Talgdrüsen – Wissenswertes zur Talgproduktion und Erkrankungen

Talgdrüsen sind fast am ganzen Körper zu finden. Die Produktion wird hormonell durch Androgene (Sexualhormone) angeregt. Auch wenn viele mit dem Wort „Talgdrüsen“ möglicherweise erst einmal unangenehme Assoziationen haben wie fettig und schmierig – überflüssig sind Talgdrüsen keineswegs. Sie haben wichtige Aufgaben inne, zum Beispiel schützen sie unsere Haut vor dem Austrocknen. Doch was passiert, wenn Erkrankungen der Talgdrüsen auftreten, da sie zum Beispiel verstopft oder entzündet sind? Wir klären auf.

Talgdrüsen – Überblick

Die schematische Darstellung zeigt, dass Haar und Talgdrüse anatomisch miteinander verbunden sind.

Aufbau und Funktion
Talgproduktion
erkrankte Talgdrüsen
Acne vulgaris
Periorale Dermatitis
Hautpflegetipps

Aufbau und Funktion von Talgdrüsen

Talgdrüsen sind exokrine Drüsen, was bedeutet, dass sie ihr Sekret nach außen abgeben. Sie sitzen unter der Oberhaut in der sogenannten Lederhaut (Dermis) und münden größtenteils in die Hülle der Haare (Haarbalg oder Haarfollikel). Wie gelangt der Talg nun vom Drüsenkörper und dessen großen Talgzellen über das an der Talgdrüse befindliche Haar an die Oberfläche der Haut? Die Talgdrüse arbeitet holokrin. Das heißt, die Talgdrüsenzellen lagern während ihrer Reifung Fetttröpfchen ein – solange, bis die Zellen gut gefüllt sind. In einem weiteren Schritt lösen sich die Zellen auf und der Inhalt entleert sich in die Ausführungsgänge, über die das von den Talgdrüsen produzierte Sekret das Drüsengewebe verlässt. An der Hautoberfläche angelangt, bildet sich eine dünne Fettschicht, die die Haut vor

  • dem Austrocken,
  • Hautkrankheiten,
  • Krankheitserregern sowie
  • Chemikalien schützt und
  • die Haut geschmeidig und stabil sowie Haare glänzend macht.

Sieben Tage vergehen – vom Platzen der vollen Talgdrüsenzelle bis der Talg an der Hautoberfläche angelangt. Berücksichtigt man die vorhergehende Talgproduktion, dauert es sogar vier Wochen vom ersten Hormonsignal auf die Talgdrüse bis zur Ausscheidung.

Hätten Sie´s gewusst?
Am dichtesten pro Quadratzentimetern mit Talgdrüsenhaarfollikeln besetzt ist die Kopfhaut: Es sind 900 an der Zahl. Platz zwei belegt die Stirn mit 400, Platz drei der Rücken mit 160 und Platz vier Arme und Beine mit weniger als 501. Durchschnittlich werden bei einem jungen Erwachsenen circa 2 Gramm Talg täglich produziert2. Mit zunehmendem Alter nimmt die Aktivität der Talgdrüsen nach und nach ab, weshalb die Haut im Alter dazu neigt, trockener zu werden.

Wie viel Talg produziert der Körper?

Die Talgproduktion ist abhängig von der Größe und Aktivität der Talgdrüsen und kann schwanken, sei es aus individuellen, altersbedingten oder eben regionalen Gründen, denn: Die Anzahl und Anordnung von Haaren und Talgdrüsen ist je nach Körperregion sehr verschieden. Stärkster regulierender Faktor sind Androgene, das sind männliche Sexualhormone. Sie sorgen dafür, dass die Talgdrüsen wachsen und eine vermehrte Talgproduktion stattfindet.

Wie ändert sich die Talgproduktion im Verlauf des Lebens? Eins vorneweg – es herrscht ein ziemliches auf und ab: Nach der Geburt ist die Aktivität der Talgdrüsen sehr hoch, sie sinkt dann im Kleinkindesalter rapide ab, steigt durch die erhöhte Ausschüttung von Androgenen in der Pubertät wieder signifikant an und wird mit zunehmendem Alter immer weiter rückläufig. Die Haut wird immer trockener, bis im Alter die Talgproduktion nahezu gänzlich zum Erliegen kommt.

Gibt es auch Talgdrüsen, die keine Verbindung zu Haaren haben?

