Neurodermitis: Diagnose und Tests beim Arzt

Juckende, gerötete Haut, die immerzu trocken ist? Das sind typische Anzeichen von Neurodermitis, die auch bei der Diagnose der Hauterkrankung eine wichtige Rolle spielen – denn neben einem Anamnesegespräch ist die körperliche Untersuchung dabei ein wichtiger Bestandteil. Ergänzend können Blut- und Haut-Tests erfolgen, um die Diagnose „Neurodermitis“ zu festigen und mögliche Trigger (auslösende Faktoren) zu bestimmen.

Eine Blutampulle wird zur Diagnose von Neurodermitis benutzt

Erste Schritte bei der Diagnose von Neurodermitis

Der erste Schritt bei der Diagnose von Neurodermitis besteht in einem ausführlichen Anamnese-Gespräch, bei dem die Krankengeschichte erfasst wird. Dabei kommt unter anderem zur Sprache,

  • wie lange Beschwerden wie Juckreiz und trockene, gerötete Haut schon anhalten,
  • wie stark sie ausgeprägt sind und
  • an welchen Körperstellen sie auftreten.

Zudem ist wichtig, ob noch andere enge Verwandte unter sogenannten atopischen Erkrankungen leiden, zu denen neben Neurodermitis beispielsweise noch Allergien zählen. Der Hintergrund: die Veranlagung zu atopischen Erkrankungen gilt als erblich bedingt.

Anschließend folgt die körperliche Untersuchung. Hierbei nimmt sich der Arzt Zeit, die betroffenen Stellen genau in Augenschein zu nehmen. Für eine Neurodermitis spricht eine trockene, gerötete Haut mit starkem Juckreiz, auch Schuppenbildung ist möglich. In manchen Fällen klagen Betroffenen zudem über Knötchen oder Ekzeme.

Ein bekannter Neurodermitis-Test ist außerdem der sogenannte weiße Dermographismus. Hierbei wird zum Beispiel mit dem Fingernagel oder einem Stift fest über die Haut gestrichen. Wird die Haut an dieser Stelle kurz weiß – und nicht rot, wie bei einer gesunden Haut – ist das ein Hinweis auf Neurodermitis.

Erhärtet sich durch diese beiden Schritte der Verdacht auf Neurodermitis, kann die Diagnose noch durch weitere Tests gefestigt werden.

Per Bluttest den IgE-Spiegel messen

Häufig liegt bei Neurodermitis ein erhöhter Immunglobulin E-Spiegel im Blut vor, der mit einem Test festgestellt werden kann. Ärzte sprechen in diesem Fall von Neurodermitis vom extrinsischen Typ. Immunglobuline E (IgE) sind spezielle Eiweiße (Antikörper) und Bestandteile der Immunabwehr: Sie binden an körperfremde Stoffe und machen sie dadurch unschädlich. Gleichzeitig wird bei diesem Vorgang Histamin freigesetzt.

Allgemein wird davon ausgegangen, dass Histamin einer der Hauptverursacher von Juckreiz bei Neurodermitis ist.

Immunglobulin E kann jedoch auch an eigentlich harmlose Stoffe (Allergene) wie Pollen binden und so zu allergischen Reaktionen führen. Zwar ist Neurodermitis keine Allergie im klassischen Sinne, dennoch scheint eine gewisse Empfindlichkeit des Immunsystems bei der Erkrankung eine Rolle zu spielen.

Ob der Immunglobulin E-Wert im Blut erhöht ist, lässt sich mithilfe eines Bluttests herausfinden – und damit auch die Diagnose Neurodermitis erhärten. Dafür wird dem Patienten beim Arzt etwas Blut abgenommen und im Labor untersucht. Die Untersuchungsmethode hat jedoch ihre Grenzen, denn auch bei einem unauffälligen Immunglobulin E-Test kann die Diagnose Neurodermitis vorliegen. Das Testergebnis darf daher nur als weiteres Indiz gewertet werden.

Neurodermitis: Diagnose mittels Tests auf der Haut

Bei Verdacht auf Neurodermitis ist mitunter ein Haut- beziehungsweise Allergie-Test nützlich: Dadurch kann herausgefunden werden, ob die atopische Hauterkrankung möglicherweise durch bestimmte Allergene verschlimmert wird. Zudem kann mithilfe eines Haut-Tests auch eine Kontaktallergie festgestellt werden. Diese führt ebenfalls zu Ekzemen auf der Haut.

Ganz allgemein gesprochen werden bei einem Haut-Test die unter Verdacht stehenden Allergene mittels einer Testlösung auf die Haut gegeben. Dies geschieht zur Sicherheit immer unter ärztlicher Aufsicht. Zeigt die Haut anschließend Auffälligkeiten (wie Rötung oder Pustelbildung) oder entsteht Juckreiz, spricht das für eine Allergie gegen den Stoff.

Es gibt verschiedene Hauttests, die sich vor allem darin unterscheiden, auf welche Weise der Organismus mit dem möglichen Allergen in Kontakt gerät. Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten:

  • Ein Tropfen der Allergen-Testflüssigkeit wird auf die Haut gegeben und diese anschließend leicht angestochen (Pricktest).
  • Die Allergen-Testflüssigkeit wird in die Haut gespritzt (Intrakutantest).
  • In Creme gelöste Allergene werden mit einem Pflaster auf die Haut gebracht und luftdicht dort gehalten (Patchtest).

Bei Neurodermitis kommt zur weiteren Diagnose oft der sogenannte Atopie-Patchtest zur Anwendung. Hierbei werden die typischen Allergene wie Hausstaubmilben, Pollen und Tierhaare geprüft. Sie sind einzeln in Test-Salben enthalten, die auf die Haut gebracht und mit einem speziellen Pflaster abgeklebt werden. Das Pflaster ist in der Regel in mehrere Kammern geteilt, je eine für die jeweilige Allergen-Salbe.

Im Gegensatz zum Prick-Test verbleiben beim Atopie-Patchtest die Allergene relativ lange auf der Haut – erst nach zwei und drei Tagen wird geschaut, ob eine Reaktion zu sehen ist. Bilden sich Ekzeme, ist das ein Hinweis auf eine überempfindliche Reaktion des Immunsystems. Da jedes Allergen für sich geprüft wird, ist es möglich, genau zu sagen, auf welche Stoffe die Haut reagiert. Diese Trigger sollten Betroffene möglichst meiden, um die Therapie von Neurodermitis zu unterstützen und Krankheitsschüben entgegenzuwirken.