Abszesse: Eiterbeulen mit Tücken

Wer schon einmal einen hatte, der weiß, wie lästig er ist: der Abszess. Er entsteht aus einer bakteriellen Entzündung heraus und kann größer werden als ein Handteller. Eine gefürchtete Komplikation ist die Blutvergiftung, zu der es jedoch zum Glück nur in seltenen Fällen kommt. Häufiger sind es die starken Schmerzen und Schwellungen rund um die betroffene Stelle, die den Abszess so unangenehm machen.

Übersicht

Frau hat Probleme mit einem Abszess.

Die Entstehung eines Abszesses

Bildet sich ein Abszess, sind in der Regel bakterielle Infektionen mit Staphylokokken oder Streptokokken der Auslöser. Diese Bakterienarten dringen über kleinste Verletzungen in die Haut ein und lösen dort eine Entzündung aus. Der Körper reagiert mit einer Abwehrreaktion, die dazu führt, dass sich das Gewebe rund um die Entzündung herum abkapselt. Innerhalb der Kapsel werden Zellen eingeschmolzen, wodurch es zur Entstehung von Eiter kommt. Der damit gefüllte Hohlraum bildet den Abszess.

Klassische Symptome sind diese fünf typischen Entzündungszeichen:

1. Rötung
2. Schwellung
3. Schmerz
4. Wärme
5. eingeschränkte Funktion

Die Haut um den Abszess herum verfärbt sich rot und wird warm. Der betroffene Bereich schwillt an und wird extrem druckempfindlich, wodurch es, je nach Lokalisation, zu einer eingeschränkten Beweglichkeit kommt.

Wo Abszesse gerne auftreten

Generell kann ein Abszess an jeder Stelle des Körpers entstehen. In den meisten Fällen tritt er zwar direkt unter der Haut auf, aber auch das Gehirn und andere Organe können betroffen sein. An folgenden Körperstellen sind Abszesse besonders häufig:

  • am Po
  • in der Achselhöhle
  • im Gesicht
  • an Leber und Niere
  • in der Leistengegend
  • im Mund

Für das Auftreten von Abszessen gibt es, je nach ihrer Lokalisation, verschiedene Faktoren, die die Entstehung begünstigen.

Abszess am Po – unangenehm!

Aufgrund der großen Keimdichte im Bereich des Darmausgangs und der Analdrüsen entstehen besonders häufig Abszesse am Po. Diese befinden sich in der Regel direkt am Anus (perianale Abszesse) und verursachen dort große Schmerzen. Wird die Haut durch häufige Toilettengänge oder besonders hartes Klopapier regelmäßig gereizt, kommt es zu kleinen Verletzungen, durch die Keime aus dem Stuhl in den Körper eindringen können. Der so verursachte Abszess am Po bewirkt dumpfe, drückende Schmerzen, Sitzbeschwerden und ein starkes Krankheitsgefühl mit verminderter Leistungsfähigkeit, körperlicher Schwäche und mangelndem Appetit.1

Abszesse in der Achselhöhle

Ein Abszess in der Achselhöhle wird medizinisch als Axillarabszess bezeichnet. Der Bereich unter den Armen bietet aufgrund der vermehrten Schweißbildung und der fehlenden Belüftung optimale Wachstumsbedingungen für Bakterien. Durch scheuernde Kleidung oder beim Rasieren können minimale Hautverletzungen entstehen, die in Kombination mit den vorhandenen Bakterien schmerzhafte Abszesse bilden.

Abszesse im Gesicht

Die Ursachen für Abszesse im Gesichtsbereich stehen vor allem mit Verletzungen, die durch das Rasieren entstehen, in Verbindung. Aber auch

Am Anfang ähnelt die Entzündung einem gewöhnlichen Pickel, der jedoch im Verlauf zunehmend druckempfindlich und heiß erscheint. Da die Eiteransammlung auch tief unter der Gesichtshaut liegen kann, ist es möglich, dass sie vorerst unentdeckt bleibt. Entwickelt sich zusätzlich eine sichtbare Schwellung rund um das pickelähnliche Gebilde herum, deutet dies stark auf einen Abszess hin.

Abszesse an Organen

Für das Entstehen von Organabszessen sind vor allem chronische Erkrankungen, Entzündungen oder Operationen verantwortlich. Sie begünstigen das Eindringen und die Verbreitung von Erregern und sorgen damit für ein erhöhtes Risiko für die Bildung von Abszessen. Häufig sind Organabszesse an der Leber und an den Nieren zu finden, wo sie infolge von Infektionen wie Bauchfellentzündungen oder Harnwegsinfekten entstanden sind. Zu den typischen Symptomen gehören Fieber, Schüttelfrost, Abgeschlagenheit, Übelkeit und Schmerzen im Bereich des vom Abszess betroffenen Organs. Beim Verdacht auf einen solchen Organabszess, sollte unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden.

