Windpocken — Kinderkrankheit mit Langzeitwirkung

Windpocken zählen zwar zu den typischen Kinderkrankheiten, dennoch sind sie keine harmlose Erkrankung. Das sogenannte Varizella-Zoster-Virus löst diese höchst ansteckende Infektionskrankheit aus. Typisch für den Verlauf der Windpocken (Varizellen) ist ein unangenehm juckender Hautausschlag mit sekrethaltigen Bläschen, der sich am gesamten Körper ausbreiten kann. Werden Erwachsene, insbesondere Schwangere, damit infiziert, kann dies zu ernsten Komplikationen führen.

Kleines Mädchen wird gegen Windpocken geimpft.

Im Überblick:

Ansteckung >>
Inkubationszeit>>
Symptome >>
Schwangere & Babys >>
Behandlung >>
Impfung>>

Ansteckung mit Windpocken: „Spielend leicht“

Am häufigsten erkranken Kinder im Vorschulalter an Windpocken. Gerade beim Spielen kommen sie einander sehr nahe – eine ideale Voraussetzung, um sich mit Krankheitserregern anzustecken. Die Übertragung des sogenannten Varizella-Zoster-Virus ist für den Ausbruch der Windpocken verantwortlich.

In erster Linie geschieht dies über die Luft, indem virushaltige Tröpfchen von Erkrankten durch Husten ausgeschieden und von Gesunden eingeatmet werden (Tröpfcheninfektion). Daher kommt übrigens auch der Name „Windpocken“ — sie werden buchstäblich mit dem „Wind“ übertragen. Selbst bei mehreren Metern Abstand zu infizierten Personen erfolgt möglicherweise eine Ansteckung. Doch auch das Sekret der Varizellen-Bläschen ist stark infektiös und kann bei direktem Körperkontakt per Schmierinfektion zu einem Ausbruch der Krankheit führen.

Inkubationszeit bei Windpocken

Die Inkubationszeit ist der Zeitraum zwischen der Ansteckung und dem Ausbruch (Auftreten der Symptome) einer Erkrankung. Bei Windpocken, beziehungsweise Varizellen, liegt sie bei etwa 14 bis 16 Tagen (seltener auch 8 bis 21 Tage).1 Noch während der Inkubationszeit, etwa ein bis zwei Tage vor Ausbruch des typischen Ausschlags, können die Windpocken bereits auf andere Menschen übertragen werden.2

Wer einmal in seinem Leben an Windpocken erkrankte, ist meist auf Lebenszeit immun gegen eine weitere Ansteckung. Ein zweites Mal stecken sich in der Regel nur Menschen an, bei denen die erste Infektion sehr schwach verlief. Allerdings steigt das Risiko, im weiteren Leben an einer Gürtelrose zu leiden, stark an. Diese bringt einen brennenden Hautausschlag mit sich und kann in schweren Fällen durch eine Verbreitung der Viren im Körper zu Sehstörungen, Lähmungen der Gesichtsmuskulatur oder Entzündungen des Gehirns führen. Schuld daran ist die Tatsache, dass die Erreger auch nach überstandener Erkrankung in den Nervenzellen verbleiben und im Laufe der Jahre erneut aktiviert werden können.

Juckende Bläschen am ganzen Körper? Symptome von Windpocken

Kommt es zu einer Ansteckung mit den Windpocken auslösenden Viren, treten zunächst uncharakteristische Symptome wie

  • Erschöpfung,
  • Unwohlsein und
  • Kopfschmerzen auf.

Im Anschluss an diese Krankheitszeichen kommt es zum typischen, juckenden Hautausschlag. Dieser zeigt sich zunächst in Form von hellroten Knötchen, die sich dann jedoch innerhalb von kürzester Zeit (wenige Stunden) weiterentwickeln zu flüssigkeitsgefüllten Bläschen, etwa in der Größe von Linsen.3 Nicht nur der Körper, auch die Kopfhaut und die Schleimhäute von Mund sowie Genitalien können betroffen sein.

