Krätze – Milbenbefall der Haut

„Ich kriege die Krätze!“ – diesen Ausspruch kennt sicher jeder. Doch was bedeutet es wirklich, die Krätze zu haben?

Symptomatisch ist zunächst ein unangenehmer Juckreiz. Dieser wird durch die Krätzmilbe, auch Sarcoptes scabiei, ausgelöst. Die Milben, die diese hochansteckende Hautkrankheit verursachen, werden durch Körperkontakt übertragen. Im weiteren Verlauf bilden sich verkrustete Hautareale, die sich durch Kratzen entzünden können. Die Krätzmilbe verbreitet sich besonders dort, wo Menschen auf engem Raum zusammenleben – beispielsweise in Altenheimen, Schulen und Kindergärten. Schlechte hygienische Verhältnisse begünstigen zudem ihre Ausbreitung.

Der durch Krätze verursachte Juckreiz beginnt meist zwischen den Fingern.

Die Krätzmilbe

Kommt es zu einem Befall mit der Krätzmilbe, bohren sich die Weibchen dieser Parasitenart parallel zur Hautoberfläche in die Oberhaut (Epidermis). Am Ende der Bohrgänge legen sie täglich ein bis zwei Eier ab. Bereits nach drei bis vier Tagen schlüpfen die Milbenlarven, die sich nach circa drei Wochen ebenfalls weitervermehren können. Insgesamt legt ein Weibchen im Laufe seines Lebens circa 40 bis 50 Eier. Die Inkubationszeit des Befalls beträgt etwa zwei bis sechs Wochen.

Ansteckung mit Krätze

Übertragen werden die Krätzmilben durch direkten Körperkontakt. Sie können aber auch indirekt über Bettwäsche, Kleidung oder Handtücher auf einen anderen menschlichen Wirt übertragen werden.

Schon der Befall mit einem einzigen begatteten Milbenweibchen genügt, um die Krätze auszulösen.

Die Lebensdauer der Krätzmilbe hängt von der Temperatur und Luftfeuchtigkeit ab. Bei Raumtemperatur können Krätzmilben in Kleidung, Bettwäsche oder auf Polstermöbeln 24 bis 36 Stunden überleben. Ist das Klima besonders feucht und herrscht eine Temperatur von mindestens 12°C, bleiben sie bis zu 14 Tage am Leben. Bei Temperaturen unter 16°C ist ihre Mobilität allerdings stark eingeschränkt und sie bewegen sich kaum noch.

Falls der Befall mit Krätzmilben vom Arzt eindeutig festgestellt wird, besteht in Deutschland laut § 34 des Infektionsschutzgesetzes Meldepflicht. Bereits bei Verdachtsfällen sind der Aufenthalt und das Arbeiten in gemeinschaftlichen Einrichtungen strikt untersagt, damit sich die Krätze nicht weiter ausbreiten kann.

Symptome

Das Tückische an der Krätze (Scabies) ist, dass der Betroffene erst zwei bis sechs Wochen, nachdem sich der Parasit bei ihm eingenistet hat, die Symptome bemerkt. Die Absonderungen der Krätzmilbe verursachen einen unangenehmen Juckreiz und ein Brennen auf der Haut als Folge einer Abwehrreaktion des Immunsystems.

Die Krätzmilbe breitet sich vorwiegend in warmen Körperregionen auf der Haut aus und bevorzugt besonders die dünneren Hautschichten. Aus diesem Grund treten die ersten Symptome häufig unter den Achseln, zwischen den Fingern oder Zehen, an den Beugeseiten der Handgelenke, den Brustwarzen oder im Genitalbereich auf. Befällt die Krätze Säuglinge oder Kleinkinder, kann sie auch an anderen Körperregionen wie beispielsweise am Kopf in Erscheinung treten.

Da der Juckreiz durch Wärme verstärkt wird, sind die Beschwerden nachts besonders unangenehm. An den betroffenen Hautarealen bilden sich Bläschen. Heftiges Kratzen an den befallenen Stellen kann zu zusätzlichen bakteriellen Infektionen und zur Bildung von Abszessen führen.

Bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem kann die Krätze besonders schwerwiegend verlaufen: Hierbei entwickeln sich eine massive Schuppenbildung und Verhornung, welche die Haut großflächig verändern – besonders stark sind die Fuß- und Handinnenflächen davon betroffen. Diese Symptomform wird Borkenkrätze genannt. Der Juckreiz kann in diesem Fall deutlich geringer sein, obwohl der Milbenbefall um ein Zehnfaches höher und diese Erkrankung somit wesentlich ansteckender ist.

Therapie der Krätze

Um die aktiven Milben abzutöten, werden zur äußerlichen Anwendung Salben verschrieben, welche Insektizide wie beispielsweise Permethrin oder Allethrin enthalten. Spezielle Mittel zur Milbenbekämpfung mit Benzylbenzoat kommen ebenfalls zum Einsatz. Die Anwendung von Benzylbenzoat erfolgt, indem an drei aufeinanderfolgenden Tagen eine Emulsion mit dem Wirkstoff auf die Haut aufgetragen wird. Diese Behandlung ist nach drei Tagen abgeschlossen, auch wenn der Juckreiz noch besteht. Am vierten Tag wird das Mittel mit einem Vollbad oder durch gründliches Abduschen entfernt. Falls die Symptome anschließend nicht abklingen, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Bei einem schweren Verlauf werden systemische Präparate eingesetzt, die oral eingenommen werden, sodass sich der Wirkstoff über das Blut im gesamten Körper verteilt. Bei der Borkenkrätze erfolgt außerdem eine Behandlung, die zur Aufweichung der gebildeten Hornschicht führt.

Zusätzliche Präventionsmaßnahmen

Um sich nicht ständig erneut mit den Krätzmilben zu infizieren, empfehlen sich folgende Schritte zur Vorbeugung:

  • vor allem die Unterwäsche, aber auch Bettwäsche und Handtücher während der
    Behandlungszeit alle 12 bis 24 Stunden wechseln.
  • Wäsche, Bettzeug und Handtücher werden bei mindestens 60 °C gewaschen.
  • Stofftiere, Schuhe oder andere Textilien, die nicht gewaschen werden können, sollten für mindestens sieben Tage im Freien ausgelüftet werden. Alternativ können sie auch in Plastikbeuteln in der Gefriertruhe eingelagert werden, um den Milben die Lebensgrundlage zu entziehen.
  • Polstermöbel, Matratzen oder Teppichböden sollten mit einem leistungsstarken Staubsauger milbenfrei gesaugt werden.
  • Alle Gebrauchsgegenstände, die auch von anderen Personen genutzt werden, sollten regelmäßig mit einem Desinfektionsmittel gereinigt werden.

Wichtig: Alle Personen, die in einem engen Kontakt mit der infizierten Person stehen, sollten über die Erkrankung informiert und gleichermaßen behandelt werden. Somit wird eine Wiederansteckung und Ausbreitung der Krätze vermieden. Nach einer Woche wird die Behandlung wiederholt, um eine eventuelle spätere Neuansteckung definitiv auszuschließen.

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