Küssen verboten? Alles über die Ansteckung mit Lippenherpes

Bei manchen Menschen bilden sich die mit Flüssigkeit gefüllten Bläschen immer wieder während einer Erkältung, bei anderen reicht ein Gefühl von Ekel aus: Lippenherpes ist unangenehm und obwohl nahezu die gesamte Bevölkerung mit dem verantwortlichen Herpes-simplex Virus lebt, bleiben viele vom Ausbruch der Krankheit verschont. Doch wie erfolgt die Ansteckung mit Lippenherpes und reicht bereits ein Kuss aus, um sich zu infizieren?

Ein Paar, das sich küsst. Die Ansteckung mit Lippenherpes kann über küssen erfolgen.

Ist eine Fieberblase ansteckend? Mehr zu Infektion und Krankheitsverlauf

Lippenherpes ist grundsätzlich eine sehr häufige, ungefährliche aber hochansteckende Krankheit. Die auslösenden Viren gehören zur Herpes-Familie und führen bei vielen Menschen zu brennenden oder juckenden Bläschen im Bereich der Lippen.

Da nahezu jeder Mensch bereits seit dem Kindesalter den Herpes-simplex Virus in sich trägt und die Ansteckung mit Lippenherpes meistens schon vor dem fünften Lebensjahr stattfindet, ist eine Infektion im Erwachsenenalter eher unwahrscheinlich. Die Übertragung des Virus kann generell über verschiedene Wege erfolgen:

  • Küssen und allgemein Berührung der Bläschen (Schmierinfektion)
  • Niesen, Husten (Tröpfcheninfektion)
  • Geschlechtsverkehr (Genitalherpes, meist ausgelöst durch den Herpes-simplex Virus Typ 2)

Vor allem beim Anfassen der ansteckenden, mit dem Virus gefüllten Fieberblasen ist das Risiko hoch, die Erreger aufzunehmen. Diese können von Beginn bis zur Abheilung weitergegeben werden. Ist eine Infektion erfolgt, bleibt sie zunächst oft unbemerkt. In seltenen Fällen macht sich der Virus bei der Erstinfektion durch Ausbildung der sogenannten Mundfäule bemerkbar. Dabei sind hauptsächlich Gaumen und Zunge entzündet, weiße Bläschen entstehen und das Zahnfleisch ist blutrot. Bei Folgeausbrüchen des Herpes Virus entstehen im Normalfall die bekannten Lippenbläschen.

Gut zu wissen!

Lippenherpes-Viren lassen sich in zwei Kategorien einteilen: Herpes-simplex Virus Typ 1 (HSV1) und Typ 2 (HSV2). 70-80 Prozent der Menschen sind mit dem ersten Subtyp infiziert, welcher in den meisten Fällen Lippenherpes (Herpes labialis) auslöst1. Der Typ 2 führt hauptsächlich zum sogenannten Genitalherpes (Herpes genitalis).

Nach der Lippenherpes-Ansteckung wandert der Virus über die Schleimhaut zu nahe gelegenen Nerven und nistet sich anschließend dort ein. Im Falle von Lippenherpes befinden sich die Viren meistens im Bereich des Nervus trigeminus, dem Gesichtsnerv, der für Empfindungen zuständig ist. An diesem Ort bleiben sie vor dem Immunsystem verborgen und sind ein Leben lang Teil des Körpers.

Die meiste Zeit befindet sich der Herpes-simplex Virus in einem inaktiven Stadium und vermehrt sich nicht. Die Ursache für den Ausbruch von Lippenherpes liegt in unserer körpereigenen Abwehr. Ist das Immunsystem geschwächt, zum Beispiel durch eine Erkältungsinfektion oder Stress, beginnt der Virus, sich zu vervielfachen, über die Nerven zu den Schleimhäuten zu wandern und die typischen ansteckenden Fieberblasen auszulösen. Einmal mit dem Virus infiziert, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass der Lippenherpes im Laufe des Lebens mehrfach ausbricht – dies wird in der Medizin auch als hohe Rezidiv-Tendenz bezeichnet.