Nach einigen Tagen platzen die Bläschen auf und heilen unter Krustenbildung ab. Typisch für den Windpocken-Hautausschlag ist, dass alle Stadien der Bläschenentwicklung gleichzeitig auftreten. So sind beispielsweise hellrote Knötchen — also entstehende Blasen — direkt neben bereits abheilenden Krusten zu finden.

Während die Windpocken bei Kindern relativ harmlos verlaufen, führen sie bei Erwachsenen häufig zu schweren Komplikationen. Der Hautausschlag ist wesentlich intensiver und auch hohes Fieber kann auftreten. Zudem besteht die Gefahr, an einer Lungen- oder Hirnhautentzündung zu erkranken.

Risiken für Schwangere und Babys

Erkrankt eine Frau während der Schwangerschaft an Windpocken, ist es möglich, dass die Erreger über die Plazenta auf den Embryo übertragen werden. Gerade während der ersten fünf Monate einer Schwangerschaft kommt es so möglicherweise zu schweren Fehlbildungen des ungeborenen Kindes.4

Hat eine Frau vor der Schwangerschaft bereits Windpocken durchlebt oder eine Impfung erhalten, besitzt sie Antikörper gegen das Varizella-Zoster-Virus. Diese werden auf ihr Kind übertragen (Nestschutz) und schützen es so vor einer Windpockeninfektion.

Kritisch wird es allerdings dann, wenn die Mutter noch nicht an Windpocken erkrankt war und sich kurz vor der Geburt ansteckt. Der mütterliche Körper hat nicht mehr genügend Zeit, Antikörper zu bilden und die Viren werden über die Plazenta auf das Ungeborene übertragen. Da der Säugling noch keine eigene Immunabwehr gebildet hat, können die Windpocken einen lebensbedrohlichen Verlauf nehmen.

So erfolgt die Behandlung von Windpocken

Da Windpocken bei Kindern in der Regel unproblematisch verlaufen, beschränkt sich die Behandlung im Normalfall auf die Linderung des Juckreizes. Der Arzt verordnet hierbei juckreizstillende und desinfizierende Puder und Lotionen, die auf die Bläschen aufgetragen werden.

Wichtig zu wissen!

Das Kratzen an den Bläschen sollte nach Möglichkeit vermieden werden, da sich sonst unter Umständen Narben auf der Haut bilden. Auch das Entstehen von schmerzhaften Hautentzündungen ist nicht ausgeschlossen.

Helfen können neben den ärztlich verordneten Tinkturen auch kühlende Kompressen, die auf die juckenden Hautareale gelegt werden. Zudem bietet sich das Kurzschneiden der Fingernägel an, um das Verletzungsrisiko durch Kratzen zu minimieren.

Erkrankte sollten in der Ansteckungsphase möglichst nicht mit anderen Menschen in Kontakt kommen — dies gilt insbesondere für Risikogruppen wie schwangere Frauen oder Neugeborene. Aber auch für immungeschwächte Personengruppen (beispielsweise während einer Krebstherapie) kann eine Infektion mit Windpocken einen dramatischen Verlauf nehmen.

Kommt es doch zum Kontakt, werden dem Risikopatienten Antikörper verabreicht, um den Ausbruch der Windpocken zu unterdrücken oder deren Verlauf abzuschwächen (passive Immunisierung). Diese Behandlung bietet jedoch keine absolute Sicherheit. Aus diesem Grund spielt die von der Ständigen Impfkommission (STIKO) des Robert Koch Instituts empfohlene Impfung gegen Windpocken eine große Rolle.

Sollten Windpocken in Ihrem Familien- oder Bekanntenkreis ausgebrochen sein, melden Sie oder der behandelnde Arzt dies bei Ihrem Gesundheitsamt. Laut Infektionsschutzgesetz gilt in Deutschland bei Auftreten der Windpocken die Meldepflicht, damit für gefährdete Personen (Risikopatienten) schnellstmöglich vorbeugende Maßnahmen eingeleitet werden können.5

Wie wichtig ist eine Impfung gegen Windpocken?

