hausmitteln – zum Beispiel Spülungen mit Brennesselextrakt – oder konventionellen Pflegeprodukten zu kräftigen. Erscheinen die übrigen Haare voller und voluminöser, lässt sich ein Haarausfall mitunter geschickt kaschieren.

Der Arztbesuch ist Pflicht:

Bei krankhaftem Haarverlust ist eine ärztliche Untersuchung in jedem Fall ein Muss, um die eigentliche Ursache für den Haarausfall zu identifizieren und entsprechend behandeln zu können. Im Rahmen der Diagnose prüft der Mediziner ebenfalls, ob das Haarwachstum womöglich aus einem anderen Grund (beispielsweise Eisenmangel) gestört ist oder eine Krankheit (etwa Folliculitis decalvans) vorliegt.

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Mesotherapie: Wirkstoffe gegen Haarausfall gezielt einsetzen

Eine weitere Behandlungsform von Haarausfall ist die sogenannte Mesotherapie. Sie verbindet Elemente der klassischen Medizin mit Naturheilverfahren. Dabei spritzen Experten den Betroffenen individuell zusammengestellte Wirkstoffe unter die Haut, beispielsweise:

  • Pflanzenextrakte
  • Vitamine
  • homöopathische Inhaltsstoffe
  • medizinische Wirkstoffe wie Minoxidil oder Finasterid

Die Idee hinter dieser Therapieform ist, dass die Substanzen genau dort zum Einsatz kommen, wo sie benötigt werden – also an den Haarfollikeln. Unterschiedliche Einspritztechniken haben zudem einen Einfluss auf die Verweildauer der Wirkstoffe im Gewebe, was sich gezielt einsetzen lässt. Die Spritzen sind für die Patienten in der Regel zu spüren, aber nur wenig schmerzhaft.

Häufig erhalten Patienten die Mesotherapie bei erblich bedingtem Haarausfall. Die Injektionen (Spritzen) haben das Potenzial, die Durchblutung noch intakter Haarfollikel anzuregen. Ähnlich wie bei der äußerlichen Anwendung von Minoxidil wachsen die Haare dadurch manchmal kräftiger nach. Jedoch sind Nebenwirkungen bei einer Mesotherapie möglich: So zum Beispiel Abszesse (Eiteransammlungen in Körperhöhlen), die eine Narbenbildung und damit irreversible (nicht rückgängig machbare) Schäden der Haarfollikel nach sich ziehen.

Haartransplantation bei starkem Haarverlust

Die Haartransplantation stellt eine weitere Behandlungsoption bei Haarverlust dar. Eine solche operative Haarverpflanzung eignet sich nur für Betroffene von unumkehrbarem Haarverlust. Beim kreisrunden Haarausfall besteht beispielsweise eine gute Chance, dass die kahlen Stellen auf dem Kopf nach einiger Zeit wieder verschwinden, da neue Haare nachwachsen.

Im Falle eines erblich bedingten Haarausfalls ist der Haarverlust oft irreversibel. Dennoch ist eine Haartransplantation erst dann sinnvoll, wenn beispielsweise medikamentöse Therapieversuche nicht erfolgreich waren. Zudem raten Mediziner davon ab, die Haarverpflanzung zu früh durchzuführen. Das Mindestalter für eine operative Haarverpflanzung liegt bei rund 30 Jahren.2

Haartransplantation – was passiert?

Bei einer Haartransplantation entfernt der Operateur Haarfollikel vom unteren Hinterkopf beziehungsweise von den seitlichen Partien des Kopfes. Da diese Haare medizinisch gesehen zu den Körperhaaren gehören, sind sie normalerweise nicht vom erblich bedingten Haarausfall betroffen. Nach der Entnahme der Gewebestreifen, was bei örtlicher Betäubung erfolgt, vernäht der Arzt die Wunden.

Im Anschluss werden die entnommenen Haarfollikelstreifen – sogenannte Grafts – für die eigentliche Transplantation vorbereitet. Dabei präpariert der behandelnde Mediziner das entnommene Gewebe: Auf jeder Verpflanzungseinheit sollten sich nur einige wenige Haarfollikel befinden.

In einer mehrstündigen Operation platziert der Experte die Grafts mit den intakten Haarfollikeln an den haarlosen Stellen des Kopfes. Es findet eine Gewebeverpflanzung statt, die etwa vier Monate später erste Früchte trägt: Erst nach diesem Zeitraum wird deutlich, ob sich an den kahlen Stellen wieder neue Haare bilden.2

Haartransplantation: Was ist erlaubt?

Nach einer Haartransplantation ist vor allem Geduld gefragt. Erst am dritten Tag nach der Operation raten Ärzte dazu, die Haare mit einem milden Shampoo zu waschen. Direkte Sonneneinstrahlung sollten Betroffene vier bis etwa sechs Wochen meiden.2 Dasselbe gilt für einen Besuch im Solarium.

Diese Fristen sind im Kontext einer Haarverpflanzung ebenfalls zu beachten:

  • Friseurtermin: zwei Wochen nach der Transplantation
  • Dauerwelle oder Haarefärben: vier bis sechs Wochen Wartezeit
  • Leichter Sport: fünf bis sieben Tage nach dem Eingriff
  • Leistungssport: zwei Wochen nach der OP2

Interessant ist, dass Schwimmen sogar als förderlich für den Heilungsprozess angesehen wird und schon am fünften Tag nach der OP wieder erlaubt ist.2

Welche Nebenwirkungen gibt es bei Haarverpflanzungen?

Da bei einer Haartransplantation körpereigenes Gewebe verpflanzt wird, kommt es deshalb nicht zu Abstoßreaktionen. Dennoch kann es passieren, dass die Haartransplantation nicht den gewünschten Erfolg mit sich bringt – das ist insbesondere dann der Fall, wenn die Haarwurzeln bei der Entnahme oder beim Verpflanzen Schaden erleiden. Zudem ist es essenziell, dass die Experten die Gewebestücke innerhalb von sechs Stunden verpflanzen.2 Nur so wird gewährleistet, dass die transplantierten Haarwurzeln dauerhaft neues Haar produzieren.

Haarersatz als Alternative: Perücken und Toupets

Um sichtbaren Haarausfall zu verbergen, greifen viele Betroffene zu einem Haarersatz. Je nach Ausprägung des Haarverlusts bieten sich entweder Haarersatzteile wie Toupets an, die nur spezielle Partien des Kopfes bedecken, oder Perücken, die den Haarwuchs am gesamten Kopf simulieren.

Ob die Krankenkasse die Kosten für einen Haarersatz übernimmt, hängt davon ab, wie weit der krankhafte Haarverlust fortgeschritten ist. Ein weiteres Kriterium für die Kostenübernahme ist das Geschlecht des Betroffenen: Während bei Männern nur in Einzelfällen ein Haarersatz gezahlt wird, bekommen Frauen deutlich häufiger Zuschüsse bewilligt.

Johanna Wirsing-Schneider
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