Lippenherpes sinnvoll vorbeugen

Etwa 90 Prozent der Weltbevölkerung sind mit dem Herpes-simplex Virus infiziert2. Ob eine Person den Virus in sich trägt, kann über einen Bluttest festgestellt werden. Es ist nicht möglich, dabei den Zeitpunkt des Erstkontaktes mit dem Virus zu bestimmen.

Da fast jeder Mensch schon im Kindesalter mit dem Herpes Virus in Berührung kommt, ist es schwierig, einer Lippenherpes-Ansteckung vorzubeugen. Allerdings ist es möglich, dem Ausbruch von Lippenherpes durch Stärkung des Immunsystems vorzubeugen. Damit die ruhenden Herpes-Viren aktiv werden und sich vermehren, müssen verschiedene Faktoren auf den Körper wirken und dadurch das Abwehrsystem schwächen. Eine Vermeidung dieser Einflüsse, kann also helfen, um Lippenherpes vorzubeugen. Verschiedene Faktoren können zum Ausbruch beitragen:

  • schwaches Immunsystem: Eine bevorstehende Erkältung oder verschiedene Medikamente können das Immunsystem schwächen. Auch eine längerfristige Beeinträchtigung der Immunabwehr kann eine Aktivierung des Virus begünstigen: Zum Beispiel während einer Chemotherapie kann der Herpes-simplex Virus seine Chance ergreifen und sich vermehren, wodurch die ansteckenden Fieberbläschen entstehen.
  • körperlicher und psychischer Stress: Auch Stress führt bei einigen Menschen zum Ausbrechen von Lippenherpes. Der Grund ist der Einfluss der körperlichen oder psychischen Überlastung auf unser Immunsystem. Obwohl für uns meist nicht spürbar, kann Stress unser Immunsystem schwächen und so zu Lippenherpes führen.
  • Ekel: Auch dieses Gefühl kann unserer Immunabwehr einen Dämpfer geben und den Herpes-Viren die Vermehrung erleichtern. Über Blutuntersuchungen stellten Forscher fest, dass die Anzahl der sogenannten T-Lymphozyten (wichtige Zellen des Immunsystems) bei Ekel sinkt.
  • UV-Strahlung: Andere Ursache, gleiches Prinzip – UV-Strahlung ist ebenfalls in der Lage, unser Abwehrsystem zu schwächen, und fördert somit die Bildung des ansteckenden Fieberbläschens an der Lippe.

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Um Lippenherpes vorzubeugen, ist es wichtig, die Einflüsse, die dazu beitragen, zu minimieren. Die Fieberbläschen können vermieden werden, wenn beispielsweise die Haut und insbesondere die Lippen vor der Sonnenstrahlung mit Hilfe von Sonnenmilch oder Lippenpflegestiften mit hohem UV-Schutz geschützt werden. Ist Stress der Auslöser, sollte der Terminkalender etwas geleert oder Entspannungszeit eingeräumt werden.

Sich vor Ekel oder einer Erkältung zu schützen, ist hingegen schwieriger. Brechen die Fieberbläschen aus, ist es wichtig zu wissen, dass bereits die ersten Symptome von Lippenherpes schon ansteckend sind. Es ist also sinnvoll, niemanden zu küssen, bis die Herpesbläschen komplett abgeheilt sind, um eine Lippenherpes-Ansteckung zu vermeiden.

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1Bedynek, Emilia: Wirksamkeit und Verträglichkeit von 2-Hydroxypropyl ß-Cyclodextrin (2-HP-BCD) – Gel bei Patienten mit einem rezidivierenden Herpes genitalis in der Prodromalphase: eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte multizentrische Phase-II Studie. Dissertation. Medizinische Fakultät Charité – Universitätsmedizin Berlin 2014. S. 8.

2Die Techniker: Was ist Herpes? URL: https://www.tk.de/techniker/service/gesundheit-und-medizin/behandlungen-und-medizin/haut-und-geschlechtskrankheiten/was-ist-herpes-2017610. (16.03.2018)