Ja, es gibt isolierte, sogenannte „freie“ Talgdrüsen, die überall dort vorkommen, wo die Haut in Schleimhaut übergeht, zum Beispiel an Augenlidern und Lippen (ektope Talgdrüsen). Nur an Handtellern, Fußsohlen sowie an Finger- und Zehenballen fehlen die Talgdrüsen komplett.

Erkrankte Talgdrüsen – wie es dazu kommt und was Betroffene dagegen unternehmen können

Krankheiten der Talgdrüsen sind in der Regel auf Regionen mit Talgdrüsenfollikeln beschränkt (Gesicht, Rumpf). Im Folgenden werden zwei Krankheitsbilder vorgestellt.

Acne vulgaris – einer der häufigsten dermatologischen Erkrankungen

Eine übermäßige Talgproduktion (Seborrhoe) ist ein typisches Symptom bei der bekanntesten Akneform, der Acne vulgaris. Sie entsteht durch den Verschluss der Haarfollikel und die nachfolgenden – zum Beispiel durch eine bakterielle Besiedlung ausgelöste – Entzündungen und zeichnet sich durch Mitesser, Papeln (Knötchen) oder Pusteln aus. Auch wenn die Akne sowohl im Neugeborenenalter als auch im höheren Erwachsenenalter auftreten kann – meist plagt sie Menschen in der Jugend, fast jeder ist in diesem Alter betroffen3.

Es gibt verschiedene Verläufe der Hauterkrankung:

  • Bei 60 Prozent verläuft die Hauterkrankung mild, sie bekommen die Akne auch ohne ärztliche Behandlung wieder in den Griff (Acne vulgaris Grad I–II).
  • Bei den anderen 40 Prozent verläuft die Erkrankung akut bis chronisch, die Talgdrüsen sind hochgradig entzündet, was letztendlich auch zu starker Vernarbung der Haut führen und für die Betroffenen psychisch sehr belastend sein kann (höhere Schweregrade III und IV sowie Acne conglobata, eine schwere Verlaufsform der Acne vulgaris).4

Schwere Formen der Akne sind oft familiär gehäuft, Jungen sind häufiger davon betroffen.
Je nach Schweregrad gibt es verschiedene Therapieoptionen:

  • Komedolytische Therapie: Hier wird Vitamin A-Säure auf die betroffenen Hautpartien aufgetragen. Diese wirkt der Verhornung im Ausführungsgang der Drüsen entgegen, löst bestehende Hornpfröpfe auf – damit der angestaute Talg entfernt werden kann – und verhindert zudem, dass sich neue Mitesser bilden.
  • Isotretinoin: Der pharmazeutische Wirkstoff wird vor allem bei schwerer Akne eingesetzt. Es handelt sich dabei um ein synthetisches Retinoid (chemische Substanz), das eine ähnliche chemische Struktur aufweist wie Retinol, Vitamin A. Durch die Gabe von Isotretinoin bilden sich die Talgdrüsen reversibel zurück, die Acne vulgaris kann abheilen.
  • Antibakterielle Therapie: Die alleinige Therapie mit Antibiotika wie zum Beispiel Erythromycin, Clindamycin, Tetracycline oder Minozyklin ist nicht sinnvoll, sie sollte immer zusammen mit einer komedolytischen (Mitesser auflösenden) Begleitbehandlung einhergehen. Aber Achtung: Isotretinoin und Tetracycline dürfen nicht zusammen verabreicht werden, da die Gefahr einer Hirndruckerhöhung (Pseudotumor cerebri) besteht.
  • Orale empfängnisverhütende Mittel (Anti-Baby-Pille): Durch deren antiandrogene Wirksamkeit kann sich die Akne verbessern.

Was nicht hilft bei Acne vulgaris sind Diäten, die lokale Desinfektion und oberflächliche Entfernung von Hautfett und -keimen mithilfe von Seifen, UV-Bestrahlungen sowie chemische Peelings.

Bitte beachten Sie:
All die genannten Therapiemöglichkeiten können Nebenwirkungen haben, wie zum Beispiel Hautirritationen, erhöhte UV-Empfindlichkeit, Austrocknung von Haut und Schleimhäuten, Kopfschmerzen, Leberfunktions- und Fettstoffwechselstörungen oder eine paradoxe Verschlechterung der Akne mit Fieber. Lassen Sie sich ausführlich von Ihrem Hautarzt über mögliche Nebenwirkungen aufklären und beraten, welche Behandlungsmethode in Ihrem individuellen Fall am besten geeignet ist.

