Psoriasis vulgaris – die gemeine Schuppenflechte

Jeder Mensch kennt den quälenden Juckreiz, der nach einem Insektenstich auftritt. Betroffene der gemeinen Schuppenflechte, der Psoriasis vulgaris, spüren diesen nicht nur nach einer lauen Sommernacht am See, sondern sehen sich häufig jahrelang mit chronischem Juckreiz ihrer entzündeten Haut konfrontiert. Welche Symptome sind typisch für die Psoriasis vulgaris, die mit rund 90 Prozent der Erkrankten den ersten Rang unter den verschiedenen Arten der Schuppenflechte belegt? Wie entsteht diese Krankheit? Und welche Möglichkeiten haben Sie, den Leidensdruck zu mildern?

Übersicht

Frau mit Psoriasis Vulgaris

Was ist Psoriasis vulgaris?

Die Psoriasis vulgaris gehört zu den häufigsten Unterarten der Psoriasis, der Schuppenflechte. Der Name stammt von dem griechischen Wort „psao“ (ich kratze) und dem lateinischen Wort „vulgaris“ (alltäglich, gemein) ab und verdeutlicht eines der wichtigsten Symptome dieser Krankheit: gerötete, scharf begrenzte Hautareale mit silbrig-grauen Schuppen.

Diese einzelnen Entzündungsherde, auch Plaques genannt, können dabei winzig klein, aber auch flächenhaft groß sein. Da die Schüppchen stark jucken, versuchen Betroffene häufig, sie durch Kratzen zu entfernen. Beim Ablösen der Schuppen blutet die darunterliegende Haut in Form von kleinen Pünktchen, es entsteht der sogenannte „blutige Tau“.

Erklärung:
Bei der Psoriasis vulgaris ist die gesamte Haut erkrankt. Die nicht befallenen Hautstellen wirken nur scheinbar normal. Unter dem Mikroskop zeigen auch sie krankhafte Veränderungen.

Varianten der Psoriasis vulgaris

Die Plaques der Psoriasis vulgaris können an verschiedenen Körperbereichen und in veränderter Form auftreten. Je nach Zahl, Größe und Entwicklungsstadium lassen sich unterschiedliche Varianten (oder Erscheinungsbilder) unterscheiden:

  • Plaque-Typ-Psoriasis: Die Schüppchen dieser Variante sind in unterschiedlicher Anzahl über den ganzen Körper verteilt. Häufig bedecken sie die Kopfhaut, die Ohrmuschel und Stellen der Haut, die dauerhaft mit anderen Hautflächen in Berührung stehen, wie Achselhöhle, Leistenregion oder zwischen den Zehen (intertriginöse Stellen). Auch der Genitalbereich (unter der weiblichen Brust oder in der Analkerbe) ist häufig von der Plaque-Typ-Psoriasis betroffen. Rund 90 Prozent der an Psoriasis vulgaris Erkrankten leiden an dieser Variante.
  • Psoriasis der Kopfhaut: Diese Variante betrifft etwa 40 Prozent der Psoriasis vulgaris-Patienten. Die Bandbreite reicht von stecknadelgroßen Entzündungsherden an den Talgdrüsen (Psoriasis follicularis) über einzelne, runde Plaques bis hin zu einem totalen Befall der Kopfhaut. Die Grenze der Plaques verläuft zumeist parallel zum Haaransatz.
  • Psoriasis inversa: Bei dieser Erscheinungsform der Psoriasis vulgaris treten die Entzündungsherde vor allem in den Körperfalten (Analfalte, Achsel, Nabelgegend, Leistenpartie) und an den Handflächen und Fußsohlen auf. Die Psoriasis inversa kommt relativ selten vor und ist schwer zu diagnostizieren, da die typische Schuppung durch das feuchte Milieu in den Körperfalten fehlen kann. Die Plaques der Psoriasis inversa haben eine hell- bis dunkelrote Färbung und ähneln eher nässenden Schürfwunden, da sich entzündliche Flüssigkeit auf ihnen bilden kann.
  • Psoriasis punctata: Die Plaques der Psoriasis punctata sind lediglich punktgroß und befinden sich zumeist am Rumpf des Patienten. Werden sie etwas größer und verbreiten sich über den ganzen Körper, spricht man von einer Psoriasis guttata.
  • Psoriasis guttata: Die Herde der Psoriasis guttata treten zumeist plötzlich auf und haben die Form von Wassertropfen. Sie erreichen die Größe von Erbsen.
  • Psoriasis nummularis: Im Gegensatz zu den gerade beschriebenen Varianten mit kleinen Entzündungsherden, kommt es hierbei zur Bildung münzgroßer Plaques, die eine runde Form aufweisen.
  • Psoriasis geographica: Wenn die Plaques der Psoriasis vulgaris so groß und unregelmäßig werden, dass sie mit anderen Plaques zusammenfließen (konfluieren) und landkartenähnliche Muster bilden, spricht man von der Psoriasis geographica.