Abszesse im Bereich der Leiste

Durch den gängigen Trend zur Intimrasur werden Leistenabszesse immer häufiger. Das Rasieren verursacht minimale Verletzungen oder Schnitte, die eine Eintrittspforte für Bakterien bilden können. Auch scheuernde Kleidung und mangelnde Hygiene begünstigen die Abszessbildung. Abszesse sind im Bereich der Leiste – genau wie am Po – vor allem beim Sitzen äußerst schmerzhaft.

Abszesse im Mund

Die meisten Abszesse im Mund entstehen infolge der Entzündung eines kranken Zahns oder durch das Einbeißen von harten, scharfkantigen Nahrungsbestandteilen2. Beim Kauen von Knäckebrot beispielsweise, können sich Bruchstücke ins Zahnfleisch vorarbeiten und dort Entzündungen verursachen. Wie bei allen anderen Abszessarten auch, verkapselt sich der entzündete Bereich – innerhalb der Kapsel bildet sich Eiter. Selbst kleinste Abszesse bewirken große Schmerzen, wenn sie Druck auf Zahn und Zahnwurzel ausüben.

Muss ein Abszess behandelt werden?

Die Antwort auf diese Frage lautet in jedem Fall: Ja, eine Abszess-Behandlung ist dringend erforderlich. Nicht jeder unbehandelte Abszess führt automatisch zu Komplikationen, in schweren Fällen kann jedoch eine lebensbedrohliche Blutvergiftung entstehen. Entleert sich die mit Eiter gefüllte Kapsel nach innen, verteilen sich hochinfektiöse Erreger in Gewebe und Blutbahn und gelangen so bis in das Gehirn, wo sich weitere Abszesse bilden können.

Kommen zu den typischen Anzeichen eines Abszesses (Rötung, Schwellung, Schmerz, Wärme, eingeschränkte Funktion) auch noch Symptome wie Schüttelfrost, Fieber und ein starkes Krankheitsgefühl hinzu, sind dies mögliche Anzeichen für eine Blutvergiftung (Sepsis). Dies ist ein kritischer Zustand, der sofort ärztlich behandelt werden muss.

Gut zu wissen:
In den meisten Fällen treten kaum Komplikationen auf. Mit der richtigen Behandlung ist der Ausbreitung des Abszesses schnell Einhalt geboten und der betroffene Bereich heilt problemlos ab.

Abszess: Salbe nutzen oder Abszess aufschneiden?

Die richtige Behandlung eines Abszesses richtet sich nach seiner Größe, seiner Lokalisation und seinem Reifegrad. Folgende Methoden sind möglich:

1. Das Aufschneiden (Spalten) eines Abszesses ist die schnellste und wirkungsvollste Vorgehensweise. Ist der Abszess reif, wird er unter lokaler Betäubung geöffnet und geleert. Als reif gilt er allerdings erst dann, wenn sich der Eiter möglichst dicht unter der Hautoberfläche gesammelt hat. Im Anschluss bleibt die Wunde eine Zeit lang offen, da bei dem Verschluss durch eine Wundnaht die Gefahr der Neubildung besteht.

2. Die Verwendung einer Abszess-Salbe, besser bekannt als Zugsalbe, findet oft noch vor der Eröffnung statt. Sie enthält Wirkstoffe, die den Eiter aus der Tiefe nach oben ziehen und die Reifung beschleunigen. Hat der Abszess den höchsten Reifegrad erreicht, öffnet er sich entweder von selbst, oder er wird vom Arzt gespalten.

3. Bei einem Abszess im Körperinneren besteht die Möglichkeit, die Eiteransammlung zu drainieren. Hierbei wird die betreffende Stelle unter Röntgenkontrolle punktiert und das Sekret abgeleitet.

Begleitend zur Eröffnung des Abszesses verschreibt der Arzt ein Antibiotikum. Durch einen Abstrich des Eitersekrets ist es möglich, die Erreger genau zu bestimmen und das passende Antibiotikum auszuwählen.

Achtung: Abszesse niemals selbst öffnen!
Durch eigenständige Manipulation wie Quetschen, Ausdrücken oder Hineinstechen mit spitzen Gegenständen besteht die Gefahr, dass sich der Abszess nach innen eröffnet. Das zuvor gut abgekapselte Eitersekret gelangt dann in die Blutbahn und führt im schlimmsten Fall zu einer Blutvergiftung und der Verteilung der Erreger im Gehirn. Abszesse gehören daher immer in ärztliche Behandlung.

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1Fritsch Prof. Dr., Peter: Dermatologie & Venerologie für das Studium, Heidelberg 2009, S.528.
2Wolf Dr., Herbert: Farbatlanten der Zahnmedizin 1, Parodontologie, Stuttgart 2004, S. 105.