Borkenflechte – kein Kinderspiel!

Ein aufgeschürftes Knie, ein aufgekratzter Insektenstich – Kinder haben häufig solche kleinen Blessuren. Aber gerade durch diese haben Bakterien, die Borkenflechte verursachen, leichtes Spiel. Da kann es schnell passieren, dass sich Kinder beim Spielen anstecken, aber auch Erwachsene müssen aufpassen. Borkenflechte äußert sich in kleinen juckenden Bläschen, die dann verkrusten. Neben einer raschen Behandlung müssen Kinder und Erwachsene penibel auf die Hygiene achten.

Besonders in Kindergruppen ist Borkenflechte oft zu beobachten.

Das Wichtigste auf einem Blick

  • Die Borkenflechte ist eine hochansteckende Hauterkrankung, die vor allem bei Kindern auftritt und durch Bakterien ausgelöst wird.
  • Typische Symptome sind Bläschen – meist unterhalb der Nase – die aufplatzen und verkrusten. Der Schorf hat meist eine honiggelbe Farbe.
  • Mediziner unterscheiden zwischen einer kleinblasigen und großblasigen Form – je nachdem, welche Bakterien die Verursacher sind.
  • In seltenen Fällen kann die Borkenflechte zu Komplikationen wie einer Sepsis (Blutvergiftung) oder Nierenentzündung führen.
  • Die Behandlung erfolgt mittels Antibiotika. Aber auch die Einhaltung von Hygienevorschriften ist wichtig.

Borkenflechte – Überblick

Ursachen
Symptome
Formen der Borkenflechte
Komplikationen
Behandlung

Viele Bezeichnungen, zwei Ursachen

Borkenflechte ist eine Hautkrankheit, die vor allem bei Kleinkindern häufig verbreitet ist – aber auch bei Erwachsenen auftreten kann. Die medizinische Bezeichnung ist Impetigo contagiosa, im Volksmund hat die Krankheit aber sehr viele unterschiedliche Bezeichnungen wie Grindflechte, Eiterflechte, Krustenflechte, Eitergrind oder Blasengrind.

Die Ursache der unschönen Hautreaktion ist eine Infektion mit Bakterien der Gattung Streptokokken oder Staphylokokken, die vor allem in der warmen Jahreszeit Hochsaison haben Diese können entweder durch direkten Kontakt zu infizierten Personen oder durch das Berühren infizierter Gegenstände übertragen werden. Als Eintrittspforte dienen den Bakterien vor allem kleine Verletzungen oder aufgekratzte Insektenstiche. Da die Infektion sehr ansteckend ist, haben vor allem kleinere Kinder oder Familienmitglieder ein höheres Risiko, sich durch das gemeinsame Benutzen infizierter Gegenstände wie Handtücher oder Spielzeug mit Borkenflechte anzustecken. Die Inkubationszeit, also die Zeit von Infektion bis zum Ausbruch der Symptome, dauert zwei bis zehn Tage.

Gut zu wissen:
Das Risiko einer Borkenflechte-Infektion ist bei Kindern, die an Neurodermitis oder Windpocken leiden, besonders hoch, da die Bakterien leichter in die bereits strapazierte Haut eindringen können.

Symptome der Borkenflechte: Bläschen, Eiter, Grind

Wie die diversen Bezeichnungen der Hautkrankheit bereits andeuten, sind rote, juckende Flecken, auf denen sich kleine Bläschen und Pusteln bilden, typische Symptome der Borkenflechte. Die Bläschen erscheinen vorwiegend im Mund-Nasen-Bereich, können aber auch auf dem Kopf oder an Armen und Beinen auftreten. Nach einiger Zeit platzen die Blasen auf und es entleert sich eine eitrige Flüssigkeit. Anschließend bildet sich daraus eine gesäumte Kruste, die eine gelbe bis bräunliche Färbung annimmt und im weiteren Verlauf langsam abheilt. Der Allgemeinzustand der Erkrankten ist in der Regel nicht beeinträchtigt.

Große oder kleine Blasen – zwei Formen der Impetigo contagiosa

Je nachdem, ob Bakterien der Art Streptokokken oder Staphylokokken die Ursache der Infektion sind, zeigen sich leichte Unterschiede hinsichtlich der Symptome der Borkenflechte. So lassen sich die zwei Formen der Impetigo contagiosa voneinander abgrenzen:

  • In etwa 80 Prozent der Fälle wird die Grindflechte durch Streptokokken hervorgerufen und zeigt sich in einer kleinblasigen Form.1
  • Seltener ist die großblasige Form, die von Staphylokokkus-Bakterien verursacht wird.