Die verschiedenen Erscheinungsbilder der Psoriasis vulgaris können sowohl einzeln als auch in Kombination auftreten. Viele Patienten mit Plaque-Typ-Psoriasis leiden zusätzlich an einer Schuppenflechte der Kopfhaut. Aus der häufigen Plaque-Typ-Psoriasis kann sich im Extremfall sogar eine erythrodermische Psoriasis entwickeln. Bei dieser ist die gesamte Hautoberfläche gerötet, die Schuppen sind feiner und fettiger als bei anderen Varianten der Psoriasis vulgaris. Die erythrodermische Psoriasis muss dringend im Krankenhaus behandelt werden und ist von anderen großflächigen Hautentzündungen schwer zu unterscheiden. Sie betrifft nur circa drei Prozent der Patienten.

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Die Diagnose der Psoriasis vulgaris

Die Abgrenzung zu anderen Arten der Schuppenflechte und ähnlich aussehenden Hautentzündungen orientiert sich unter anderem am Ort des Auftretens und am Aussehen der Schuppen. Zeigen sich an anderen als den genannten Hautregionen Entzündungen oder schmerzen die Gelenke, könnte dies ein Hinweis auf eine Psoriasis Arthritis sein. Gerötete Bläschen und Pusteln deuten eher auf eine Psoriasis pustolosa hin.

Psoriasis vulgaris oder Ekzem?

Eine Psoriasis vulgaris kann leicht mit Hautpilzerkrankungen oder einem Ekzem verwechselt werden, besonders wenn die Hautveränderungen nur schwach ausgeprägt sind. Auch von anderen Psoriasis-Typen ist sie manchmal nur schwer abzugrenzen.

Deswegen sollte zur Diagnose einer Psoriasis vulgaris auf jeden Fall ein erfahrener Hautarzt hinzugezogen werden. Dieser kann durch eine mikrobiologische Untersuchung und weitere Tests Klarheit verschaffen.

Immunkrankheit mit hohem Vererbungspotential

Die Ursachen, die zur Entstehung einer Psoriasis vulgaris führen, sind noch nicht eindeutig geklärt. Dies liegt unter anderem daran, dass häufig mehrere innere und äußere Faktoren zusammenwirken. Seit 20 Jahren weiß man, dass die Psoriasis vulgaris eine sogenannte Autoimmunerkrankung ist. Immunzellen richten sich also gegen körpereigene Zellen und verursachen eine übermäßige Produktion der Hornzellen in der obersten Hautschicht (Epidermis). Psoriasis vulgaris wird häufig vererbt, also über die Gene weitergegeben. Sind beide Elternteile betroffen, beträgt die Wahrscheinlichkeit der Vererbung einer Psoriasis vulgaris zwischen 60 und 70 Prozent. Allerdings reicht die Erbanlage alleine nicht aus, um die Krankheit auszulösen. Es müssen weitere, äußere Faktoren hinzukommen, um eine Psoriasis vulgaris zu verursachen. Beispiele für solche Faktoren sind:

  • Infektionskrankheiten wie Masern, Mandelentzündungen oder Mittelohrentzündungen
  • äußere Verletzungen oder Reizungen der Haut wie beim Sonnenbrand oder Tätowierungen
  • psychische Belastungen durch Stress
  • erhöhter Alkoholkonsum und Rauchen

Im Sommer bessert sich die Schuppenflechte meist unter dem Einfluss von Sonneneinstrahlung. In Maßen wirkt Sonnenlicht entzündungshemmend und unterdrückt das überreagierende Immunsystem.

