Welche Arten von Hautpilz gibt es?


In der Dermatologie unterscheidet man Hautpilzinfektionen nach dem Typ des Erregers – dem sogenannten DHS-System: Dermatophyten, Hefepilze und Schimmelpilze.

Dermatophyten — Fadenpilze

Eine Dermatophytose ist eine häufige Pilzinfektion, die ausschließlich das verhornte Gewebe befällt – also Haut, Haare und Nägel.1 Auslöser sind Dermatophyten (Fadenpilze), die sich von Keratin ernähren und daher nicht tiefer in den Körper eindringen können.

Zu den wichtigsten Untergruppen gehören:

  • Trichophyton: Verursacht Nagelpilz und Kopfpilz; kann sich in Haarfollikeln, Nägeln und Hornhaut ansiedeln.
  • Microsporum: Befällt vor allem die Kopfhaut und löst die sogenannte Mikrosporie (hochgradig ansteckende Hautpilzinfektion) aus.
  • Epidermophyton: Infiziert die Hornschichten der Oberhaut.

Nagelpilz (Onychomykose) ist eine typische Dermatophyten-Infektion. Betroffene Nägel verfärben sich weißlich-gelblich, werden dicker und brüchig. Eine konsequente, oft mehrmonatige Behandlung ist notwendig, um den Pilz vollständig zu beseitigen.

Hefepilze – insbesondere Candida

Hefepilze der Gattung Candida kommen natürlicherweise auf der menschlichen Haut und Schleimhäuten vor. Unter bestimmten Bedingungen – etwa bei einem geschwächten Immunsystem oder nach einer Antibiotikatherapie – können sie sich unkontrolliert vermehren und eine Infektion auslösen.

Typische Candida-Infektionen:

  • Vaginalmykose (Scheidenpilz): Brennen, Jucken und weißlich-bröckeliger Ausflusssind charakteristische Symptome. Schmerzen beim Wasserlassen oder Geschlechtsverkehr können ebenfalls auftreten.
  • Mundsoor: Der Belag meist weißlich, lässt sich abwischen und die Schleimhaut darunter gerötet; kommt häufig bei Babys vor, was sich oft zusätzlich durch Trinkprobleme zeigt.
  • Windeldermatitis (Windelsoor): Gerötete, entzündete Haut im Windelbereich bei Säuglingen.

Gut zu wissen!

Die Kleienpilzflechte (Pityriasis versicolor) wird durch den Hefepilz Malassezia verursacht, der bei fast allen Menschen auf der Haut vorkommt. Bei geschwächtem Immunsystem oder starkem Schwitzen kann er sich übermäßig vermehren und helle oder dunkle, schuppige Flecken auf der Haut verursachen.

Schimmelpilze und systemische Mykosen

Schimmelpilze wie Aspergillus (Gießkannenschimmel) spielen als Auslöser von Hautpilzinfektionen nur eine untergeordnete Rolle. Häufiger verursachen sie Atemwegsinfektionen oder – bei stark immungeschwächten Personen – sogenannte systemische Mykosen, bei denen sich die Erreger über den Blutkreislauf im Körper verteilen und so auch innere Organe befallen können. Diese Form ist selten, aber potenziell gefährlich und erfordert sofortige ärztliche Behandlung.

Wie steckt man sich mit Hautpilz an?


Füße hängen in einem Pool. Im Schwimmbad ist das Risiko für eine Ansteckung mit Hautpilz erhöht.

Hautpilz ist ansteckend – die Übertragung erfolgt entweder durch direkten Körperkontakt mit infizierten Personen oder Tieren oder indirekt über kontaminierte Gegenstände und Oberflächen.