Zum Schutz vor den Folgen dieser Infektionskrankheit empfiehlt die STIKO eine Impfung gegen Windpocken. Diese erfolgt als aktive Immunisierung, was bedeutet, dass der Körper durch die Impfung dazu angeregt wird, selbstständig Antikörper zu bilden. Hierfür beinhaltet das Impfserum abgeschwächte, nicht ansteckungsfähige Varizella-Zoster-Viren.

Angeraten ist die Impfung für alle Kinder und Jugendliche. Gemäß der aktuellen Empfehlung erfolgt die

  1. Dosis im Alter von 11 bis 14 Monaten und die
  2. Dosis im Alter von 15 bis 23 Monaten.

Der Mindestabstand zwischen diesen beiden Impfungen muss vier bis sechs Wochen betragen.1 Bei bereits älteren, ungeimpften Kindern, sollte die Impfung gegen Windpocken sobald wie möglich nachgeholt werden.

Auch für folgende Personengruppen kann der Impfschutz sinnvoll sein:

  • Frauen mit Kinderwunsch, die bisher noch nicht an Windpocken erkrankt waren oder laut Antikörper-Test keine ausreichende Menge Antikörper gegen Windpocken besitzen.
  • Menschen vor einer Organtransplantation oder anderen Behandlungen, bei denen das Immunsystem medikamentös unterdrückt werden muss.
  • Patienten mit schwerer Neurodermitis.
  • Berufsgruppen, deren Risiko mit Erkrankten in Kontakt zu kommen, erhöht ist (beispielsweise Kinderärzte oder Kinderbetreuer).
  • Personen, die häufig mit Risikopatienten in Berührung kommen und das Varizella-Zoster-Virus auf diese übertragen könnten (zum Beispiel Ärzte, Pflegepersonal, pflegende Angehörige).

Grundsätzlich gilt: Meiden Sie generell den Kontakt mit Erkrankten, wenn Sie keinen ausreichenden Impfschutz haben oder bereits an Windpocken erkrankt waren. So schützen Sie nicht nur sich selbst vor einer Infektion, sondern auch andere Menschen, deren Immunsystem zu schwach ist, um sich selbstständig gegen das Virus zu wehren.

Windpocken-Partys

Unter einigen Eltern herrscht die Meinung, dass es für die Ausbildung des kindlichen Immunsystems vorteilhaft sein könnte, möglichst alle Kinderkrankheiten durchlebt zu haben. Daher veranstalten sie sogenannte Masern- oder Windpockenpartys. Hierbei werden gesunde Kinder absichtlich mit erkrankten Kindern zusammengebracht, um so eine Ansteckung zu provozieren.

Von dieser Methode sollte bei Masern wie auch bei Windpocken dringend abgeraten werden. Zwar sind schwere Verläufe im Kindesalter selten, jedoch nicht ausgeschlossen. Zudem besteht das Risiko, dass infizierte Kinder dann werdende Mütter, chronisch Erkrankte oder beispielsweise immungeschwächte Krebspatienten anstecken, für die diese Krankheiten schwerwiegende Folgen haben können.

Hier weiterlesen:

So können Sie Masern erkennen >>

Hautausschlag – ein Überblick >>

Warum entsteht Gürtelrose? >>




1Robert Koch Institut: Windpocken. URL: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Varizellen.html#doc2374554bodyText1, (18.10.2018).
2Kinderärzte im Netz: Windpocken. URL: https://www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/windpocken-varizellen/uebertragung/, (18.10.2018).
3Kinderärzte im Netz: Windpocken Symptome & Krankheitsbild. URL: https://www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/windpocken-varizellen/symptome-krankheitsbild/, (18.10.2018).
4Kinderärzte im Netz: Windpocken: Auswirkungen. URL: https://www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/windpocken-varizellen/auswirkungen/, (18.10.2018).
5Robert Koch Institut: Meldepflichtige Krankheiten. URL: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/IfSG/Meldepflichtige_Krankheiten/Meldepflichtige_Krankheiten_Erreger.pdf?__blob=publicationFile , (18.10.2018).