Behandlung von Neurodermitis: Darmflora aufbauen

Einige Experten sind sich sicher: Neurodermitis (atopische Dermatitis) kann auch von innen behandelt werden. Eine mögliche Therapie setzt im Darm an. Wo der Zusammenhang besteht und warum Sie die Darmflora aufbauen sollten, erfahren Sie im Folgenden.

Kind hält ein Medikament zur Einnahme in der Hand

Neurodermitis – das hat die Darmflora damit zu tun

Neurodermitis ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die in den meisten Fällen erblich bedingt ist. Sind etwa beide Elternteile betroffen, besteht eine Wahrscheinlichkeit von über 50 Prozent, dass das gemeinsame Kind ebenfalls an Neurodermitis erkrankt.1 Doch die Vererbbarkeit alleine muss noch keine Ursache für den Ausbruch der Symptome einer atopischen Dermatitis sein. So braucht es meist sogenannte Provokationsfaktoren (Trigger), welche die Krankheit fördern. Dazu zählen unter anderem Allergien, aktives sowie passives Rauchen und Stress. Außerdem gilt ein defektes Immunsystem als eine der Ursachen für die Krankheit. Denn: Unter Umständen löst dieses eine Überreaktion auf Reize und damit Entzündungen aus. Hierbei wird der Darmflora eine entscheidende Funktion zuteil.

Auf einen Blick: Ursachen für Neurodermitis

  • erbliche Veranlagung
  • zusätzliche Provokationsfaktoren
  • Immunsystem

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Die Darmflora (intestinale Mikrobiota) besteht aus über 100 Billionen unterschiedlichen Bakterien.2 Die genaue Zusammensetzung ist zwar individuell, allerdings besteht bei allen gesunden Menschen eine Vielfalt dieser Bakterien, die in einem Gleichgewicht leben (Symbiose).

Das ist nicht nur wichtig, um eine funktionierende Verdauung zu gewährleisten, sondern spielt auch bei der Immunabwehr eine große Rolle. Denn im Darm sitzen über 80 Prozent des Immunsystems.3 Wenn die Darmflora aus dem Gleichgewicht gerät, kann eine korrekt ablaufende Immunabwehr nicht mehr garantiert werden. Eine Überreaktion des Immunsystems ist möglich, was mitunter zu einem neuen Schub der Neurodermitis führt.

Darmflora mithilfe von Medikamenten ins Gleichgewicht bringen

Um eine solche Überreaktion und somit einen Ausbruch neuer Symptome von Neurodermitis zu vermeiden, kann es unter Umständen hilfreich sein, Einfluss auf die Zusammensetzung der Darmflora zu nehmen und diese mithilfe von Medikamenten aufzubauen.

Mikrobiologische Präparate (Microbiotica) sind beispielsweise eine Möglichkeit, um die Darmflora aufzubauen und so den Beschwerden von Neurodermitis entgegenzuwirken. Dabei handelt es sich um eine Vielzahl von Bakterien, welche die gestörte Mikrobiota (Dysbiose) wieder ins Gleichgewicht bringen sollen.

Darmflora aufbauen – mit dem Lactobacillus

Experten sind sich noch nicht einig, ob die Einnahme von bestimmten Medikamenten, welche die Darmflora aufbauen sollen, wirklich gegen Neurodermitis hilft. Es gibt allerdings einige Studienergebnisse, die dafür sprechen. So soll sich in erster Linie der Lactobacillus (Milchsäurebakterium) positiv auf die Mikrobiota und die Vermeidung von Neurodermitis-Schüben auswirken.4