Typische Ansteckungsquellen:

  • gemeinsam genutzte Handtücher, Kleidung oder Schuhe
  • nasse Böden in Schwimmbädern, Duschen und Umkleidekabinen
  • Kontakt mit infizierten Haustieren (z. B. Katzen, Hunde, Nagetiere)
  • Barfußlaufen in öffentlichen Bereichen

Pilzsporen können auf Oberflächen über Stunden bis Tage überleben – je nach Erregertyp sogar länger. Besonders gefährdet sind Menschen mit kleinen Hautverletzungen, feuchter Haut oder einem geschwächten Immunsystem.

Ursachen: Warum entsteht Hautpilz?


Pilze sind Teil der natürlichen Hautflora – sie verursachen nur dann eine Infektion, wenn das Gleichgewicht gestört wird. Begünstigende Faktoren sind:

  • geschwächtes Immunsystem (z. B. durch Erkrankungen wie HIV, Stress oder immunsuppressive Medikamente)
  • Feuchtigkeit und Wärme – Pilze gedeihen in warmen, feuchten Umgebungen (enge Schuhe, synthetische Kleidung)
  • Verletzungen der Haut – auch kleinste Risse oder Schürfwunden erleichtern das Eindringen von Pilzsporen
  • Antibiotikatherapie – hemmt die natürliche Bakterienflora und kann Hefepilzen (z. B. Candida) das Überwuchern erleichtern
  • Diabetes mellitus – erhöht das Infektionsrisiko durch veränderte Hauteigenschaften und Durchblutungsstörungen
  • hormonelle Veränderungen – z. B. in der Schwangerschaft oder durch die Einnahme von Verhütungsmitteln
Illustration zeigt Maßnahmen, um das Immunsystem zu stärken und so Hautpilz vorzubeugen.

Symptome: Woran erkenne ich Hautpilz?


Die Symptome einer Hautpilzinfektion variieren je nach Erreger und betroffener Körperstelle. Häufige Anzeichen sind:

Wichtig:

Diese Symptome können auch auf andere Hauterkrankungen hinweisen. Eine verlässliche Diagnose kann nur ein Hautarzt stellen. Suchen Sie bei anhaltenden Beschwerden ärztlichen Rat.

Diagnose beim Hautpilz


Eine Hautärztin untersucht ihre Patientin aufgrund von Hautpilz.

Für die Diagnose eines Hautpilzes untersucht der Dermatologe die betroffenen Hautstellen zunächst visuell. Zur Sicherung der Diagnose stehen folgende Methoden zur Verfügung:

  • Wood-Licht-Untersuchung: Bestimmte Pilze fluoreszieren unter UV-Licht – eine schnelle, schmerzlose Erstuntersuchung.
  • Nativpräparat (mikroskopischer Direktnachweis): Eine Hautschuppe oder ein Nagelabschnitt wird unter dem Mikroskop auf Pilzstrukturen untersucht.
  • Pilzkultur: Material von der betroffenen Stelle wird auf einem Nährboden angezüchtet, um den genauen Erreger zu identifizieren.

Die genaue Erregerbestimmung ist wichtig, da verschiedene Pilzarten unterschiedlich behandelt werden.

Hautpilz behandeln: Welche Therapien helfen?


Eine Frau mit Hautpilz verwendet zur Behandlung eine Salbe auf ihrer Hand.

Die Behandlung von Hautpilz richtet sich nach Art und Ausmaß der Infektion. Grundsätzlich gilt: Je früher behandelt wird, desto schneller ist die Infektion überwunden.

Lokale Behandlung (äußerlich)

Bei leichten, begrenzten Infektionen werden antimykotische Cremes, Salben oder Lösungen direkt auf die betroffene Hautstelle aufgetragen. Wirkstoffe wie Clotrimazol, Miconazol oder Terbinafin sind in vielen OTC-Präparaten enthalten und in der Apotheke erhältlich.

Wichtig ist, die Behandlung auch nach dem Abklingen der Symptome noch für einige Zeit konsequent fortzuführen, um Rückfälle zu vermeiden. Wie lange Sie das Mittel anwenden müssen, steht in der Packungsbeilage oder wird von Arzt oder Apotheke empfohlen.

