Genitalherpes in der Schwangerschaft: Droht meinem Baby Gefahr?

31. Mai 2019

10 Min.

Bereits während der Schwangerschaft kann sich ein Baby mit Genitalherpes (Herpes genitalis) infizieren. Eine Erstinfektion der Mutter ist dabei besonders gefährlich für das Kind. Aber auch ein Wiederaufflammen des Herpes-simplex-Virus, aufgrund der veränderten hormonellen Situation in der Schwangerschaft, birgt Risiken. Bereits im Mutterleib kann der Erreger das Ungeborene schädigen, besonders häufig jedoch erfolgt die Ansteckung des Schützlings während der Geburt, wenn die Viren im Geburtskanal lauern. Umso wichtiger ist es, bei Verdacht auf eine Herpes-Infektion, den Frauenarzt zu informieren und Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen. Denn die Folgen für das Kind sind unter Umständen bleibende Schäden sowie im schlimmsten Fall sogar der Tod.

So kann Herpes auf das Baby übertragen werden

  • transplazentar (während der Schwangerschaft über die Plazenta)
  • intrapartal (während der Geburt)
  • postpartal (nach der Geburt)


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Genitalherpes: Auf diese Anzeichen sollten Schwangere besonders achten

Bei folgenden Symptomen ist es für Schwangere ratsam, ihren Frauenarzt zu kontaktieren:

  • stark juckende und schmerzende Bläschen im Genitalbereich
  • Rötungen im Intimbereich
  • Schwellung der Scheide
  • verstärkter Ausfluss
  • Gefühl der Abgeschlagenheit
  • geschwollene Lymphknoten
  • Fieber
  • Erbrechen

Nicht immer zeigt sich eine Infektion mit Herpes genitalis eindeutig. Schwangere sollten also grundsätzlich, wenn sie Hautveränderungen feststellen, einen Arzt aufsuchen. Die Diagnose erfolgt nicht nur anhand der Symptome, sondern über Antikörper (Eiweiße, die das Immunsystem unterstützen) im Blut sowie durch einen Abstrich, den Experten im Labor analysieren.

Schwangere Frau und Mann informieren sich über Genitalherpes in der Schwangerschaft

Mögliche Übertragungswege von Genitalherpes in der Schwangerschaft

Circa 20 bis 30 Prozent der Deutschen sind mit Genitalherpes (Herpes genitalis) infiziert.1 Die Übertragung erfolgt überwiegend beim Sex, indem kleine, mit viraler Flüssigkeit gefüllte Bläschen an der Haut platzen und die Erreger – Herpes-simplex-Viren – sich ausbreiten.

Weitere mögliche Übertragungswege sind Tröpfcheninfektionen (die Herpesverursacher erreichen einen Menschen in Form von winzigen, in der Umgebung umherfliegenden Tröpfchen) und Schmierinfektionen (ansteckende Viren gelangen über eine Kette von Berührungen von einer Person zur anderen).

Gut zu wissen: Die betroffenen Frauen tragen das Virus meist bereits seit langer Zeit in sich, schlummernd in den Nerven- und Lymphknoten. Durch hormonelle Schwankungen und das durch die Schwangerschaft beeinträchtigte Immunsystem, hat das Virus die Chance, wiederaufzutauchen.

Darum sollten Sie Genitalherpes in der Schwangerschaft immer ernst nehmen

Das Risiko, sich während einer Schwangerschaft mit Genitalherpes anzustecken, ist nicht unbedingt höher als in anderen Lebensphasen. Passiert es allerdings, kann eine solche Erstinfektion beim Ungeborenen zu

  • Schäden an den Organen,
  • Missbildungen und sogar
  • einer Fehlgeburt führen.