Medikamente gegen Neurodermitis

Viele Eltern sind verzweifelt auf der Suche nach Medikamenten gegen Neurodermitis. Denn obwohl die Erkrankung ebenso bei Erwachsenen auftritt, sind vor allem Babys und Kleinkinder. davon betroffen Es wird vermutet, dass es unter anderem daran liegt, dass deren Mikrobiota nach der Geburt noch nicht vollständig ausgebildet ist – der Prozess gilt erst mit Ende des dritten Lebensjahres als beendet.5 Bis dahin reagieren die Kleinen besonders empfindlich auf äußere Reize und Keime. Aus diesem Grund kann es Sinn machen, ganzheitlich – von innen sowie außen – gegen Neurodermitis anzugehen. In der Behandlung kommen folgende Präparate und Medikamente zum Einsatz:

  • Rückfettende Cremes: Die Verwendung von entsprechenden Produkten soll den Fettfilm der Haut bewahren oder ihn wiederherstellen, damit Feuchtigkeit gespeichert
    wird. Juckreiz kann auf diese Weise gelindert werden.
  • Antihistaminika: Die Medikamente kommen dann gegen Neurodermitis zum Einsatz, wenn der Provokationsfaktor eine Allergie ist. Auch so lassen sich Symptome wie
    juckende Hautstellen behandeln.
  • Antientzündliche Cremes: Dabei handelt es sich meist um Präparate, die in die Hautzellen eindringen und Entzündungen eindämmen, indem der Wirkstoff die Produktion
    bestimmter Botenstoffe hemmt.
  • Calcineurinhemmer: Diese Medikamente können gegen Neurodermitis helfen, weil sie am Immunsystem ansetzen und dessen Aktivität hemmen.
  • Microbiotica: Sie enthalten eine Reihe von – meist vermehrungsfähigen – Bakterien, die die Darmflora aufbauen und deren Gleichgewicht wiederherstellen sollen.

Egal, ob Sie bei sich oder Ihrem Kind mit Medikamenten gegen die äußeren Anzeichen von Neurodermitis angehen oder mit microbiotischen Präparaten die Darmflora aufbauen möchten: Sprechen Sie die Behandlung unbedingt mit einem Arzt ab. Die ideale Therapie von Neurodermitis unterscheidet sich von Patient zu Patient, da Ursache sowie Trigger variieren.

Darmflora aufbauen und so neuen Schüben vorbeugen?

Um das Immunsystem in Zukunft stabil zu halten und Überreaktionen so gut es geht zu vermeiden, kann es sinnvoll sein, die Darmflora prophylaktisch aufzubauen und ihr Gleichgewicht zu erhalten. Einige Medikamente und Microbiotica werden somit auch als eine Art Kur verwendet, um zum Beispiel die kleinkindliche Darmflora bei der Stabilisierung zu unterstützen und womöglich auf diese Weise das Auftreten neuer Symptome zu verhindern. Die besten Ergebnisse erzielen Betroffene allerdings meist durch die kombinierte Anwendung verschiedener Maßnahmen zur Vorbeugung. Dazu zählt unter anderem die Vermeidung von Allergenen oder – schon vorher – eine mindestens viermonatige Stillzeit im Babyalter.6

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1 Sterry, Wolfram: Kurzlehrbuch Dermatologie. Stuttgart: Georg Thieme Verlag 2011. S.119.
2 Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung GmbH (HZI): Zweiter Teil der HZI-Vortragsreihe „KrankheitsErregend“ mit Expeditionen ins Immunsystem am 18. November. URL: https://www.helmholtz-hzi.de/de/aktuelles/news/ansicht/article/complete/unser_immunsystem_und_die_darmflora/ (02.08.18).
3 Enders, Giulia: Darm mit Charme: Alles über ein unterschätztes Organ. Berlin: Ullstein Verlag 2014. S.160.
4 Deutsche Apotheker Zeitung: Arzneimittel und Therapie. Atopische Erkrankungen: Probiotika zur Prävention? URL: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2001/daz-29-2001/uid-1088 (02.08.2018).
5 Khaschei, Kirsten: Magen und Darm. Beschwerden heilen, lindern, vermeiden. Berlin: Stiftung Warentest 2013. S.19.
6 Arzbach, Verena: Allergieprävention. Fokus auf die Darmflora. URL: https://ptaforum.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=10235 (02.08.2018).