Milchschorf bei Babys und Kindern

Milchschorf ist eine frühe Form der Neurodermitis, auch atopisches Ekzem oder atopische Dermatitis genannt. Unter einem Ekzem verstehen Mediziner juckende, trockene und schuppige Hautausschläge. Sie beginnen in der Regel im Gesicht (vor allem an den Wangen) und breiten sich von dort auf den Hals oder die Arme und Beine sowie in den Gelenkfalten aus. Der „echte“ Milchschorf ist die häufigste Form des Ekzems bei Kindern und entwickelt sich zwischen zwei und fünf Monaten. Das spiegelt sich auch in der Benennung wieder. Der Milchschorf trägt seine Bezeichnung nämlich deswegen, weil er im Aussehen an eine im Topf angebrannte Milch erinnert. Häufig wird dieser „echte“ Milchschorf als Symptom einer späteren Neurodermitis mit einem anderen Ekzem verwechselt, dem Kopfgneis (sebhorroisches Ekzem).

Milchschorf ist eine juckende Hautkrankheit im Säuglingsalter und wird häufig mit Kopfgneis verwechselt.

Wie genau äußert sich Milchschorf eigentlich?

Zunächst einmal sind viele Eltern verunsichert, wenn ihr Baby Verkrustungen am Kopf und im Gesicht bekommt, und machen sich erst einmal große Sorgen. Nur allzu verständlich. Umso wichtiger ist es, die richtige Diagnose zu erhalten, was einen Besuch beim Arzt notwendig macht.
Da ein Säugling eine Vielzahl von Hautkrankheiten an den Augenpartien, auf der Stirn, an der Nase und auf der Kopfhaut bekommen kann, gilt es zunächst die wichtigsten Informationen festzuhalten:

  • Milchschorf ist eine frühe Form des atopischen Ekzems beziehungsweise der Neurodermitis. Dabei kann das Baby im weiteren Lebensverlauf an Neurodermitis erkranken, muss aber nicht.
  • Der Milchschorf tritt meist erst auf, wenn der Säugling ein paar Monate alt ist.
  • Zunächst ist beim Milchschorf oftmals lediglich ein Ausschlag mit Rötungen und Bläschen auf der Kopfhaut sichtbar. In der Folge entstehen entzündete und meist weißlich-gelbliche Verkrustungen, die sich ebenso an den Wangen, an der Stirn sowie im gesamten Bereich des Kopfes befinden können.
  • Milchschorf ist für das Baby sehr unangenehm, da er stark juckt, weshalb es entsprechend unruhig ist.
  • Das Abheilen des Milchschorfs dauert sehr lange, manchmal sogar Jahre.

Da viele Eltern die verschiedenen Hautausschläge nicht richtig einordnen können, sei an dieser Stelle erwähnt, dass der Milchschorf nichts mit dem Kopfgneis zu tun hat. Dies ist ein Erscheinungsbild des seborrhoischen Ekzems, welches ebenfalls in den ersten Lebensmonaten auftritt. Die Symptome unterscheiden sich von denen des Milchschorfs insofern, als dass der Kopfgneis meist schon in den ersten Lebenswochen auftritt, sehr schnell von alleine wieder verschwindet und nicht juckt. Der Kopfgneis ist somit wesentlich harmloser für das Baby als der Milchschorf.

Sie möchten sich noch weiter informieren? Hier finden Sie detaillierte Informationen zu den Syptomen von Milchschorf und den Unterschieden zwischen Kopfgneis und Milchschorf.

Welche Ursachen führen zu Milchschorf?

Der genaue Grund für das Entstehen von Milchschorf ist in der Medizin noch nicht endgültig geklärt. Fest steht jedoch, dass eine erbliche Veranlagung für Neurodermitis vorliegen muss. Bei den Betroffenen sind zum einen Auffälligkeiten im Immunsystem zu finden: So treten erhöhte Konzentration an Immunglobulin E (IgE) im Blut auf. Diese Antikörper spielen bei der Entstehung von Allergien eine große Rolle. Darüber hinaus tritt Milchschorf bei einer gestörten Barrierefunktion der Haut auf. Hierbei kann die Haut ihre Schutzfunktion nur unzureichend erfüllen. Durch eine Unterfunktion der Talg- und Schweißdrüsen ist die Haut dieser Babys trockener und empfindlicher. Nicht zuletzt spielt das Nervensystem als Ursache eine wichtige Rolle, nämlich dann, wenn es empfindlicher auf verschiedene Reize reagiert, wie beispielsweise Hitze oder Reizstoffe.

