Windpocken

Windpocken zählen zwar zu den typischen Kinderkrankheiten, dennoch ist sie keine harmlose Erkrankung. Das sogenannte Varizella-Zoster-Virus löst diese höchst ansteckende Infektionskrankheit aus. Typisch für den Verlauf der Windpocken ist ein unangenehm juckender Hautausschlag mit sekrethaltigen Bläschen, der sich am gesamten Körper ausbreiten kann. Werden Erwachsene, insbesondere Schwangere, damit infiziert, kann dies zu ernsten Komplikationen führen.

Kleines Mädchen wird gegen Windpocken geimpft.

Windpocken – eine typische Kinderkrankheit mit Langzeitwirkung

Am häufigsten erkranken Kinder im Vorschulalter an Windpocken. Gerade beim Spielen kommen sich die Kinder nahe – eine ideale Voraussetzung, um sich mit Krankheitserregern anzustecken. Die Übertragung des sogenannten Varizella-Zoster-Virus ist für den Ausbruch der Windpocken verantwortlich. In erster Linie geschieht dies durch Körperkontakt oder über die Luft, indem Keime eingeatmet werden, die von erkrankten Personen stammen. Circa 90 Prozent der 14-Jährigen haben die Windpocken bereits durchlebt. Wer einmal in seinem Leben an dieser Infektion erkrankte, ist meist auf Lebenszeit immun gegen eine weitere Ansteckung. In der Regel brechen die Windpocken im Winter oder im Frühjahr aus.

Juckende Bläschen am ganzen Körper

Kommt es zu einer Ansteckung mit dem Windpockenvirus, kann es bis zu zwei Wochen dauern, ehe die Krankheit überstanden ist. Sind Windpocken einmal ausgebrochen, zeigt sich ein heftig juckender, roter Hautausschlag. Vor allem an Bauch, Rücken und Gesicht, aber auch an anderen Körperstellen bilden sich in Schüben Bläschen, die mit einer hochinfektiösen, klaren Flüssigkeit gefüllt sind.

Mit der Zeit trocknen die Windpockenbläschen aus und sind dann nicht mehr ansteckend. Die Haut heilt wieder ab. Neben dem unangenehmen Hautausschlag kommt es außerdem zu typischen Krankheitssymptomen wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen und einem allgemeinen Gefühl der Abgeschlagenheit.

Während die Windpocken bei Kindern relativ harmlos verlaufen, können sie bei Erwachsenen zu schweren Komplikationen führen. Der Hautausschlag ist wesentlich intensiver und das Fieber kann auf über 40°C steigen. In manchen Fällen dauert der Krankheitsverlauf bis zu vier Wochen und es besteht die Gefahr, an einer Lungen- oder Hirnhautentzündung zu erkranken.

Risiken für Schwangere und Babys

Erkrankt eine Frau während der Schwangerschaft an Windpocken, ist es möglich, dass die Erreger über die Plazenta auf das ungeborene Kind übertragen werden. Dies kann schlimmstenfalls zu Fehlbildungen des Babys führen. Zum Glück ist dies äußerst selten der Fall.

Kritisch ist es für Neugeborene, wenn die Mutter kurz vor der Geburt an Windpocken erkrankt. Dann bekommt das Kind zwar die Viren, jedoch nicht die Abwehrstoffe (Antikörper) der Mutter übertragen. Da der Säugling noch keine eigene Immunabwehr gebildet hat, nehmen die Windpocken bei Ausbruch der Krankheit einen schweren Verlauf. Um das zu vermeiden, bekommt das Neugeborene Antikörper gegen die Varizella-Zoster-Viren gespritzt.

Wie wird der Juckreiz bei Windpocken gelindert?

Stellt der Kinderarzt bei Ihrem Kind zweifelsfrei fest, dass es sich um die Viruserkrankung Windpocken handelt, verschreibt er zur Linderung des Juckreizes eine entzündungshemmende Emulsion.

Empfehlenswert sind außerdem kühle und feuchte Kompressen, die auf die betroffenen Hautareale gelegt werden. Denn gerade bei Kindern lässt es sich kaum vermeiden, dass sie an den juckenden Stellen kratzen. Dies sollten Sie jedoch möglichst verhindern. Denn werden die entzündeten Bläschen aufgekratzt, kann das zu schweren Wundinfektionen führen. Schlimmstenfalls kommt es dann zu einer Blutvergiftung. Darüber hinaus können bleibende Narben entstehen.

Um das zu verhindern, sollten Sie die Fingernägel des erkrankten Kindes möglichst kurz schneiden. Der Einsatz von Antibiotika ist bei Virusinfektionen wirkungslos.

Außer auf strenge Bettruhe sollten Sie darauf achten, dass Ihr Kind in der Ansteckungsphase nicht mit anderen Kindern in Kontakt kommt. Insbesondere Risikopersonen sollten die Nähe von Windpockenpatienten meiden, da die Viren sehr leicht übertragbar sind.

Windpockenimpfung ist wichtig für Säuglinge

Zum Schutz vor den Folgen dieser Infektionskrankheit empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Institutes eine doppelte Impfung bei Kleinkindern:

  • Die erste Impfung erfolgt parallel mit der ersten Masern-Mumps-Röteln-Impfung, im Alter von 11 bis 14 Monaten
  • Die zweite Impfung erfolgt vier bis sechs Wochen später im Alter von 15 bis 23 Monaten

Wer nicht geimpft ist und sich möglicherweise bei erkrankten Personen mit dem Virus angesteckt hat, sollte sich nachträglich schnell impfen lassen, um sich vor dem Ausbruch der Krankheit zu schützen. Diese sogenannte „Riegelimpfung“ ist allerdings in der Schwangerschaft nicht möglich.

Grundsätzlich gilt: Meiden Sie generell den Kontakt mit Erkrankten, wenn Sie keinen ausreichenden Impfschutz haben.

Nachdem die Krankheit überstanden ist, schlummern die Viren im Körper, wo sie viele Jahre später wieder aktiv werden können und sich dann in Form einer Gürtelrose (Herpes zoster)  zeigen.

Sollten Windpocken in Ihrem Familien- oder Bekanntenkreis ausgebrochen sein, melden Sie dies bei Ihrem Gesundheitsamt. Laut Infektionsschutzgesetz gilt seit März 2013 in Deutschland bei Auftreten der Windpocken die Meldepflicht.