Creme selber machen: Volle Kontrolle über alle Inhaltsstoffe

Käufer industriell gefertigter Kosmetikprodukte suchen ihre Cremes, Lotionen und Shampoos meist nach drei Kriterien aus. Einen ersten starken Kaufanreiz stellt die Werbung dar. Sich den Versprechen von reiner Haut, glänzenden Haaren und ewiger Jugend zu entziehen, fällt schwer, obwohl die meisten Verlockungen der großen Hersteller einer kritischen Beurteilung nicht standhalten. Eine große Rolle spielen auch Empfehlungen durch Freunde, Bekannte und Verwandte. Und schließlich sind da die Traditionsmarken, die schon zu Lebzeiten der Urgroßeltern gekauft wurden. Nur: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Und wer die volle Kontrolle besitzen möchte, wird seine Creme selber machen. Wie das geht, lesen Sie nachfolgend.

Creme selber machen mit Kokosfett oder -öl

Warum Cremes selber machen?

Gerade Cremes, die je nach Zusammensetzung ein großes allergenes Potential besitzen, bieten sich für die Herstellung in Eigenregie besonders gut an. Industriell gefertigte Produkte besitzen eine große Menge an Inhaltsstoffen, die für die Konsistenz, Haltbarkeit, Form und Farbe sorgen sollen. Diese Inhaltsstoffe sind zu einem Teil verzichtbar. So enthält die Kosmetik-Verordnung einen Anhang mit fast 60 verschiedenen Verbindungen, die als künstliche Konservierungsmittel erlaubt sind, darunter Chlor-, Brom- und Quecksilberverbindungen. Statt solche synthetischen Zusätze zu verwenden, können Sie die Creme auf natürlichem Weg beispielsweise mit Alkohol konservieren. Menschen, die aufgrund ihrer trockenen Haut Alkohol meiden sollten, verzichten ganz auf das Konservieren.

Unser Tipp: Bereiten Sie kleine Chargen zu, die Sie schnell verbrauchen. Die Aufbewahrung der Creme im Kühlschrank ist für zwei Wochen möglich, denn auch die Kälte hemmt das Wachstum von Hefepilzen und Mikroben. So werden Konservierungsmittel überflüssig.

Was benötige ich für die Cremeherstellung?

Eine kleine finanzielle Investition in die Ingredienzien und benötigten Gerätschaften müssen Sie einrechnen. Haben Sie aber einmal die benötigten Inhaltsstoffe angeschafft, werden Sie feststellen, dass die Preise pro Tiegel tatsächlich mit Discounterware konkurrieren können. Bei den pflanzlichen Bestandteilen lohnt es sich, auf Produkte aus ökologisch-nachhaltigem Anbau zu achten.

Um die Creme selber zu machen, benötigen Sie:

  • Cremebasis (Fettphase): In diesem fertigen Gemisch befinden sich schon einige Grundstoffe, allerdings weder Konservierungsmittel, Emulgatoren oder Parfüms.
  • Zusatzstoffe, die auf Ihren Hauttyp abgestimmt sind wie Vitamine oder Hyaluronsäure.
  • Als Duftstoffe eignen sich ätherische Öle von Zitrusfrüchten oder Lavendel.
  • Pflanzliche Öle wie Nachtkerzenöl, Mandel- oder Sojaöl bringen eine pflegende Komponente in die Creme. Auch hier sollten Sie darauf achten, was für Ihren Hauttyp die geeignete Pflege ist.
  • Natürliche Emulgatoren wie Lecithin helfen, die wässrigen und öligen Bestandteile zu einer Emulsion zusammenzubringen.
  • Bienenwachs und Kakaobutter besitzen nicht nur einen angenehmen Duft, sie verleihen der Creme auch die richtige Konsistenz.

Um Ihre Cremes selber zu machen, benötigen Sie zudem diese Gerätschaften:

  • Apothekerfläschchen für lichtempfindliche Zutaten, Tropfpipetten, Messbecher und -löffel zur Dosierung, Dosen mit Schraubdeckeln und transparente Kunstflaschen zur Aufbewahrung der Rohstoffe sowie eine digitale Haushaltswaage, die in Ein-Gramm-Schritten wiegt und ein Thermometer.

Die Zutaten für Ihre selbstgemachte Creme sowie die Utensilien erhalten Sie in Ihrer Apotheke oder in speziellen Shops im Internet.

Grundsätzliches Vorgehen bei der Cremeherstellung

Chemisch betrachtet ist eine Creme eine Emulsion, also ein Gemisch, in diesem Fall von Fett und Wasser. Der Fettanteil besteht aus Pflanzenölen, Inhaltsstoffen für die richtige Konsistenz und einem Emulgator, der durch seine Eigenschaften die Verbindung zwischen Öl und Wasser herstellt. Diese Fettphase oder Cremebasis genannte Mischung können Sie bereits fertig in der Apotheke kaufen. Für das Rezept benötigen Sie außerdem eine Digitalwaage mit feiner Eichung in Grammschritten, zwei Gläser sowie ein Thermometer.

Vorgehensweise: Nun kommt die Fettphase in ein Glas und wird in einem Wasserbad auf 70 Grad Celsius erhitzt. Kurz vor dem Erreichen der Temperatur nehmen Sie den Behälter aus dem Wasser. Auf die gleiche Temperatur wird nun in einem anderen Glas destilliertes Wasser erhitzt. Achten Sie darauf, dass beide Hauptbestandteile die gleiche Temperatur beim Rühren haben. Das Wasser wird langsam in die Fettphase eingerührt. Anschließend wird die Masse in ein kaltes Wasserbad gestellt und so lange gerührt, bis die Creme 35 Grad Celsius erreicht. Jetzt kommen eventuell Frucht- oder Duftöle zur Aromatisierung hinzu und, je nach Hauttyp, beispielsweise Vitamine oder Hyaluronsäure. Fügen Sie einen Inhaltsstoff nach dem anderen hinzu. Erst zum Schluss wird das Konservierungsmittel (Alkohol) beigemengt, das Sie bei trockener Haut weglassen sollten. Die Mischung ist mit Konservierungsmittel bis zu zwei Monaten haltbar, ohne Konservierungsmittel circa zwei Wochen bei Kühlschranktemperatur.

Creme selber machen und Varianten ausprobieren

Creme selber zu machen, bedeutet auch, den Hautzustand gezielt zu verbessern oder zu erhalten. Die beschriebene Basiscreme können Sie variieren, indem Sie, je nach Hauttyp und/oder Allergie, verschiedene heilaktive Substanzen zusetzen. Dazu gehört beispielsweise Calendulaöl, das bei Hautentzündungen oder schlechter Wundheilung eingesetzt wird. Klettwurzelöl ist ebenso wie die Kamille für seine entzündungshemmende Wirkung bekannt. Sonnengestresste Haut freut sich über Aloe Vera. Bei oberflächlichen Entzündungen wirkt auch Arnika. Steinklee wiederum regt die Durchblutung an. Alle beschriebenen Heilpflanzen sind als Öle, in getrocknetem Zustand oder als wässrige Auszüge online zu erhalten.

Finaler Tipp: Bevor Sie sich selbst eine Creme herstellen, ist es ratsam, den Hauttyp von einer Kosmetikerin oder einem Dermatologen bestimmen zu lassen. So können Sie Hautirritationen vermeiden.