Wenn nun ein Kind die Veranlagung zu einer Neurodermitis hat, wird der akute Krankheitsschub durch bestimmten Faktoren ausgelöst, die von Kind zu Kind unterschiedlich sein können. Babys mit Milchschorf reagieren beispielsweise allergisch auf bestimmte Lebensmittel. Zu den häufigsten Auslösern zählen Milch, Ei, Nüsse und Schokolade. Auch Hautreizungen durch Temperaturschwankungen, kosmetische Produkte sowie psychische Faktoren (Stress) gehören zu den Auslösern. In der Folge finden Abwehrreaktionen statt, die zu den entzündlichen Hautstellen führen.

Wie behandle ich Milchschorf bei meinem Baby am besten?

Das für das Baby unangenehmste Symptom des Milchschorfs ist sicherlich der damit verbundene starke Juckreiz. Ein Kratzen verschlimmert die Situation noch und führt zu mehr Schmerzen bis hin zu blutenden aufgekratzten Stellen. Da das Jucken die Hautentzündungen zusätzlich verstärkt, entsteht ein Teufelskreis.

Die Behandlung des Milchschorfs hat zum Ziel, den Hautausschlag für das Baby durch geeignete Maßnahmen erträglicher zu machen. Dazu gehört in erster Linie die richtige Basispflege der Haut, um die Schutzfunktion der Haut beispielsweise durch die Verwendung pH-neutraler und parfumfreier Produkte zu verbessern. Zusätzlich hilft das Auftragen einer feuchten Creme, die gleichzeitig fettig ist und somit die Verkrustungen löst.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, aus welchen Bestandteilen geeignete Cremes zusammengesetzt sind. Viele Eltern schwören bei der Behandlung des Milchschorfs auf homöopathische Mittel oder nutzen Heilpflanzen, um die Verkrustungen am Kopf ihres Babys zu beseitigen. In vielen Fällen hat es sich beispielsweise bewährt, die betroffenen Stellen des Kopfes mit Pflanzenölen wie Olivenöl einzureiben und die Krusten aufzuweichen, da diese sich auf diese Weise leichter entfernen lassen. Allerdings lässt sich das Öl erst durch mehrmaliges Auswaschen ganz vom Kopf und den Haaren lösen. Um die Verkrustungen bei Milchschorf sanft zu lösen, gibt es Präparate aus der Apotheke, die den gleichen Effekt erzielen und sich leicht ausspülen lassen.

Sie sollten jedoch unbedingt einen Facharzt zurate ziehen und mit diesem die geeignetste Form der Behandlung für Ihr Baby wählen. Ein Dermatologe oder Kinderarzt verschreibt bei komplizierteren Krankheitsverläufen entzündungshemmende Medikamente, wie beispielsweise Kortisoncremes zum Auftragen oder Kortisonpräparate zum Einnehmen. Gegen den Juckreiz kann er sogenannte Antihistaminika verschreiben, welche den Botenstoff Histamin, der bei Allergien eine große Rolle spielt, hemmen. Bei bakteriellen Hautinfektionen werden Antibiotika verabreicht. Was hingegen nicht empfohlen wird, ist eine mechanische Entfernung (Abkratzen) des Milchschorfs, weil dies nicht nur schmerzhaft für den Säugling ist, sondern ebenso Wunden entstehen lässt.

Lässt sich Milchschorf durch Vorbeugen verhindern?

Die Ursache für Milchschorf wird von Medizinern in einer erblichen Veranlagung gesehen. Daran lässt sich nichts ändern. Allerdings können Sie selbst etwas dafür tun, um der Entwicklung einer Neurodermitis entgegen zu wirken. So haben Kinder die mehrere Monate gestillt wurden beispielsweise ein geringeres Risiko als nichtgestillte Kinder. Eine andere, hoffnungsvolle Strategie zur Vorbeugung ist die Einnahme bestimmter probiotischer Darmbakterien, vor allem während des letzten Schwangerschaftsdrittels und der ersten sechs Lebensmonate des Kindes. Die Studienlage zum Erfolg dieser Methode ist allerdings widersprüchlich: Einige Studien berichten von einem positiven Effekt, andere können dies nicht bestätigen¹. Was dem Baby und seiner Haut in jedem Falle zugutekommt, ist der Verzicht aufs Rauchen.

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¹Rather, I. et al. (2016); Probiotics and Atopic Dermatitis: An Overview; Front. Microbiol. ( http://journal.frontiersin.org/article/10.3389/fmicb.2016.00507/full)