Periorale Dermatitis – die „Mannequin-Krankheit“

Wer unter einer perioralen Dermatitis leidet, kämpft mit den Folgen von Hautirritationen im Gesicht:

  • Die Haut spannt, brennt und es bilden sich entzündliche Knötchen und Pusteln.
  • Typisch sind auch Hautrötungen im Bereich der Lider, Augenwinkel und Wangen.
  • Auch im Bereich des Mundes kommt es zu geröteten Stellen, nur ein Saum unmittelbar um die Lippen wird davon ausgespart.

Grund für diese Hauterkrankung ist in den meisten Fällen der übermäßige Gebrauch von Make-up und Hautpflegemitteln – daher die Bezeichnung „Mannequin-Krankheit“ oder „Stewardessen-Krankheit“. Vorwiegend Frauen im Alter von 16 bis 45 Jahren sind von der belastenden, wenn auch nicht ansteckenden Hauterkrankung betroffen. In Deutschland leiden circa sechs Prozent darunter.5

Durch eine übermäßige Hautpflege, also der Anwendung von zu großen Mengen an Feuchtigkeitscremes und dergleichen, kann die Haut überfeuchten. Das zu viel an Pflegeprodukten führt dazu, dass

  • die Follikel im Gesicht aufquellen,
  • sich die Bakterien in den Follikeln vermehren,
  • und es dadurch letztendlich zu entzündeten Talgdrüsen kommen kann.

Cortison-haltige Cremes als Behandlungsmethode sind in der Regel kontraproduktiv. Zwar bekämpfen sie im ersten Moment die Entzündung, doch nach dem Absetzen verschlechtert sich die Symptomatik. Am besten ist es, die Haut von bisher verwendeten Tages-, Nacht- und Antifaltencremes zu entwöhnen. Welche Behandlungsmöglichkeiten und Hausmittel es noch gibt, erfahren Sie im Artikel „Periorale Dermatitis“.

Talgdrüsen entfernen – geht das?

Verstopfte Talgdrüsen können so stark anschwellen, dass sogenannte Talgzysten (umgangssprachlich Grützbeutel) entstehen, die sogar die Größe einer Mandarine erreichen können. Idealerweise werden Talgzysten operativ entfernt, noch bevor sich eine Infektion bildet. Um zu verhindern, dass die Talgdrüsen erneut anschwellen, wird die komplette Talgzyste entfernt. Die Krankenkassen übernehmen an dieser Stelle nur die Kosten für medizinisch notwendige Eingriffe. Sobald rein kosmetische Gründe im Vordergrund stehen, müssen Betroffene selbst für die Kosten aufkommen.

Pflege für jeden Hauttyp

Wie pflegt man denn nun die Haut richtig, wenn es eigentlich mit der Hautpflege nicht übertrieben werden darf? An erster Stelle steht die gründliche Reinigung der Haut, um sie von Schmutz, Schweiß, Talg und Make-up zu befreien.
Tipps für verschiedene Hauttypen:

  • fettige Haut: Ist die Haut fettig, produzieren die Talgdrüsen zu viel Hautfette (Seborrhoe). Hier helfen feuchtigkeitshaltende und leicht austrocknende Produkte.
  • trockene Haut: Vor allem mit zunehmenden Alter erneuern sich die Hautzellen nicht mehr so schnell, die Talgdrüsen produzieren weniger Fett (Sebostase). Wer unter trockener und empfindlicher Haut leitet, sollte eher fetthaltige Präparate benutzen.

Die Haut ist unser flächenmäßig größtes Organ – tragen Sie aktiv Ihren Teil dazu bei, die Haut zu schützen und richtig zu pflegen. Weitere Tipps zur Hautpflege, die unabhängig vom Hauttyp sind, finden Sie hier.


 
1 Adler, Yael: Hautkrankheiten : Symptome, Therapie, Beratung. Stuttgart, 2012, S. 12
2 Ebd., S. 13
3 Gollnick, Harald P.; Zouboulis, Christos C.: Akne ist nicht gleich Acne vulgaris, in: Deutsches Ärzteblatt Int 2014; 111(17): 301-12
4 Ebd.
5 Pharmazeutische Zeitung online, abgerufen unter: http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=57425, Stand: 23.08.2017