Systemische Behandlung (innerlich)

Sind größere Hautflächen betroffen, liegt Nagelpilz vor oder sprechen lokale Mittel nicht an, werden Arzneimittel gegen Pilze (Antimykotika) in Tablettenform eingesetzt. Diese Therapie muss ärztlich verordnet und überwacht werden.

Hygienemaßnahmen als Begleittherapie

Medikamente allein reichen oft nicht aus. Folgende Maßnahmen unterstützen die Therapie und beugen einer erneuten Infektion vor:

  • Handtücher, Bettwäsche und Kleidung bei mindestens 60 °C waschen
  • betroffene Körperstellen trocken halten
  • atmungsaktive Kleidung und Baumwollsocken tragen
  • Schuhe regelmäßig wechseln und desinfizieren
  • in öffentlichen Bädern und Duschen Badeschuhe tragen

Hausmittel bei Hautpilz

Hausmittel wie Apfelessig, Teebaumöl oder Knoblauch werden zwar häufig empfohlen, ihre klinische Wirksamkeit am Menschen ist jedoch nicht ausreichend belegt. Sie ersetzen keine medizinische Behandlung.

Häufig gestellte Fragen zu Hautpilz


Woher weiß ich, dass ich einen Hautpilz habe?

Typische Anzeichen sind Rötungen, Juckreiz, Brennen und – je nach Erregertyp – Verfärbungen der Haut oder Nägel. Bei Befall der Kopfhaut kann auch Haarausfall auftreten. Da diese Symptome auch andere Ursachen haben können, ist eine ärztliche Diagnose empfehlenswert.

Kann Hautpilz von alleine weggehen?

Hautpilzinfektionen heilen in der Regel nicht von selbst ab und sollten daher konsequent behandelt werden – auch um eine weitere Ausbreitung oder Ansteckung anderer Personen zu verhindern. Sprechen Sie bei Verdacht auf Hautpilz mit einem Hautarzt.

Was darf man bei Hautpilz nicht tun?

Kratzen oder Reiben an den betroffenen Stellen vermeiden – das fördert die Ausbreitung und erhöht das Infektionsrisiko. Kleidung und Handtücher nicht mit anderen teilen. Die Haut nicht feucht werden lassen und keine synthetische, eng anliegende Kleidung tragen.

Wie lange dauert die Behandlung von Hautpilz?

Das hängt von Art, Lokalisation und Schwere der Infektion ab. Bei Ringelflechte beispielsweise sind die Hautveränderungen meist innerhalb von 2 bis 3 Wochen abgeheilt.2 Die Behandlung sollte jedoch noch einige Wochen weitergeführt werden, um einen Rückfall zu vermeiden. Die genaue Therapiedauer empfiehlt der behandelnde Arzt oder Apotheker.

Weiterlesen: Häufige Formen von Hautpilz

Tanja Albert Von der Schülerzeitung übers Journalismus-Studium in die Online-Redaktion von kanyo® - Tanja Albert hat das Schreibfieber gepackt. Gemischt mit ihrem Interesse für Ernährungs- und Gesundheitsthemen stürzt sie sich Tag für Tag in die medizinische Recherche - und bringt das Ganze auch in die Sozialen Netzwerke, nämlich als Social Media Managerin. Tanja Albert Medizinredakteurin kanyo® mehr erfahren
Stephanie Letz Schon früh schrieb Stephanie Letz gerne an eigenen Texten. Später weckte die langjährige Arbeit in der Radiologie ihr Interesse für die Medizin und Gesundheitsthemen. Um die Leidenschaft aus der Kindheit damit zu verknüpfen, entschied sie sich für ein Journalismus-Studium mit dem Schwerpunkt Medizin und Biowissenschaft an der Hochschule Ansbach. Stephanie Letz Autorin kanyo® mehr erfahren
Quellen anzeigen