Botox®: Vom Gift zum Kosmetikstar

Das Botulinumtoxin ist eines der stärksten jemals entdeckten Gifte. Das Neurotoxin des Bakteriums Clostridium botulinum hemmt die Erregungsleitung der Nerven und lähmt dadurch die Muskulatur. Diese Eigenschaft wird seit den Achtziger Jahren für eine Reihe von Anwendungen in der Medizin genutzt. Anfang der Neunziger Jahre entdeckte auch die Kosmetik die Wirkung für sich: Unter dem Handelsnamen Botox® trat das Toxin hier eine steile Karriere als „Faltenglätter“ an.

Spritze zur Botox®-Anwendung

Die Dosis macht das Gift: Verwendung von Botulinumtoxin als Medikament

Das Bakteriengift Botulinumtoxin wurde Mitte des 19. Jahrhunderts als Verursacher bestimmter Lebensmittelvergiftungen (Botulismus) in verdorbenen Wurst- und Schinkenkonserven gefunden. Bereits damals schlugen Mediziner vor, das Gift zu medizinischen Zwecken zu verwenden. Es sollte aber über 120 Jahre dauern, bis das Botulinumtoxin als Therapeutikum genutzt werden konnte. Seit den Achtziger Jahren wird die hoch potente Substanz gegen eine Vielzahl von Leiden eingesetzt. Dazu zählen so unterschiedliche Erkrankungen wie beispielsweise Strabismus (Schielen), Muskelkrämpfe in Mund, Zunge, Schlund, Speiseröhre und Hals sowie Migräne. Elf verschiedene Typen des Giftes existieren, aber lediglich zwei – A und B – werden in der Medizin und Kosmetik verwendet. Im Jahr 1992 wurde erstmals die faltenglättende Wirkung des Botulinumtoxin A beschrieben, seit dem Jahr 2006 ist das Medikament zur kosmetischen Anwendung unter dem Handelsnamen Botox® in Deutschland zugelassen.

Lähmende Wirkung: Der Einfluss von Botox® auf Nerven und Muskeln

Seine toxische Wirkung entfaltet das Botulinumtoxin beziehungsweise Botox® direkt am Übergang zwischen der Nervenfaser und der Muskelfaser (motorische Endplatte). Das Gift verhindert die Ausschüttung des Neurotransmitters Acetylcholin. In der Folge kann der betroffene Muskel nicht mehr kontrahieren – er erschlafft. Diesen Effekt macht sich die Medizin für krampflösende Therapie beziehungsweise die Kosmetik bei der Faltenglättung zunutze. Eine andere Anwendung für Botox® ist die Behandlung übermäßigen Schwitzens (Hyperhidrose).

Botox® glättet Gesichtsfalten

Botox® wird gegen Mimikfalten eingesetzt. Diese Falten entstehen über Jahre hinweg durch die Muskelaktivität von Stirn und Gesicht. Besonders die so genannte Zornes- oder Glabella-Falte, eine senkrecht über der Nasenwurzel sitzende Stirnfalte und die Krähenfüße in den Augenwinkeln werden mit Botox® behandelt. Beide Faltenarten entstehen durch Muskelzug.

Zudem schreitet mit zunehmendem Alter der Abbau der für die Elastizität der Haut wichtigen Hautbestandteile Elastin und Kollagen voran. Gleichzeitig wird die Haut dünner und ihre Fähigkeit, Flüssigkeit zu binden, lässt nach. Nikotin- und Alkoholkonsum, wenig Schlaf, zu geringe Wasserzufuhr und Sonnenbäder beschleunigen den Prozess der Faltenbildung. Mimikfalten sind besonders auffällig und können ein Gesicht nicht nur älter, sondern auch mürrisch erscheinen lassen.

Nur Ärzte dürfen Botox® anwenden

Bei Botox® handelt es sich nicht um ein Kosmetik-, sondern ein Medizinprodukt. Aus diesem Grund darf das Nervengift nur von einem Mediziner injiziert werden. Meist bieten plastische/ästhetische Chirurgen, aber auch Dermatologen die Behandlung an. Vor der Anwendung sollten Arzt und Kunde ein umfassendes Beratungsgespräch über die Auswirkungen der Botox® -Injektion führen. Dabei sollte es nicht nur um Risiken und Nebenwirkungen gehen, sondern auch um die psychische Dimension: Wie wird das Umfeld auf das jugendlichere Aussehen reagieren, ist die Partnerin/der Partner einverstanden?

Der Arzt spritzt das Neurotoxin nach der Desinfektion in beziehungsweise in die Nähe der mimischen Muskeln. Je nach zu behandelnder Falte sind vier oder mehr Injektionen während einer Sitzung nötig. Allerdings tritt der erwünschte Effekt nicht sofort ein; erst nach circa zwei Tagen glätten sich die Falten. Ihre maximale Wirkung erreicht die Behandlung ungefähr nach ein bis zwei Wochen und hält danach bis zu sechs Monaten an.

Diese Punkte sollten Sie bei einer Botox®-Behandlung beachten:

Direkte medizinische Risiken bestehen nicht, allerdings sind Patienten mit Erkrankungen wie Myasthenia gravis (eine Nervenerkrankung, bei der die Acetylcholinrezeptoren blockiert werden) von der Anwendung ausgeschlossen. Auch Blutgerinnungsstörungen zählen zu den Ausschlusskriterien. Schwangere und Mütter in der Stillzeit sollten aus Sicherheitsgründen von der Behandlung absehen.

Die Gefahr des Botulismus, also einer Vergiftung, besteht nicht. Die im Handel befindlichen Botulinus-Präparate enthalten das gereinigte Gift in hoher Verdünnung. Der Arzt spritzt die Substanz in einer winzigen Dosis genau in den Muskel, der die unerwünschten Falten verursacht. So kann das Gift nicht wie bei einer oralen Anwendung in den gesamten Organismus gelangen. Durch die geringe Menge und die genaue Applizierung von Botox® sind Vergiftungen praktisch ausgeschlossen.
Die Wirksamkeit der Botox® -Injektion lässt nach spätestens einem halben Jahr nach. Der Wirkstoff ist nach dieser Zeit komplett abgebaut. Aus diesem Grund darf die Behandlung beliebig oft wiederholt werden.

Nebenwirkungen wie kleine Einblutungen, Schwellungen oder Hämatome sind durch die Art der Verabreichung durch Spritzen möglich. Der Einstich selbst ist durch die dünne Nadel, die der Arzt verwendet, erträglich. Allergien treten selten auf, sind aber nicht ausgeschlossen. Lassen Sie sich im Beratungsgespräch ausführlich über mögliche Risiken und Nebenwirkungen aufklären.
Häufig wird über maskenartig erstarrte Mimik nach Botox® -Behandlungen berichtet. Diese Nebenwirkung tritt dann auf, wenn der Arzt zuviel des Wirkstoffs injiziert. Sie ist jedoch keinesfalls die Regel, auch bei regelmäßigen Anwendungen nicht.

Der Kunde muss die Kosten für die Behandlung selbst tragen. Da es keine medizinischen Gründe für eine Botox®-Injektion gibt, tragen auch die Krankenkassen die Behandlungskosten von circa 200 bis 500 Euro pro Sitzung nicht.