Lippenherpes bei Babys und in der Schwangerschaft – besteht Gefahr?

Die juckenden, brennenden Bläschen am Mund kennen viele Menschen. Wenn sie auftreten, befürchtet aber in der Regel niemand, dass Lippenherpes bedrohlich sein könnte. Das ist in den meisten Fällen auch nicht nötig. Doch bei bestimmten Personengruppen besteht die Gefahr von Komplikationen und einer Verschlimmerung des Zustands. Neugeborene zählen zu dieser Gruppe. Was Lippenherpes bei Babys bedeutet und worauf bei Lippenherpes in der Schwangerschaft geachtet werden muss, lesen Sie hier.

Schwangere Frau, die sich im spiegel anschaut. Schwangere und Babys können sich auch mit Lippenherpes anstecken.

Lippenherpes in der Schwangerschaft: Bitte vorsichtig sein!

Fast alle Menschen infizieren sich bereits im Kindesalter mit dem Herpes Virus, der dann im Nervus trigeminus (Gesichtsnerv) ruht und inaktiv bleibt. Ist das Immunsystem schwach, vermehrt er sich und wandert zum Mund, wo sich dann die bekannten Fieberbläschen bilden.

Während der Schwangerschaft sind Frauen, die mit dem Herpes-simplex Virus infiziert sind, allgemein sehr viel anfälliger für die Entstehung von Lippenherpes-Bläschen. Dies liegt an einer Doppelbelastung des Immunsystems der Mutter, das gleichzeitig für die körpereigene Abwehr und für die des Embryos arbeitet. Dadurch befindet sich das Immunsystem in einem leicht geschwächten Zustand, wodurch sich Schwangere zum Beispiel schneller eine Erkältung einfangen oder es wahrscheinlicher ist, in der Schwangerschaft Lippenherpes zu bekommen.

Wissenswertes:

Es gibt zwei Formen des Herpes-simplex Virus: Durch den Subtyp 1 (HSV 1) wird meist die Entstehung von Lippenherpes ausgelöst, wobei der zweite Subtyp (HSV 2) dem Genitalherpes zuzuschreiben ist. Da eine große Ähnlichkeit zwischen den Viren besteht, kann allerdings auch der HSV 1 Genitalherpes auslösen. Herpes-simplex Viren gehören zu den größten Viren und verweilen ein Leben lang im Wirt, also im Körper des Menschen.

Mütterlicher Lippenherpes ist in der Schwangerschaft ungefährlich für den Fötus. Allerdings sollten Sie darauf achten, dass Sie nach dem Berühren der Lippenbläschen gründlich die Hände waschen. Die Fieberbläschen sind hochansteckend und die enthaltenen Viren können bei Übertragung auf den Intimbereich ebenfalls Genitalherpes auslösen, welcher bei einem Ausbruch kurz vor der Geburt der Grund für einen Kaiserschnitt sein kann.

Kommt es während der Schwangerschaft zu einer Erstinfektion mit dem Herpes-simplex Virus und zu einem ungünstigen Verlauf, kann es passieren, dass sich der Virus im gesamten Körper ausbreitet und über den Mutterkuchen den Embryo infiziert. Dieses Szenario ist sehr selten, kann aber im schlimmsten Fall zu einer Fehlgeburt führen.

Lippenherpes beim Baby: Ansteckung vermeiden

Das Immunsystem ist bei Säuglingen noch nicht vollständig entwickelt, dadurch besteht die Möglichkeit, dass eine Infektion mit Herpes-Viren lebensgefährlich wird. Die Herpes-simplex Viren sind dann in der Lage, sich beim Neugeborenen ungehindert in den Organen zu verbreiten und Schäden hervorzurufen. Stecken sich Babys durch den Kontakt mit Lippenherpes bei Erwachsenen oder durch Genitalherpes der Mutter an, kann es zu drei verschiedenen Verlaufsformen kommen.

Lippenherpes-Ansteckung bei Babys: Verlaufsform 1

Bei dieser Form treten die typischen Herpesbläschen vor allem im Bereich der Augen, Schleimhäute und der Haut auf. An den Augen kann außerdem eine Bindehautentzündung entstehen. Komplikationen und Folgeschäden sind möglich, wenn das Baby durch schmerzende Bläschen im Mund die Nahrungsaufnahme verweigert oder sich durch die Bindehautentzündung Sehstörungen entwickeln, die bis zur Erblindung führen können.

Lippenherpes-Ansteckung bei Babys: Verlaufsform 2

Die Ansteckung des Babys mit Lippenherpes oder Genitalherpes kann bei dieser Verlaufsform zu einem Befall des zentralen Nervensystems mit den Viren und einer daraus resultierenden Gehirnentzündung (Enzephalitis) kommen. Eine sogenannte Herpes-Enzephalitis kann sich durch Fieber, Krampfanfälle und eine Trinkverweigerung des Babys äußern. Dadurch, dass die Viren ins Gehirn vordringen, können Sie Nervengewebe zerstören – dies kann lebensbedrohlich sein. Wird die Erkrankung frühzeitig erkannt und behandelt, können die Babys aber meistens vollständig geheilt werden.