Das hängt damit zusammen, dass das Herpes-simplex-Virus zu den Viren gehört, die in der Lage sind, die sonst so schützende Plazentaschranke zu überschreiten – somit erreichen die Erreger das Kind direkt. Allerdings nur im Falle einer Erstinfektion. Denn dann befinden sich die Herpesviren in großer Zahl im Blutkreislauf der Mutter. Mediziner sprechen bei dieser sehr selten vorkommenden Form von einer Virämie.2

Es ist darüber hinaus auch möglich, dass die Viren das Kind über die Scheide der Mutter infizieren. Nämlich dann, wenn der Weg zum Baby durch einen bereits geöffneten Muttermund und den Blasensprung frei ist.

Ungefährlicher als eine Erstinfektion ist eine Reaktivierung von Genitalherpes. Dabei sind oftmals weniger Herpeserreger im Umlauf, denn das Immunsystem der Schwangeren hat schon gelernt, wie es die ungebetenen Gäste besser bekämpft.

Kann sich mein Baby bei der Geburt mit Herpes genitalis anstecken?

Herpes genitalis ist während der Geburt übertragbar. Hat sich die Mutter mit dem Herpes-simplex-Virus infiziert oder kommt es zu einer Reaktivierung sehr kurz vor der Geburt, dann stellt das eine große Gefahr für das Kind dar, das auf seinem Weg in die Welt durch den infizierten Geburtskanal muss.

Gut zu wissen

Steckt sich ein Neugeborenes während der Geburt mit Herpes genitalis an, dann handelt es sich in der Regel um den Typ 2 des Herpes-simplex-Virus. Des Weiteren ist es jedoch möglich, dass sich Herpesviren vom Typ 1 – die sonst eigentlich eher Lippenherpes oder Nasenherpes auslösen – in die Genitalregion „verirren“. Denn durch Oralverkehr oder auch manuelle Stimulation bahnen sich diese Erreger unter Umständen ihren Weg in die Genitalregion und können so dann im weiteren Verlauf das Baby infizieren.

Der Verdacht auf eine Infektion mit dem Herpes-simplex-Virus sollte bei einer bestehenden Schwangerschaft nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Gerade auch, weil einige Frauen oft keine auffälligen Symptome aufweisen und das Neugeborene sich trotzdem anstecken kann.3

Gefahren für das Neugeborene

Infiziert sich das Baby auf seinem Weg durch den Geburtskanal, drohen Folgen wie:

  • Augenherpes, der zur Eintrübung der Hornhaut und im schlimmsten Fall zur Erblindung führen kann
  • Schädigungen der inneren Organe
  • Blutvergiftung (Herpes-Sepsis)
  • lebensbedrohliche Entzündung des Gehirns (Herpes-Enzephalitis)

Das Immunsystem von Neugeborenen ist noch nicht ausgereift. Dadurch sind die Kleinen dem Virus schutzloser ausgeliefert. Ein besonderes Risiko besteht bei Frühchen.

Sind bereits Organe oder das Gehirn betroffen, stirbt mehr als die Hälfte der betroffenen Kinder, den Überlebenden drohen Behinderungen.4

Woran erkenne ich eine Herpesinfektion bei meinem Baby?

Folgende Symptome können bei Ihrem Säugling auf Herpes hindeuten:

  • entzündete, trübe Augen
  • Bläschen auf der Haut und den Schleimhäuten
  • Fieber
  • Trinkschwäche
  • Erschöpfung
  • Teilnahmslosigkeit
  • Erbrechen
  • Appetitlosigkeit

Hegen Eltern den Verdacht auf eine Herpesinfektion bei ihrem Baby, sollten sie zügig einen Kinderarzt aufsuchen und ihre Vermutung äußern. Denn hat sich der Säugling angesteckt, ist schnelles Handeln notwendig, um mögliche Gefahren abzuwenden.

Aha!