Bei der Behandlung spielt die Unterscheidung keine Rolle. Häufig findet der Arzt bei Abstrichen auch beide Keime. Die Krankheit ist so lange ansteckend, bis die Hautstellen komplett abgeheilt sind.

Mögliche Komplikationen der Borkenflechte

In den meisten Fällen heilt die Hautkrankheit bei einer entsprechenden Behandlung nach einigen Wochen folgenlos aus. Theoretisch kann es jedoch passieren, dass die Entzündungen tiefer eindringen und Muskulatur oder Sehnen angreifen. Selten kommt es infolge der Borkenflechte deshalb zu einer Blutvergiftung (Sepsis), die eine sofortige intensivmedizinische Behandlung erfordert. Anzeichen sind beispielsweise ein sehr schneller Herzschlag, Fieber, Verwirrtheit, Schmerzen sowie eine schnelle oder sehr schwere Atmung.
Bei einer Infektion mit Streptokokken kann als Spätfolge der Borkenflechte (nach einigen Tagen oder Wochen) außerdem eine Nierenentzündung (Glomerulonephritis) auftreten. Diese äußert sich zum Beispiel durch allgemeines Mattigkeitsgefühl, Appetitlosigkeit und Übelkeit. Bemerken Betroffene die Anzeichen, sollten sie auf jeden Fall einen Arzt darüber informieren.

Staphylogenes Lyell-Syndrom
Sehr selten kann die bakterielle Infektion mit Staphylokokken bei Babys, Kleinkindern oder Menschen mit geschwächtem Immunsystem zu dem Lyell-Syndrom (auch: Syndrom der verbrühten Haut) führen. Hierbei handelt es sich um eine lebensbedrohliche Hautreaktion. Durch Giftstoffe (Toxine), die von den Bakterien abgesondert werden, kommt es zu Rötungen, Bläschenbildung bis hin zur Ablösung der Haut. Es muss eine sofortige intensivmedizinische Therapie eingeleitet werden.

Behandlung der Borkenflechte mit Antibiotika

Ein erfahrener Hautarzt erkennt die Borkenflechte (Impetigo contagiosa) bereits anhand des oben beschriebenen Hautbildes. Klarheit darüber, welche Bakterien die Übeltäter sind, können Hautabstriche bringen.

Der Arzt verschreibt bei Erwachsenen und Kindern gegen die Borkenflechte gewöhnlich antibiotikahaltige Salben, die die Bakterien abtöten sollen. Bessert sich die Erkrankung innerhalb von drei Tage nicht, kann er Antibiotika zum Einnehmen empfehlen. Darüber hinaus macht der Mediziner hygienische Ratschläge, um eine erneute Ansteckung oder einer Verbreitung der Bakterien zu vermeiden. Dazu gehören folgende Maßnahmen:

  • Hände regelmäßig und gründlich mit Seife waschen (bei Kleinkindern müssen die Eltern dafür sorgen)
  • Fingernägel kurz scheiden (um Aufkratzen und damit eine Übertragung zu vermeiden)
  • wunde Stellen nicht berühren und Kratzen vermeiden
  • Kleidung, Bettwäsche und Handtücher, die mit Bakterien in Kontakt gekommen sind, bei 60 bis 90 Grad Celsius waschen

Bis die Krusten abgeheilt sind, sollte das Kind außerdem zuhause bleiben. Somit wird die Ansteckung in Gemeinschaftseinrichtungen vermieden. Narben bleiben in der Regel nicht zurück, jedoch können noch für einige Zeit dunkelrote Hautflecken zu sehen sein.

Wichtig:
Breitet sich die Grindflechte trotz antibiotischer Behandlung weiter aus oder kommen weitere Symptome wie Fieber, Atemnot oder Bauchschmerzen hinzu, sollten Sie unbedingt erneut sofort zum Arzt gehen, weil eine Komplikation dahinter stecken könnte.

Hier weiterlesen:

Übersicht über ansteckende Hautkrankheiten >>

Neurodermitis behandeln >>

Was sind Windpocken? >>

 
 
1 Robert Koch Institut (2006): Hinweise für Ärzte, Leitungen von Gemeinschaftseinrichtungen und Gesundheitsämter zur Wiederzulassung in Schulen und sonstigen Gemeinschaftseinrichtungen. Online abgerufen unter: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Wiederzulassung/Mbl_Wiederzulassung_schule.html (Stand: 14.08.2017).