Gut zu wissen!

Eine Herpes-Enzephalitis kann bei Neugeborenen, aber auch bei Erwachsenen auftreten. Die Erkrankung erfolgt meistens im Rahmen der Erstinfektion mit dem Herpes-Virus. Allerdings kann auch eine Reaktivierung des in den Nervenzellen ruhenden Virus eine Entzündung des Gehirns hervorrufen.

Lippenherpes-Ansteckung bei Babys: Verlaufsform 3

Bei der letzten und schlimmsten Form handelt es sich um eine systemische Verbreitung des Herpes-simplex im ganzen Körper. Der Virus befällt dann mehrere Organe wie zum Beispiel die Lunge und das zentrale Nervensystem. Eine Blutvergiftung (Infektionsausbreitung im ganzen Körper) und ein möglicherweise tödlich endendes Multiorganversagen können die Folgen dieser Virusverbreitung sein.

Wie können sich Babys mit Lippenherpes anstecken?

Es gibt eine Unterscheidung zwischen Genitalherpes (Herpes genitalis) und Lippenherpes (Herpes lipialis). Beide Formen werden in den meisten Fällen durch unterschiedliche Subtypen des Herpes-simplex-Virus ausgelöst. Allerdings kann auch der Subtyp 1, der eigentlich zu Lippenherpes führt, Genitalherpes hervorrufen. Ein Baby beziehungsweise ein Embryo kann sich auf verschiedene Weisen anstecken.

  • Genitalherpes in der Schwangerschaft: Leidet die Mutter während der Schwangerschaft an Herpes genitalis, besteht erst einmal kein Grund zur Sorge. Eine Behandlung des Genitalbereichs mit geeigneten antiviralen Salben sorgt für Besserung. Erfolgt die Ansteckung der Mutter allerdings erst kurz vor der Entbindung und/oder ist der Virus während der Geburt aktiv, kann dies ein Grund für einen Kaiserschnitt sein. Der Säugling könnte sich ansonsten im Geburtskanal mit dem Virus anstecken.

    Schon einmal etwas vom Nestschutz gehört?

    Generell gewährleistet der sogenannte Nestschutz eine gewisse Sicherheit für das Ungeborene und schützt das Baby vor einer Ansteckung mit Lippenherpes beziehungsweise Genitalherpes. Ist die Mutter mit Herpes-simplex Viren infiziert, werden die dafür gebildeten Antikörper über den Blutkreislauf an den Embryo weitergegeben. Dies kann das Baby vor den Viren behüten, allerdings wird das Risiko einer Infektion damit nicht komplett beseitigt.

  • Lippenherpes in der Schwangerschaft: Grundsätzlich ist es nicht gefährlich, wenn schwangere Frauen an Lippenherpes leiden. Werdende Mamas sollten allerdings beachten, dass sie sich nach einer Berührung der Herpesbläschen gründlich die Hände waschen und vor allem danach nicht den Genitalbereich berühren. Die Bläschen enthalten die Herpes-simplex Viren und sind sehr ansteckend.
  • Lippenherpes-Ansteckung bei Babys: Die Lippenherpes-Bläschen sind hochansteckend und die darin enthaltenen Viren können über Tröpfchen- oder Schmierinfektion weitergegeben werden. Erwachsene, die gerade an Lippenherpes leiden, sollten daher Neugeborene nicht küssen und sich nach jeder Berührung der Bläschen gründlich die Hände waschen. Auch durch Husten oder Niesen können sich die Viren verbreiten. Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, ist es sinnvoll, einen Mundschutz zu tragen, bis die Bläschen komplett verheilt sind.

Sollte sich der Säugling trotzdem mit den Herpes-simplex Viren infizieren, ist eine frühzeitige Diagnose sehr wichtig. Je früher mit einer passenden Behandlung begonnen werden kann, desto größer sind die Heilungschancen.

Eine Lippenherpes Ansteckung bei Babys rechtzeitig erkennen

Wenn sich Neugeborene mit Herpes-simplex Viren infiziert haben, ist es wichtig, sehr schnell zu handeln und eine geeignete ärztliche Behandlung einzuleiten. Deshalb sollten Sie die ersten Symptome einer Herpes-Infektion erkennen können. Da diese nicht immer gleich verlaufen und sich eine Lippenherpes Ansteckung beim Baby unterschiedlich äußern kann, sind hier die Anzeichen aufgeführt, die möglicherweise auftreten können:

  • Herpesbläschen im und um den Mund sind zu erkennen.
  • Das Kind verweigert die Nahrungsaufnahme.
  • Das Baby wirkt abwesend und benommen.
  • Es kommt zu Krampfanfällen und eventuell Fieber.

Diese Symptome können nach einer Infektion mit Herpes-Viren auftreten. Wenn Sie diese oder andere ungewöhnlichen Anzeichen bei Ihrem Säugling erkennen, insbesondere wenn in der letzten Zeit Menschen mit Lippenherpes in der Nähe des Kindes waren, suchen Sie sofort einen Arzt auf.

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