Herpes beim Neugeborenen (Herpes neonatorum) ist eine schwerwiegende Erkrankung und in keinem Fall zu vergleichen mit dem Krankheitsverlauf bei einem älteren Kind oder erwachsenen Menschen. In den ersten drei Monaten eines Säuglings bildet sich das Immunsystem noch aus, daher besteht keine ausreichende Schutzfunktion – die Viren breiten sich unter Umständen bis hin zu den Organen des Kindes aus. Schwere Komplikationen drohen.

Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung, kann wenige Tage, aber auch mehrere Wochen betragen. Die bei der Geburt in die Schleimhäute eingedrungenen Viren vermehren sich dort erst einmal in aller Ruhe, bevor sie Schaden anrichten.5

Behandlung von Genitalherpes in der Schwangerschaft

Die Therapie des Herpes-simplex-Virus während der Schwangerschaft ist meist einfach. Oft genügt bereits eine lokal aufgetragene Creme. Bei stärkerem Befall wird auf Mittel zurückgegriffen, die die Vermehrung des Virus eindämmen. Wenn notwendig, wenden manche Patienten diese Medikamente, die als Virustatika bezeichnet werden, auch als Tabletten oder Injektion vom Arzt an. Flammt eine Herpes genitalis Infektion bei der Schwangeren immer wieder auf, dann kann zum Ende der Schwangerschaft eine vorbeugende Behandlung mit virushemmenden Medikamenten sinnvoll sein, um zu verhindern, dass es während der Geburt zu einem Ausbruch der Viren kommt.

Herpes genitalis und Kinderwunsch

Paare, bei denen nur der Mann infiziert ist, sollten bei Kinderwunsch eine vorbeugende Therapie (Suppressionstherapie) in Betracht ziehen, damit die Frau sich während einer Schwangerschaft nicht mehr infizieren kann. Informieren Sie sich bei Ihrem Arzt darüber, wenn Sie mehr über diese Option erfahren möchten.

Im Fall von Genitalherpes ist es wichtig, immer den Partner mit zu behandeln. Kondome sind kein hundertprozentiger Schutz vor einer Ansteckung, da sich die Bläschen zum Teil nicht nur an den Geschlechtsorganen befinden, sondern sich darüber hinaus zum Beispiel Richtung After ausbreiten.

Ist zum Schutz des Kindes ein Kaiserschnitt zwingend notwendig?

Bis wenige Tage vor der Geburt ist es möglich, die Herpesviren bei Mutter und Kind mit den gängigen Mitteln zu behandeln. Das bedeutet also, dass sich ein Kaiserschnitt unter Umständen vermeiden lässt, wenn die Infektion früh genug erkannt und erfolgreich bekämpft wurde.

Lassen sich die verantwortlichen Viren jedoch mit einer klassischen Therapie nicht in den Griff bekommen, wurde der Virenbefall zu spät erkannt oder könnte das Baby quasi jeden Moment zur Welt kommen, raten Experten zum Schutz des Kindes in der Regel zum Kaiserschnitt — so wird der Kontakt des Babys mit den Bläschen im Geburtskanal oder der Scheide verhindert.

Stillen ist auch während einer Herpesinfektion erlaubt

Selbst nach der Geburt kann sich ein Baby durch direkten Kontakt mit einer infizierten Person anstecken. Schmierinfektionen durch mangelnde Hygiene sind mögliche Übertragungswege. Ebenso das Küssen des Säuglings trotz Lippenherpes. Das Kind kann dabei Erreger nicht nur über die Eltern, sondern auch über andere Kontaktpersonen (Freunde, Verwandte und Co.) aufnehmen.

Das Stillen ist, selbst bei einer akuten Herpesinfektion, in der Regel jedoch möglich. Voraussetzung dafür ist eine besondere Vorsicht. Das Abdecken der Herpesbläschen mit entsprechenden Patches aus der Apotheke sowie eine regelmäßige Desinfektion der Hände können hier gute Dienste leisten. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, der verwendet zudem (gerade bei Lippenherpes) einen Mundschutz.

Simone Blaß
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