Wann tritt Psoriasis vulgaris zum ersten Mal auf?

Die Psoriasis vulgaris kommt in jedem Lebensalter vor, ist jedoch im Säuglingsalter ausgesprochen selten. Häufig manifestiert sich die Psoriasis vulgaris erstmalig während der Pubertät, in den allermeisten Fällen tritt sie vor dem 40. Lebensjahr auf. Man unterscheidet zwei Typen der Psoriasis vulgaris:

Psoriasis vulgarisTyp 1Typ 2
Alter (bei Erstauftreten)Vor dem 40. LebensjahrNach dem 40. Lebensjahr
Gipfel15.-25. Lebensjahr50.-60. Lebensjahr
Anteil75 Prozent25 Prozent
Vererbunghäufignein
KrankheitsverlaufEher schwerer, mit häufigen RückfällenEher stabil, ohne große Rückfallneigung

Da Psoriasis vulgaris eine chronische Erkrankung ist und in Schüben verläuft, wechseln sich Phasen mit starken Beschwerden und Phasen mit relativer Beschwerdefreiheit ein Leben lang ab. Patienten des ersten Typs erreichen den Höhepunkt, oder Gipfel der Erkrankung, zwischen dem 15. – 25. Lebensjahr, anschließend klingen die Beschwerden ab. Dieser früh auftretende Typ der Psoriasis vulgaris kommt bei 75 Prozent der Betroffenen vor.

Verbesserung der Lebensqualität

Obwohl die Psoriasis vulgaris nicht geheilt werden kann, können eine sorgfältige Behandlung der Symptome und vorbeugende Maßnahmen die Lebensqualität Betroffener stark verbessern. Eine tägliche, konsequente Hautpflege mit rückfettenden und befeuchtenden Cremes schafft die Grundlage für den positiven Umgang mit Psoriasis vulgaris. Inhaltsstoffe wie Harnstoff und Salicylsäure helfen bei der Entfernung der Schuppen und haben den gewünschten rückfettenden Effekt. Als besonders schonend für den Organismus gelten sogenannte Keratolytika, welche die Plaques physikalisch von der betroffenen Stelle lösen und dabei helfen, die natürlichen Schutzfunktionen der Haut wiederherzustellen. Die schuppenlösende Wirkung dieser äußerlich aufzutragenden Mittel wird durch Inhaltsstoffe wie Dimeticone erreicht, die unter die Schuppen kriechen und deren Zusammenhalt zerstören.

Darüber hinaus helfen weitere äußere Anwendungen wie:

  • medizinisches Ölbad mit lauwarmem Wasser
  • Cremes mit Vitamin D
  • Wasser-Bad mit hohem Salzgehalt (zwischen 15 und 30 Prozent)
  • medizinische Bestrahlung mit UV-Licht
  • feuchte Umschläge mit Heilerde

Diese Maßnahmen können bei leichten bis mittelschweren Formen der Psoriasis vulgaris helfen. Für das psychische Wohlbefinden kann es hilfreich sein, Entspannungsübungen oder den Austausch in Selbsthilfegruppen in den Alltag zu integrieren. Denn obwohl die Psoriasis vulgaris definitiv nicht ansteckend ist, reagieren viele Menschen auf die Rötungen und Schuppen mit Ablehnung und Irritation. Da dies seelisch sehr belastend für die Erkrankten ist, sollte auch die Herstellung des seelischen Gleichgewichts in die Therapie einbezogen werden.

Bei schweren Verlaufsformen der Psoriasis vulgaris, oder wenn die äußerliche Anwendung nicht erfolgreich ist, können vom Arzt Medikamente verordnet werden. Diese enthalten häufig Vitamin-A-Abkömmlinge (Retinoiden), die die Entzündung bekämpfen und die Abschuppung beschleunigen. Auch cortisonhaltige Salben lindern den Juckreiz, sollten aber nur sparsam eingesetzt werden. Bei einer Langzeitanwendung führt Cortison dazu, dass die Haut an den behandelten Stellen dünner und infektionsanfälliger wird.

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